Call of Duty: Black Ops - Spiel vs. Realität - Die historischen Fakten hinter den Einsätzen

Invasion in der Schweinebucht, Sputnik-Schock, Tet-Offensive? Wer keine Ahnung hat, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, dem erklären wir kurz den historischen Hintergrund von Call of Duty: Black Ops.

von Daniel Raumer,
08.11.2010 16:40 Uhr

Im neuen Teil der Call of Duty-Serie, Call of Duty: Black Ops, schickt der Entwickler Treyarchden Spieler in einer zusammenhängenden Geschichte von einem Schauplatz des Kalten Krieges zum nächsten. Dabei verbindet er in vierzehn Levels Fiktion mit historischen Fakten. Um die Motivation der Figuren zu verstehen, hilft es, den historischen Hintergrund zu kennen.

Spoiler-Warnung: Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass wir hier einige Schauplätze der Levels von Black Ops verraten müssen. Wer sich also die Überraschung bewahren will, sollte nicht weiterlesen.

Jetzt mag man denken: »Moment, der Kalte Krieg heißt doch deswegen so, weil da nie scharf geschossen wurde. Wie passt das zu einem Ego-Shooter?« Das stimmt zwar vordergründig, aber manchmal wurde der Ost-West-Konflikt eben doch »heiß«: Vor allem in sogenannten Stellvertreterkriegen, bei denen sowohl der Westen als auch die Sowjets eine der Kriegsparteien mit Waffen und/oder Soldaten unterstützen. Als Vorwand für eine Engagement galt in der Regel die Hilfe für eine befreundeten Nation - wahlweise gegen Kommunismus oder Kapitalismus. Bekannteste Beispiele für diese Stellvertreterkriege sind die Konflikte in Korea (1950 - 1953), Vietnam (1964 - 1975) oder Afghanistan (1979–1989).

Die zweite Möglichkeit für einen »heißen Kalten Krieg« war der Einsatz von paramilitärischen Truppen, die – von Geheimdiensten finanziert und ausgebildet – hinter feindliche Linien operierten. Da sie nicht offiziell im Auftrag einer Nation unterwegs waren, konnten Ost wie West ihren Einsatz stets leugnen, um der Gegenseite keinen willkommenen Kriegsgrund zu liefern. Als Teil einer ebensolchen paramilitärischen Einheit schickt der Entwickler Treyarch die Spieler im neuen Call of Duty einmal um den Globus in verdeckte Operationen, die sogenannten Black Ops.

Invasion in der Schweinebucht

Der Auftakt von Call of Duty: Black Ops findet auf der Karibikinsel Kuba statt: Der Spieler nimmt an der Invasion in der Schweinebucht (im Spanischen »Baya de Cochinos«) teil, einer kleinen Bucht ungefähr 100 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Havanna.

Nach der fehlgeschlagenen Invasion geraten alle überlebenden Exilkubaner in Gefangenschaft.

Im Jahr 1961, zwei Jahre nach Beginn der Kubanischen Revolution unter Führung von Fidel Castro, droht die Insel vor der amerikanischen Küste endgültig kommunistisch zu werden. Castro ist aber politisch noch nicht vollends gefestigt, sodass der amerikanische Präsident John F. Kennedy und die Central Intelligence Agency (CIA) den Versuch starten, mit der Hilfe der pro-amerikanischen kubanischen Exilregierung Castro und den Kommunismus zu verdrängen.

Am 17. April 1961 landen über 1.500 von den USA ausgebildete Exilkubaner in besagter Bucht. Ihr Ziel ist es, unter dem Kommando von zwei CIA-Agenten eine Landebahn zu erobern, damit die Exilregierung eingeflogen werden kann. Die soll von kubanischem Hoheitsgebiet aus die Hilfe des US-Militärs anfordern, die dann den Anti-Kommunisten »zur Hilfe eilen« und Castros Truppen zurückschlagen würde.

Das Vorhaben endet aus amerikanischer Sicht im Fiasko: Der Plan wird verraten, den Invasoren steht bei der Landung eine Übermacht von 200.000 Angehörigen der Revolutionsarmee gegenüber, die nach einem kleinen Scharmützel mit rund 100 Toten die restlichen Exilkubaner gefangen nimmt. Weil der »Hilferuf« der Exilregierung nicht erfolgt, verweigert Präsident Kennedy den Marschbefehl für die US-Armee.

Der Rest ist Geschichte: Castro kann den Angriff propagandistisch für sich nutzen und seine Macht festigen. Kuba ist fast auch heute, genau 50 Jahre nach der Invasion und dem Zusammenbruch der Sowjetunion, immer noch ein kommunistischer Staat.

Auch in Black Ops gerät der Spieler in kubanische Gefangenschaft und muss sich unter Waffengewalt aus dem Gefängnis befreien. Hier hat Treyarch aus dramaturgischen Gründen historisch etwas geschummelt: In der Realität wurden die Gefangenen 1963 im Austausch gegen Medikamente, Nahrungsmittel und Maschinen wieder in die Vereinigten Staaten geschickt.

Wer mehr über die Invasion wissen möchte, dem sei der Film »The Good Shepherd« (zu deutsch »Der gute Hirte«) mit Robert DeNiro und Matt Damon empfohlen, der die Hintergründe der Operation bei der CIA zeigt.


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