Battlefield Hardline im Test - Evolution in Schrittgeschwindigkeit

Erstaunlich: Battlefield Hardline bleibt im Test hinter den Vorgängern zurück. Und das trotz problemlosem Start und vielen Serientugenden.

von Petra Schmitz, Johannes Rohe, Stefan Köhler,
25.03.2015 13:23 Uhr

Battlefield Hardline - Test-Video zum Multiplayer-Modus Battlefield Hardline - Test-Video zum Multiplayer-Modus

Himmel, Po und Zwirn, diese Karte ist ja schlimmer als »Operation Metro«! Die Map »Der Block« in Battlefield Hardline kann auch sanfteste Gemüter zu Flüchen jenseits der Mundauswasch-Grenze verleiten. Vor allem im Modus Conquest ist sie nahezu unspielbar. Ein Schlauch, alle drei Flaggenpunkte liegen hintereinander. Wenn ein Team auch nur ein bisschen besser als das andere aufgestellt ist, macht es den Schlauch einfach dicht. Und zwar genau am Spawnpunkt der Gegner. Eine Runde auf Der Block ist oft gelaufen, kaum dass sie angefangen hat.

Das klingt ja nicht berauschend, ist Battlefield Hardline am Ende wirklich schlecht? Nein, das ist es beileibe nicht, Der Block ist auf der nach unten offenen Map-Murks-Skala das Schlimmste, was Hardline zu bieten hat. Die übrigen Karten hauen uns zwar nicht aus den Latschen und die Levolution-Elemente sind bis auf ein paar Ausnahmen (einstürzender Kran auf »Downtown« etwa bietet Schutz vor Scharfschützen) und je nach Spielmodus nur optische und nicht spielverändernde Gimmicks, aber in seinen besten Momenten zaubert die Polizisten-gegen-Verbrecher-Hatz eine großartige Gaudi auf den Bildschirm, die fast alle Battlefield-Register zieht. Während unseres Tests haben sich aber auch kleinere und größere Balanceprobleme und einige nicht perfekte Designentscheidungen herauskristallisiert, die das grundsätzlich spaßige Battlefield-Konzept zuweilen weniger spaßig gestalten.

Der Singleplayer-Modus und die Wertung
Die Solokampagne haben wir uns bereits zu Gemüte geführt und sind nicht sonderlich davon begeistert. Die Story ist dünn, auch wenn die Entwickler spürbar versucht haben, die Handlung spannend zu gestalten. Dabei wollten sie allerdings zu viel: Charakterzeichnung, Buddyhumor, Drama. Und nichts davon zündet. Das Leveldesign bleibt uninspiriert, Höhepunkte fehlen. Am meisten ist uns allerdings die seltsame Verhaftungsmechanik aufgestoßen. Das alles detaillierter im Test zur Singleplayer-Kampagne von Battlefield Hardline.

Achtung: Wir werten Multiplayer und Singleplayer nicht separat, die finale Wertung bezieht sich auf das Gesamtpaket von Hardline.

Battlefield Hardline - Test-Video zur Singleplayer-Kampagne Battlefield Hardline - Test-Video zur Singleplayer-Kampagne

Nichts für Fußgänger

Beginnen wir mit dem neuen Modus »Hotwire«, einer Conquest-Variante mit mobilen und zerstörbaren Flaggenpunkten. Beide Teams müssen sich speziell ausgewiesene Vehikel schnappen und mit denen in einem bestimmten Tempo über die Map heizen. Schnelle Autos, Karambolagen, bekloppte Unfälle, super! Blöd daran: Die Fahrer und ihre Beifahrer werden in Hotwire mit Punkten überschüttet, während alle anderen nur ein paar einsacken, sofern sie nicht konsequent mit dem Granatwerfer in einem Busch auf vorbeifahrende Vehikel lauern oder die Straße mit Sprengsätzen präparieren.

In Hotwire dienen Fahrzeuge als bewegliche Flaggenpunkte. Die ungepanzerten Autos werden für die Insassen aber schnell zur Todesfalle. In Hotwire dienen Fahrzeuge als bewegliche Flaggenpunkte. Die ungepanzerten Autos werden für die Insassen aber schnell zur Todesfalle.

Aber selbst das ist nicht sonderlich befriedigend, auch wenn's natürlich rockt, den großen Tankwagen zu sprengen und gleich noch ein anderes Auto dank der riesigen Explosion mitzunehmen. Kein Wunder, dass es also zumindest bereits auf dem PC Server gibt, auf denen nur wenige Spieler ausschließlich mit Autos im Kreis fahren. Wer jemanden ausknipst, wird gekickt. Das kann's ja auch nicht sein, deswegen der Tipp von uns: Hotwire nur auf Servern mit wenigen Plätzen spielen, dann ist die Chance auf eine launige Spritztour und damit auf Punkte deutlich größer.

Dieser Tipp gilt eigentlich für fast jeden Spielmodus auf fast jeder Map von Hardline. Selbst die große Conquest-Variante der Karte »Staubwüste« macht mehr Spaß, wenn nur 32 Spieler und nicht 64 unterwegs sind. Für 64 Teilnehmer ist der matchrelevante Bereich in Regelfall zu klein, Taktik und bedachtes Vorgehen haben keinen Platz.

Ein Schuss in den Rücken

Neben Hotwire und der erprobten Variante Conquest warten noch fünf andere Spielmodi in Hardline auf Hobbypolizisten und Verbrecher. Team-Deathmatch, weniger relevant in einem Battlefield-Spiel, geht man besser nur an, wenn man auf Schüsse in den Rücken steht. Die Spawnpunkte darf man getrost als schlechten Witz bezeichnen. Selbst ein Battlefield 4 bekommt das deutlich besser hin. Auch hier der Hinweis: Wenn schon Team-Deathmatch, dann besser nur mit einer überschaubaren Spielerzahl. Allerdings verkommen dann recht offene und weitläufige Maps wie Everglades mit ihren Erhöhungen am Rand zu einem reinen Scharfschützenfest.

Der Hacker in Hardline lässt Tränengas austreten und Trafos überladen.Der Hacker in Hardline lässt Tränengas austreten und Trafos überladen.

Der Hacker-Modus (Commander):
Auch in Battlefield Hardline kehrt der Commander-Modus zurück, der passend zum Setting Hacker genannt wird. Gegenüber Battlefield 4 ändert sich nicht viel, noch immer geben wir unserem Team Befehle und unterstützen sie mit Fähigkeiten wie EMP und GPS-Ortung von Gegnern. Statt Cruise Missiles über die Karte zu schicken, arbeitet der Hacker jedoch subtiler und kann bestimmte Levelobjekte hacken. Kameras spotten dann Gegner im Sichtfeld, Tränengasanlagen erzeugen eine Wolke in Engpässen und Trafos können überladen werden - der Lichtblitz funktioniert dann wie eine Blendgranate.

Der Hacker spielt sich wie ein frenetisches Mobilespiel, bei dem wir möglichst schnell Objekte anklicken, hacken und unser Team auf Gefahren hinweisen. Wie ein echter Kommandant fühlen wir uns dabei nicht, sondern freuen uns nur mal, wenn einer der Squadführer tatsächlich zur Kooperation bereit ist. Hacker können wir übrigens in jedem Spielmodus bis auf Rettung und Fadenkreuz sein, was gerade bei Hotwire eher sinnbefreit ist, weil wir keine Fähigkeiten für den Fahrzeugkrieg haben.

Her mit der Kohle!

In den Modi Überfall und Blood Money sollten wir Teamkameraden mit vollen Geldsäcken Geleitschutz geben. In den Modi Überfall und Blood Money sollten wir Teamkameraden mit vollen Geldsäcken Geleitschutz geben.

In »Überfall« und »Blood Money« geht's dann endlich mal um das, was des Verbrechers Motivation Nummer eins ist: der schnöde Mammon. Als Krimineller sprengen wir in Überfall zuerst zwei Tresore, holen dann die Kohle raus und müssen sie zu ihren jeweiligen Abholzonen karren. Die Polizisten, deren Wiedereinstiegtickets nicht schrumpfen, sollen das verhindern. Besonderer Clou: Wenn die Kohle mal irgendwo in der Pampa am Boden liegt und sich Gesetzeshüter in der Nähe befinden, signalisiert ein Timer, wie lange es noch dauert, bis das Paket wieder am Ursprungspunkt landet. Dann geht die Plackerei für die bösen Buben wieder von vorne los, abzüglich der Tresorsprengung allerdings.

Gut organisierte Teams packen die kostbare Fracht gleich in ein Fahrzeug voller reparierwilliger Mechaniker und brausen von dannen. Im Regelfall allerdings entspinnt sich rund um die Kohle aber ein grandioses Chaos, in dem alle auf alle schießen. Das macht oft großen Spaß, vor allem, wenn das Geld schon ganz nah am Abholpunkt liegt und entweder die Zeit oder das Ticketkonto der Verbrecher knapp wird. Wer sich auskennt, hat hinter Überfall übrigens sicher gleich eine Variante von »Obliteration« aus Battlefield 4 erkannt.

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Unser Liebling neben dem erprobten Conquest-Modus ist allerdings Blood Money, in dem beide Teams Kohle von einem zentralen Stapel in ihre Tresore schaffen müssen. Weil's in diesem Modus ständig hin und her geht und sich das Blatt sekündlich wenden kann (alle dürfen Geld vom zentralen Stapel ranschaffen, Geld aus dem Tresor der anderen klauen, Gegner ausknipsen und denen die Kohle, die sie dabei hatten, mopsen), wird's einfach nicht langweilig. Ständig ist was los, ständig muss man auf der Hut sein.

Battlefield Hardline - Grafikvergleich: PS4 gegen Xbox One Battlefield Hardline - Grafikvergleich: PS4 gegen Xbox One


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