Bloodborne: The Old Hunters im Test - Geht's noch härter?

The Old Hunters ist From Softwares Antwort an die Spieler, denen Bloodborne zu leicht war. Der DLC punktet aber noch mit anderen Qualitäten.

von Dimitry Halley,
25.11.2015 14:40 Uhr

Bloodborne - The Old Hunters - So gelangt man ins Addon Bloodborne - The Old Hunters - So gelangt man ins Addon

The Old Hunters ist die Hölle! Okay, war auch nicht anders zu erwarten. Das Addon zu Bloodborne verursacht bereits in den ersten zehn Minuten mehr Verzweiflung, Wut, Kopfzerbrechen und - nach hart erkämpftem Sieg - Stolz als weite Teile der Hauptspielkampagne. Aber das erwarten wir schließlich auch von einem Miyazaki-Spiel. Die Frage, die sich stellt, ist: Hat der Dark-Souls-Schöpfer es diesmal übertrieben?

Mit »Hölle« meinen wir übrigens tatsächlich die ersten Schritte in der brandneuen Addon-Welt und nicht den Weg in diese Areale. Der ist nämlich ebenfalls eine Wissenschaft für sich und teils so schwer zu entschlüsseln, dass er sich fast wie ein Easter Egg anfühlt. Wer wissen möchte, wie man die neuen Inhalte freischaltet, kann sich dazu unseren Video-Guide (siehe oben) anschauen.

Verflucht seien diese Jäger!

Prinzipiell können wir den Albtraum des Jägers (so heißt das neue Gebiet) betreten, sobald wir Vikarin Amelia im Hauptspiel besiegt haben. Das ist allerdings nur ratsam, wenn man früh Gegenstände abgreifen und allen Gegnern ausweichen will. Denn The Old Hunters hat es in sich und ist vor allem für sehr erfahrene Spieler interessant; das merkt man bereits an der Gegnerkomposition in den ersten 30 Minuten des Spiels.

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Zu Beginn des Addons landen wir mitten in einer Treibjagd: Trainierte Jäger kämpfen gegen Bestien. »Ist ja super«, denken wir uns. »Wir sind ja schließlich auch ein Jäger.« Allerdings haben die vermummten Gestalten sowas von gar kein Interesse daran, mit uns einen friedlichen Plausch abzuhalten. Stattdessen ist unser allererster Feind kein Monster, sondern ein Jäger-Veteran mit Schlapphut, der Anfängern mit Klingenpeitsche und Flinte binnen weniger Sekunden den Garaus macht. Und zwar wieder und wieder.

Der Unterschied zu normalen Gegnern besteht darin, dass Jäger sich verhalten wie wir. Sie gehen mit unterschiedlichen Waffenarsenalen an den Start, nutzen Tricks und kombinieren Hauptwaffen mit Pistolen. Doch selbst wer diesen ersten Test besteht und sich erfolgreich durchs Anfangsgebiet kämpft, dürfte spätestens beim ersten Boss seinen Meister finden: Ludwig der Verfluchte ist eine grausam mutierte und verdrehte Bestie, die furchtbar aggressiv zuschlägt und mit ihrem Schwert sehr schwer zu kontern ist.

Video-Guide: Alle 16 neuen Waffen und ihre Fundorte

Wer hier trotz eines niedrigen Charakterlevels den Sieg davonträgt, ist wirklich gut in Bloodborne. Gleichzeitig ist das Monster eine nette Anspielung auf den Addon-Boss Artorias aus dem ersten Dark Souls: Beide waren früher Menschen - Ludwig sogar ein Jäger, genau wie unsere Spielfigur.

Einige Stimmen aus der Community haben Bloodborne als zu leicht bezeichnet, als zu wenig Dark Souls. The Old Hunters fühlt sich wie From Softwares Antwort für genau diese Fans an: »Spielt diese knapp 15-stündige Addon-Kampagne und lasst euch von uns vom Gegenteil überzeugen!« Mal davon abgesehen, dass die Erweiterung mit diesem Umfang für 20 Euro ziemlich üppig ausfällt. Allerdings auch ein bisschen kleiner als die drei DLCs von Dark Souls 2. Und The Old Hunters wird wohl der letzte Download-Inhalt für Bloodborne bleiben, schließlich gibt's ja jetzt schon die GOTY-Version.

Lohnt sich die Qual?

Aber lohnt sich das Quälen durch den knallharten Schwierigkeitsgrad auch? Die kurze Antwort: definitiv. Wer von der Kampagne des Hauptspiels noch nicht genug hat, der kommt hier voll auf seine Kosten und erlebt eine ähnliche, aber härtere Erfahrung. Das ist aber auch der größte Kritikpunkt am Addon: From Software beruft sich ganz auf die bewährten Stärken von Bloodborne, ohne wirklich neue Konzepte auszuprobieren.

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Klar, es gibt neue Waffen wie die Gatling Gun oder die Wirbelsägen, die mit neuem Moveset und spektakulären Trick-Angriffen wirklich viel Spaß machen. Auch die Gestaltung der Gegner baut auf dem herausragenden Charakterdesign des Hauptspiels auf und setzt genügend eigene Akzente, um sich frisch anzufühlen. Allerdings funktionieren alle Feinde im Prinzip nach bekannten Mustern. Durch die Änderung in der Komposition wie bei den erwähnten Jägertrupps wird das zwar ein wenig abwechslungsreicher - trotzdem bekommt man bei The Old Hunters nie das Gefühl, dass sich die Entwickler an einer komplett neuen Idee versucht haben.

Auch einige Areale wirken wie recycelte Varianten Yharnams. Das ist allerdings Kritik auf sehr hohem Niveau. Schließlich ist bereits das Hauptspiel herausragend gut. Das Addon gibt uns mehr Interpretationsschnipsel zur Story, zusätzliche 15 Stunden spannender Abenteuer und neue, brutale Herausforderungen, die wir mit neuen, brutalen Waffen angehen. The Old Hunters fügt sich großartig in das bisherige Bloodborne ein. Für 20 Euro bietet der DLC mehr als so mancher Vollpreistitel.

Bloodborne - TGS-Trailer zum DLC »The Old Hunters« Bloodborne - TGS-Trailer zum DLC »The Old Hunters«


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