Alan Wake im Test - Im Dunkeln tippen

Grusel statt Horror, Story statt Splatter, Spannung statt Terror – Alan Wake macht vieles anders, aber nicht alles richtig.

von Henry Ernst,
05.05.2010 07:00 Uhr

Es kann jeden treffen! Von Philosophen über Dramatiker und Romanciers bis hin zu Werbetextern, Internet-Bloggern oder Videospielzeitschriften-Tastenprüglern: Kein Schreiber auf diesem Planeten ist sicher vor der unüberwindlichen Mauer, die sich zwischen das gedachte und das geschriebene Wort schieben kann und wie eine geistige Darmverschlingung den Fluss von Buchstaben, Silben, Worten und Sätzen unterbricht. Auch Alan Wake , Hauptdarsteller des gleichnamigen Spiels, könnte ganze Seiten zum Thema Schreibblockade abliefern -- wenn er denn nur schreiben könnte.

Seit zwei Jahren hat der gefeierte Schriftsteller kein einziges Wort mehr zu Papier gebracht. Ablenkung -- das einzig probate Mittel gegen eine Schreibblockade -- ist ebenso wirkungslos geblieben wie die Inspirationsversuche von Wakes Frau Alice. Kurz gesagt: Der New Yorker Autor fühlt sich wie ein Pornodarsteller, der die blaue Pille nötig hat: Er will zwar, kann aber nicht. Ständiger Druck seitens seines Agenten Barry und die immense Erwartungshaltung der Fan-Gemeinde tun ihr übriges, um Mr. Wake in eine Krise zu stürzen, die sich unter anderem durch quälende Schlaflosigkeit und die damit einhergehende Anspannung bemerkbar macht.

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Alan Wake
Genre: Action
Release: 14.05.2010

Story und Szenario

Um Alans Kreativität und ihre Ehe zu retten beschließt Alice, der Familie Wake einen Urlaub zu verordnen. Und so macht sich das Paar auf den Weg nach Bright Falls, einem verschlafenen Nest im Bundesstaat Washington. Die von schroffen Felsmassiven und düsteren Wäldern umrahmte Stadt ist das genaue Gegenteil von New York -- jeder kennt jeden, alles läuft langsam, entspannt und freundlich ab.

Das höchste Gebäude von Bright Falls hat drei Stockwerke, es gibt ein klassisches Diner, Daunenwesten in Signalfarben sind en vogue und der Höhepunkt des kulturellen Lebens ist das jährliche Hirschfest. Was hier so spannend klingt wie eine Folge Waltons, sollte bei Videospielern und Fans von Fernsehserien sämtliche Alarmglocken läuten lassen - immerhin fallen auch Orte wie Silent Hill, Twin Peaks oder Raccoon City in die Kategorie »verschlafene Kleinstadt«.

Alan Wake: Zu Beginn des Spiel lernt ihr in Ruhe einige der Bewohner von Bright Falls kennen.Alan Wake: Zu Beginn des Spiel lernt ihr in Ruhe einige der Bewohner von Bright Falls kennen.

Episodenstruktur

Egal wie man es dreht und wendet, das Thema Videospielhorror ist mittlerweile so ausgequetscht wie eine Kuh, die von einem Panzer überrollt wurde. Das wissen natürlich auch die geistigen Väter von Alan Wake. Anstatt dem Rezept anderer Hersteller zu folgen und die inspirationsfreie Horror-Suppe erneut aufzukochen, haben die Entwickler ihrem Kind einen anderen Namen geben. Alan Wake will nämlich kein Horror-Spiel sein, sondern versteht sich als »Psychological Action Thriller«. Doch damit nicht genug.

Alfred Hitchcocks Die Vögel ist eindeutig eine der Inspirationsquellen der Entwickler gewesen.Alfred Hitchcocks "Die Vögel" ist eindeutig eine der Inspirationsquellen der Entwickler gewesen.

Auch in Bezug auf Erzählweise und Struktur der Geschichte haben sich die kreativen Köpfe einiges vorgenommen. Anstatt euch ohne Unterbrechung vom Anfang zum Ende der Story zu scheuchen, ist Alan Wake aufgebaut wie eine Fernsehserie, die euch in sechs Episoden Alan Wakes Abenteuer nacherleben lässt. Natürlich inklusive Vor- und Abspann, Cliffhänger-Situationen und einer Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse am Anfang jeder neuen Episode.


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