GamePro wird 100 - Ein Rückblick - Die Redaktion erinnert sich

Wie kamen die GamePros eigentlich zu ihrem Job? Welche miesen Spiele mussten sie testen und wen würden sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Erfahrt es in unserem Jubliäums-Special.

von Redaktion GamePro,
01.12.2010 18:10 Uhr

André Horn (ehem. Chefredakteur)

1. Wann und wie hast du bei der GamePro angefangen?
Mein erster Tag bei GamePro (und auch bei IDG, dem Verlag, in dem GamePro erscheint), war der 1. Juli 2002. Zuvor war ich PR Manager bei Funcom, einem Spieleentwickler. Irgendwann erhielt ich einen Anruf, ob ich Interesse hätte, ein neues Konsolenmagazin mitzugründen. So kam ich dann als Stellvertretender Chefredakteur nach München zur GamePro. Chefredakteur war damals Gunnar Lott, der war aber zuvor schon bei IDG. Gemeinsam mit mir neu angefangen haben damals am 1.7.2002 der Kosta (der ist heute auch noch da) und die Kristina Bajic (unsere damalige Assistentin).

2. Und was machst du jetzt?
Mittlerweile bin ich Verlagsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei IDG Entertainment. Ich bin also verantwortlich für die wirtschaftliche Entwicklung von GameStar, GamePro, Making Games, unserem MMO-Magazin, dem offiziellen Sims-Magazin und all den anderen Sachen, an denen wir hier schrauben. Ich bin zuständig für Unternehmensstrategie, Finanzplanung, Controlling und Geschäftsentwicklung. Quasi wie eine Wirtschaftssim – nur halt im echten Leben.

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3. Ein witziges Erlebnis aus deiner GamePro-Historie?
Die legendäre Tokio-Reise mit David war sicher ein Highlight. Ich habe noch nie einen Menschen öfter seinen Koffer aus- und einpacken gesehen, weil er immer wieder was verlegt hat. Dann hat er auch noch seinen Reisepass in der Spielhalle verloren und musste zurück in die Stadt (unser Hotel lag weit außerhalb). Wenn er schon mal da ist, hat er gedacht, könnte er doch noch ein wenig zocken, hat darüber die Zeit vergessen, den letzten Zug verpasst und musste die Nacht in Tokio durchmachen. Am nächsten Morgen hatte ein sichtlich übernächtigter David auf der Messe tolle Geschichten zu erzählen – zum Beispiel die mit dem Motorrad-Lenker, aber die gehört jetzt nicht hierher.

4. Welches ist das schlechteste Spiel mit dem du in deiner Zeit hier zu tun hattest?
Was das wirklich schlechteste Spiel war, daran kann ich mich nicht erinnern und darauf will ich mich auch nicht festlegen. Aber ich kann zwei Spiele nennen, die mir vom TestCheck nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Das eine habe ich selber gespielt, das war King’s Field IV, ein Rollenspiel mit der vermutlich schlechtesten deutschen Synchro in der Konsolengeschichte.

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5. Und an welches Spiel denkst du am liebsten zurück?
Es gibt eine ganze Menge Spiele, die mir am Herzen liegen, entweder weil sie spielerische Meilensteine waren, oder weil sie eine ganz besondere Bedeutung für mich und/oder GamePro hatten. In die die erste Kategorie gehört für mich vor allem Knights of the Old Republic, eines der besten Spiele, die ich überhaupt in meinem Leben gespielt habe. Auch an das erste Jak & Daxter erinnere ich mich gern. Oder an Suikoden III. Oder Katamari Damacy. Und natürlich an das großartige Amplitude, den inoffiziellen Vorläufer von Guitar Hero. Amplitude haben wir aus meiner heutigen Sicht mit 88% sogar noch zu niedrig bewertet. Mit Freude zurück blicke ich außerdem auf StarCraft Ghost. Das ist zwar leider nie erschienen, hat aber die Frühzeit der GamePro stark geprägt, da das für uns damals der erste richtige Coup war, den wir enthüllt haben. Mit Folklore schließt sich dann der Kreis. Das ist kein Spiel, an das man sich eigentlich besonders erinnern müsste, aber es ist das letzte Spiel, das ich in der Redaktion getestet habe. Seitdem bin ich offiziell wieder rein privater Spieler.

6. Wie hat sich dein Arbeitsalltag verändert seit du hier angefangen hast?
Seit Oktober 2007 hat sich mein Arbeitsalltag radikal verändert. Ich arbeite nicht mehr in der Redaktion, ich teste keine Spiele mehr. Stattdessen habe ich viel mit Zahlen zu tun. Wesentlich mehr, als ich es jemals geahnt hätte (Zahlen und ich – wir waren in der Schule keine Freunde). Ich bin mittlerweile zudem mehr auf irgendwelchen Medienveranstaltungen unterwegs als auch Events der Computerspiel-Branche. Dennoch fühle ich mich immer noch in erster Linie der Videospielszene zugehörig und tobe mich statt in der Redaktion jetzt einem Verein aus (Videospielkultur e.V.), den ich vor etwas über vier Jahren in München mit einigen Freunden gegründet habe.

7. Mit welchem Kollegen würdest du am liebsten auf einer einsamen Insel ausgesetzt werden und wieso?
Dave. Der kann singen, Gitarre spielen und quasselt im Zweifelsfall auch zehn Jahre am Stück, bis wir wieder abgeholt werden.

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