Jetzt mit Plus alles auf einer Seite lesen

Jahres-AboUNSER TIPP

12 Monate

 Bester Preis
 Heftarchiv jederzeit buchbar
2,99€

pro Monat

Auf geht's
Quartals-Abo
3,99€

pro Monat

3 Monate

 20% günstiger als Flexi-Abo
 Heftarchiv jederzeit buchbar
3,99€

pro Monat

Auf geht's
Flexi-Abo
4,99€

pro Monat

1 Monat

 Monatlich kündbar
 Heftarchiv jederzeit buchbar
4,99€

pro Monat

Auf geht's

Alter Egoisten - Anti-Helden in Spielen

Es muss nicht immer der edle Ritter in seiner strahlenden Rüstung sein: Wie in Buch, Comic oder Film darf man sich auch in Videospielen oftmals mit einer nicht ganz so makellosen Hauptfigur identifizieren. Mehr noch: Antihelden wie Riddick gehören heutzutage zum Bildschirm-Stammpersonal – Grund genug, die untugendhaften Alter Egos und ihre Laster mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

von Redaktion GamePro,
16.04.2009 14:14 Uhr

Als Kriminellen-Simulation kann die Grand Theft Auto-Serie gar nicht anders, als in Haupt- und Nebenrollen auf Antihelden zurückzugreifen. Als Kriminellen-Simulation kann die Grand Theft Auto-Serie gar nicht anders, als in Haupt- und Nebenrollen auf Antihelden zurückzugreifen.

Am Ende habt ihr zwei Dutzend Menschen auf dem Gewissen – mindestens. Vermutlich werden es erheblich mehr Opfer sein, denn diese 24 Morde sind nur die zwingend notwendigen, die von den Erzählern der Geschichte vorgesehenen und verlangten. Wichtiger noch: Es gibt keine hehren Motive für die Morde, sie geschehen im Auftrag, aus Eifersucht, Rache und Geldgier, selten aus Notwehr und nie im Kampf für das Gute. Wer ihr seid? Der weltweit populärste Videospielcharakter des vergangenen Jahres jenseits der Wii: Niko Bellic, »Held« – oder vielleicht doch besser Protagonist – von GTA IV, dem nach Mario Kart und Wii Fit drittbestverkauften Spiel 2008. Es gibt wenig, was man dem durch Liberty City marodierenden Serben zugutehalten könnte. Außer vielleicht seine Traumatisierung durch den Krieg in Jugoslawien, seinen verständlichen Wunsch, früheres Unrecht aufzuklären und dadurch mit einer belastenden Vergangenheit abzuschließen. Oder sein Einstehen für die Familie – selbst wenn zu dieser ein Unglücksrabe wie Cousin Roman gehört.

Dirk the Daring zog in Dragon’s Lair zwar heldentypisch los, um eine holde Jungfrau zu retten – seine dämlichen Grimassen machten eine Identifikation aber schwer.Dirk the Daring zog in Dragon’s Lair zwar heldentypisch los, um eine holde Jungfrau zu retten – seine dämlichen Grimassen machten eine Identifikation aber schwer.

Niko Bellic ist ein typischer Antiheld: desillusioniert, zynisch, kriminell. Das Leben in seiner Gnadenlosig- und Ungerechtigkeit hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist, hat seine guten Seiten und ehrbaren Motive zugeschüttet, aber nicht vollständig begraben. Bellic ist kein guter Mensch und damit kein klassischer Held, er ist einfach nur die Hauptfigur eines hervorragend inszenierten Stücks interaktiver Unterhaltung, für die wir beizeiten Verständnis und manchmal Achtung haben.

Das Wichtigste, was man beim Lesen, Betrachten und Spielen solcher Antihelden im Hinterkopf haben sollte: Diese Figuren sind niemals Vorbilder, sie wollen und können es nicht sein. Nichtsdestotrotz dürfen wir sie mögen, können womöglich aus ihnen und ihrer Lebensgeschichte Lehren ziehen oder werden einfach nur gut durch sie unterhalten.

Raue Schale, schlechter Kern

Als Auftragskiller ist es generell schwierig, den strahlenden Helden abzugeben. Als Auftragskiller ist es generell schwierig, den strahlenden Helden abzugeben.

Helden zeichnen sich durch ihre Stärke aus, ob körperlich, geistig oder moralisch, sie streben unbeirrbar nach dem Guten, opfern sich für andere auf und müssen nie aufs Klo. Sie sind Übermenschen – egal ob in Buch, Film oder Videospiel. Superman und Super Mario, John McClane und Master Chief, Luke Skywalker und Lara Croft – sie alle sind reinen Herzens und ihr Kampf gegen das Böse in der Welt endet verdientermaßen mit einem Happy End. Ein paar Flecken auf der weißen Weste stören dabei nicht: Ob der Held ein bisschen zu viel trinkt, etwas zu fett ist oder sich mit unerfüllter Liebe und einem Vaterkomplex rumplagt – kleinere Schwächen machen die Figur nur menschlicher, sympathischer und glaubhafter. Der Antiheld ist anders. Bei ihm überwiegen die Schwächen und schlechten Eigenschaften, er handelt gewöhnlich aus Eigennutz, andere Individuen sind ihm bis auf seltene Ausnahmen total egal.

Antihelden zum Liebhaben: Der Loser Larry Laffer war von 1987 bis 1996 sechsmal auf der (meist erfolglosen) Suche nach Liebe.Antihelden zum Liebhaben: Der Loser Larry Laffer war von 1987 bis 1996 sechsmal auf der (meist erfolglosen) Suche nach Liebe.

Für Antihelden empfindet man vieles, aber nur selten Sympathie. Der Zuseher bzw. Spieler findet sie vielleicht cool, witzig, abgefahren oder beeindruckend, aber »nett« gehört nicht zu den Attributen, die Antihelden gewöhnlich anhaften. Duke Nukem bringt uns mit seinen dickhosigen Sprüchen zum Grinsen, ist aber nüchtern betrachtet nichts anderes als ein sexistischer, unterbelichteter Prolet, auf dessen Bekanntschaft man im echten Leben wenig Wert legen würde. Kratos aus God of War mag ein beneidenswert kräftiger und geschickter Kämpfer gegen das Böse sein, aber genauso ist er auch ein egoistischer, gewissen- und mitleidloser Schlächter. Agent 47, Hauptfigur der Hitman-Reihe, legitimiert seine schmutzige Auftragskiller-Arbeit zwar dadurch, dass er (ähnlich dem Massenmörder Morgan in der TV-Serie »Dexter«) nur die schlimmen Kerle tötet, er scheut aber auch nicht vor dem Mord an Unschuldigen zurück, wenn es seinen Zwecken dient.

1 von 3

nächste Seite



Kommentare(1)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.