Call of Duty: Modern Warfare Remastered - Vorzeitige Indexstreichung abgelehnt

Call of Duty 4: Modern Warfare Remastered wird nur geschnitten in Deutschland erscheinen. Wir haben ein Statement von Activision erhalten und erklären die Hintergründe.

von Kai Schmidt,
09.09.2016 15:47 Uhr

In der offiziellen Pressemitteilung von Activision zu Call of Duty: Modern Warfare Remastered heißt es: »Die deutsche Version von Modern Warfare Remastered bietet dieselbe Spielerfahrung wie die deutsche Originalversion von Call of Duty 4: Modern Warfare.«

Das bedeutet im Klartext: Die Remastered-Version des Shooters, die vorerst Käufern der Legacy, Legacy Pro und Digital Deluxe Editions von Call of Duty: Infinite Warfare vorbehalten bleibt, wird ebenso wie seine Ursprungsfassung nur geschnitten in Deutschland erscheinen. Doch warum? Ist die Gewaltdarstellung von Modern Warfare zu Zeiten eines ungeschnittenen Mortal Kombat X und der Indexstreichung von Gears of War immer noch so bedenklich, dass das Spiel als jugendgefährdend gelten muss? Oder hat Publisher Activision schlicht keine Anstrengungen unternommen, das Spiel vom Index zu holen?

Auf Nachfrage teilte uns Activision mit:

Activision Deutschland hat Anstrengungen unternommen, die internationale Version von Call of Duty 4: Modern Warfare vom Index zu nehmen. Die BPjM als zuständige Institution hat den entsprechenden Antrag jedoch abgelehnt. Als Konsequenz dessen und in Einklang mit den bestehenden gesetzlichen Regelungen wird die deutsche Version von Modern Warfare Remastered dasselbe Spielerlebnis und dieselben Spielmodi bieten wie die von der USK eingestufte deutsche Version aus dem Jahr 2007.«"

Die BPjM lehnte also den eingereichten Listenstreichungsantrag des Publishers ab. Es ist nicht so, als habe Activision die Sache ausgesessen.

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Warum darf ein Gears of War nun aber ungeschnitten verkauft werden, Modern Warfare aber nicht? Die Antwort dürfte letztlich zumindest teilweise in der Bürokratie liegen.

Zur Erinnerung: Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 2007 erhielt der Shooter nur mit Eingriffen eine USK-Freigabe ab 18 Jahren: In der Kampagne selbst entfernte man für die deutsche Version zwar lediglich die blutige Darstellung eines abgetrennten Arms, doch außerdem musste der nach dem Durchspielen anwählbare Arcade-Modus ersatzlos gestrichen werden. Ähnlich wie im Mercenaries-Modus der Uncut-Fassung von Resident Evil 4 gibt es in diesem Arcade-Modus Boni für das Töten von Gegnern.

Der Arcade-Modus dient in erster Linie der Einzelspieler-Langzeitmotivation nach dem Durchspielen der Kampagne - ähnlich wie in Spielautomatenklassikern geht es primär um das Aufstellen von High-Scores innerhalb der Kampagnenmissionen.

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Und ähnlich wie Resident Evil 4 wurde die ungeschnittene Importversion von Modern Warfare deswegen im Jahr 2009 indiziert. Hier enden allerdings die Ähnlichkeiten, denn anders als Capcoms Survival-Horror, der kürzlich vom Index gestrichen wurde, gilt die ungekürzte Version von Modern Warfare weiterhin als jugendgefährdend (ganz oder weitgehend inhaltsgleiche Versionen eines indizierten Mediums, wie hier die Remastered-Version, sind auch ohne explizites Verfahren genauso wie das indizierte Medium zu behandeln). Auch Gears of War wurde vor kurzem vom Index gestrichen - und das, obwohl hier mehr abgetrennte Körperteile durch die Luft fliegen, als ein einzelner Arm wie in Modern Warfare.

Wie kann das sein? Resident Evil 4 und Gears of War wurden in den ungeschnittenen Versionen nach zehn Jahren von der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen, doch seit der Indizierung von Call of Duty 4: Modern Warfare sind erst sieben Jahre vergangen.

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Die BPjM bietet erst zehn Jahre nach der Erstindizierung ein vereinfachtes Verfahren zur Streichung indizierter Titel an. Dann kann ein 3er-Gremium entscheiden, ob das Medium immer noch als jugendgefährdend angesehen werden muss. So passiert bei Resident Evil 4 und Gears of War.

Vor Ablauf dieser zehn Jahre und damit auch im Fall von Activision und Call of Duty: Modern Warfare Remastered muss sich der Rechteinhaber dem Urteil eines 12er-Gremiums stellen, was die Sache deutlich erschwert und für Modern Warfare letztlich ein Verweilen auf der berüchtigten Liste der jugendgefährdenden Medien bedeutet.

Activision hat es also unter erschwerten Bedingungen zumindest versucht - im Gegensatz zu den meisten anderen Publishern, die wegen der Kosten/Nutzen-Rechnung und des komplizierteren Verfahrens erst nach zehn Jahren einen Antrag auf das vereinfachte Verfahren zur Listenstreichung stellen. Oder gar auf die automatische Streichung nach Ablauf von 25 Jahren warten.


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