Batman v Superman - Düstere Zeiten für DC

Batman v Superman lässt DCs mächtigste Ikonen aufeinanderprallen. Aber bleibt zwischen all der Reiberei noch Platz für eine gute Story?

von Dimitry Halley,
23.03.2016 09:48 Uhr

Als ich noch ein Kind war, konnte ich gar nicht genug bekommen von Superman und Batman - DCs Strahlehelden, die jeden Samstagmorgen im Kinderfernsehen den Verbrechern das Fürchten lehrten. Wenn es irgendeinen Schurken gab, den sie allein nicht bezwingen konnten, dann wusste ich: Gemeinsam war keine Gefahr zu groß. Team-Ups waren immer ein bombastisches Spektakel, zumindest in den Cartoon-Varianten der Comics.

Und trotzdem verbarg sich irgendwo in meinem Hinterkopf dieselbe Frage wie bei zig anderen Superhelden-Fans: Wenn Batman und Superman sich aus irgendeinem Grund gegenseitig eins auf die Mütze geben würden - wer wäre am Ende der Sieger? Kryptons letzter Sohn mit seinen gottgleichen Kampffähigkeiten, Laseraugen und Frostatem? Oder der Fledermausmann aus Gotham City, der mit Gadgets, Grips und eiserner Brutalität für jeden Ernstfall den perfekten Plan ausheckt?

Heute bin ich erwachsen, kriege immer noch nicht genug von Superman und Batman und habe deshalb über die Jahre in Comics und Spielen (Injustice) schon so einige Duelle zwischen den beiden Giganten verfolgt - aber noch keines war so in Szene gesetzt wie Batman v Superman. Auf der großen Leinwand feiern die beiden im Rahmen von DCs Filmuniversum (zu dem auch Suicide Squad gehört) ihr erstes großes Crossover-Debut. Superman gegen Batman: ein Jahrhundertkampf!

Klingt nach einer famosen Idee? Mag sein, aber in der Praxis tritt der Batman v Superman aber in zu viele Crossover-Fettnäpfchen. Und so viel nehme ich vorweg: Das schadet der Story des Films enorm.

Keine Spoiler! Ich verzichte in meiner Kritik auf Spoiler und erwähne ausschließlich Szenen, die bereits in den Trailern oder innerhalb der ersten zehn Minuten des Films zu sehen sind. Trotzdem gilt: Wer absolut nichts über Batman v Superman wissen will, bevor er ins Kino geht, sollte mit dem Lesen des Artikels warten. Eventuell heikle Stellen sind natürlich wie immer mit Spoiler-Filter überdeckt.

Die Versus-Falle

Versus-Geschichten müssen vor dem Start eigentlich immer ein konzeptionelles Problem lösen: Warum sollten sich zwei gutherzige, intelligente Idole gegenseitig die Zähne ausschlagen? Die Lösung ist so simpel wie einheitlich: Missverständnisse. Was Millionen von Liebesbeziehungen in die Krise treibt, sorgt auch zwischen platonischen Superhelden für reichlich Zündstoff. Aber wie kriegt man zwei vermeintlich kluge Personen dazu, auf einmal nicht mehr vernünftig miteinander zu reden?

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Hier gibt's für die Autoren zwei Wege. Nummer Eins: Man lässt sich was Kreatives einfallen. Nummer Zwei: Man macht sie dümmer, als sie eigentlich sind. Batman v Superman nimmt Nummer Zwei und scheitert wie so viele Versus-Geschichten daran, dass man vor dem großen Showdown ja auch noch eine fesselnde Geschichte erzählen muss.

Dabei fängt der Film wirklich grandios an. In den Opening Credits wird Batmans Entstehungsgeschichte in einigen Eindrücken skizziert - Bruce Wayne verliert seine Eltern durch ein Verbrechen, wird zum Rächer und vermöbelt als maskierte Fledermaus Schurken. Batman v Superman distanziert sich spürbar von den zig anderen Bat-Verfilmungen und gibt mir statt einer detaillierten Origin-Story einen großen Zeitsprung: Zu Beginn des Films hat Bruce Wayne bereits zwei Jahrzehnte seiner Superhelden-Karriere hinter sich.

Gute Zutaten, schlechter Eintopf

Ben Affleck legt als Fledermausmann – für manchen vielleicht unerwartet – einen wirklich starken Auftakthin: Der Film beginnt beim Showdown des Vorgängers Man of Steel, zeigt das Geschehen allerdings aus Sicht der normalen Menschen. Superman und sein Erzrivale Zod kämpfen am Himmel von Metropolis gegeneinander, schleudern sich durch die Wolkenkratzer, hinterlassen eine Schneise der Verwüstung.

Bruce Wayne ist indes Teil der Menschenmenge am Boden, die fassungslos Zeuge der Zerstörung wird. Der Milliardär rettet einige Leute aus einem einstürzenden Firmen-Gebäude, ein Freund von ihm stirbt allerdings, ohne dass er was dagegen tun kann. Kein Wunder also, dass Batman fortan äußerst skeptisch gegenüber Wesen von einer fremden Welt ist.

Batman v Superman trumpft bereits in den ersten Minuten mit fantastischen Effekten und hält das Niveau bis zum Schluss - kein Superheldenfilm sah je so gut aus. Das gilt für die CGI-Effekte, aber auch für die Designs: Batmans Kostüm gehört für mich zu den coolsten Outfits aller Zeiten. Und wenn es dann mal kracht, sind die Choreographien erste Sahne. Besonders eine Szene, in der Batman allein einen Raum voller Gangster aufmischt, ist mein Highlight des Films.

Aber Aussehen ist nicht alles. Denn so cool Batman in einigen Szenen auch sein mag. Im Lauf der Handlung entpuppt sich der Kerl als verrückter Vollidiot.

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Das fängt damit an, dass er selbst wahllos Gangster umbringt. Ja, richtig: Batman tötet. Klingt spannend? Vielleicht. Wird es im Film thematisiert? Nein, nicht die Bohne. Und wenn er einen Gegner mal am Leben lässt, nimmt er sich die Zeit, ihm mit glühender Klinge ein Bat-Symbol in die Brust zu brennen.

Rocket League - Batman v Superman: Dawn of Justice Car Pack Teaser Rocket League - Batman v Superman: Dawn of Justice Car Pack Teaser

Wer ist Schuld?

Mit diesen Aspekten komme ich trotz einiger Bedenken klar. Als Comic-Fan bin ich froh, wenn man mit meinen Lieblingsfiguren auch mal abgedrehte Sachen anstellt. Der Negativ-Knackpunkt ist vielmehr Batmans Beziehung zu Superman. Es stellt sich nämlich raus, dass Unmengen von Menschen - Batman inklusive - Superman die Schuld an der Zerstörung von Metropolis geben.

Klar, der Kerl von Krypton hat zwar eigentlich im Alleingang die Welt gerettet. Aber bei all der Action zuzulassen, dass Gebäude in die Luft fliegen? Das geht echt nicht. Wenn schon Todeskampf, dann bitte über dem Meer oder zumindest auf einer großen Wiese. Die Story will Superman mit allen Mitteln als mögliche Bedrohung darstellen, ohne ein einziges plausibles Argument dafür zu liefern. Das machen andere Crossover-Storys wie Injustice: Gods Among Us deutlich besser.

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Kein Wunder, dass selbst Clark Kent erstaunlich passiv darauf reagiert, weil er gar nicht weiß, was man auf die doofen Kommentare des wütenden Mobs antworten soll. Ein Mann verflucht ihn beispielsweise, weil er im Tumult des ersten Films unter Trümmern begraben wurde und dabei seine Beine verloren hat. Aber das wirkt an keiner Stelle plausibel: Man gibt ja auch nicht der Feuerwehr die Schuld, weil einem im Rahmen eines Brandstifter-Anschlags ein Balken auf den Kopf fällt.

Zugegeben: Zu Beginn steckt in dieser Idee wirklich Potenzial. Sich damit auseinanderzusetzen, wie die Menschen am Boden auf die ungreifbaren Superwesen reagieren, ist durchaus der richtige Weg. Viele Menschen fürchten sich, andere verehren Superman als Heiligen. Aber der Film macht aus dieser Grundidee einen so plakativen Zusammenwurf unsinniger Dialoge, dass die anderen Presseleute neben mir genau wie ich mit dem Kopf schütteln mussten.

Plot-Löcher mit Traumsequenzen stopfen

Clark Kent ist übrigens ebenfalls sauer auf Batman: Ihn regt auf, dass der Rächer sich über dem Gesetz sieht und auf eigene Faust Verbrechen bekämpft. Im Prinzip also genau wie Superman - aber sei's drum, der Plot braucht halt diese Gegenüberstellung. Der komplette Konflikt zwischen Batman und Superman hätte von Anfang an vermieden werden können, wenn die beiden sich zu einer vernünftigen Aussprache aufraffen könnten.

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Das Drehbuch ist sogar so löchrig, dass diverse Aspekte der Handlung durch Träume oder Visionen von einer möglichen Zukunft erklärt werden müssen. Ich habe noch keinen Film gesehen, in dem so viele Superhelden Visionen empfangen. Der Gipfel ist aber die Auseinandersetzung zwischen Batman und Superman selbst - wer neugierig ist: In der Spoiler-Klammer skizziere ich die unsinnigste Szene des ganzen Films.

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Nachdem Batman schlecht geträumt hat, beschließt er, Superman mit einem Speer aus Kryptonit zu töten (!). Die beiden kämpfen, Wayne triumphiert, kniet über dem verwundeten Clark und holt zum Todesstoß aus. Superman ruft: »Rette Martha!«, denn seine Mutter wurde von Lex Luthor entführt. Batman stutzt, weil seine eigene verstorbene Mama ebenfalls Martha hieß. Und da er nicht zulassen kann, dass noch eine Martha den frühzeitigen Tod findet, schließt er sich Superman an. Alles wegen Mutter. Ab da sind die beiden dicke Kumpels, der Grundkonflikt zwischen den Helden wird fortan komplett ignoriert.

Die 90er rufen

Wenn Comic-Fans über die 90er-Jahre sprechen, tun sie das häufig mit betretener Mine. Viele Superhelden-Geschichten aus diesem Jahrzehnt sind dafür bekannt, dass sie furchtbar plakativ mit ihren Figuren umgingen. Um die Verkaufszahlen hochzuschrauben, standen damals alle Zeichen auf »Badass«. Charaktere mussten plötzlich »gritty« sein, ihre Feinde umbringen, statt ihnen nur auf die Rübe zu hauen. Man ließ Helden wie Green Lantern böse werden und ganze Völker ermorden, Superman starb und kehrte als unfassbar mächtiges Energiewesen zurück. Und dem alten Batman brach man das Rückgrat, um ihn durch »Badass«-Azrael zu ersetzen. Es ist absolut kein Wunder, dass Batman v Superman all seine Vorlagen aus dieser Epoche nimmt (von The Dark Knight Returns mal abgesehen).

Hach, die 90er. Azrael-Batman war so »badass«, dass er als Parodie auf den Zeitgeist funktionierte. Hach, die 90er. Azrael-Batman war so »badass«, dass er als Parodie auf den Zeitgeist funktionierte.

Letztlich scheitert der Film an seiner Tonalität. Über zwei Drittel der Laufzeit kommen ohne Action aus - stattdessen verfolge ich als Zuschauer vermeintlich tiefsinnige Dialoge über Moral, Heldentum und das Gute im Menschen.

»Dark and Gritty«

Batman v Superman ist ein sehr ernster, düsterer Film, ein krasses Gegenbild zum heiteren Popcorn-Kino des Marvel Cinematic Universe (Avengers). Hinter dieser bedeutungsschwangeren Fassade steckt allerdings kein sinnvoller Inhalt. Der Film glorifiziert seine eigene »Grittiness«, statt eine gute Geschichte zu erzählen.

Als Zuschauer nervt mich das, weil er mir mehr verkaufen will, als er bieten kann. Wenn ich mich auf 90 Minuten Popcorn-Prügelei zwischen zwei Superhelden einstelle, sind mir Plot-Löcher häufig wurscht. Aber Batman v Superman kaschiert sich als düsteres Charakterdrama, das zum Nachdenken anregen soll. Dem wird der Film an keiner Stelle gerecht. Die Figuren bleiben eindimensional, der Plot des wahren Bösewichts ist nach einer halben Stunde absolut vorhersehbar und bei all der Plauderei kommt ausgerechnet die Action viel zu kurz.

Dabei sind die wenigen Kämpfe echte Highlights, die abgesehen vom Finale komplett untergehen. Aber zumindest legen Batman und Superman am Ende trotzdem wieder eine ganze Stadt in Schutt und Asche - nicht dass das dann noch jemanden stören würde.


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