Crash Bandicoot 4 - Warum ich nach dem PS4-Remaster einen "echten" Nachfolger will

Nach dem Weggang von Naughty Dog gingen beim Crash Bandicoot-Franchise für mich die Lichter aus. Das PS4-Remaster nährt jetzt aber den Wunsch nach einem "echten" Nachfolger zur Original-Trilogie.

von Hannes Rossow,
08.07.2017 10:00 Uhr

Das PS4-Remaster erinnert daran, warum der Beuteldachs damals eigentlich so beliebt war.Das PS4-Remaster erinnert daran, warum der Beuteldachs damals eigentlich so beliebt war.

Ich war mir von Anfang an sicher, dass ich Crash Bandicoot N. Sane Trilogy mögen werde. Doch wie viel Spaß ich mit dem PS4-Remaster dann tatsächlich hatte, habe ich nicht kommen sehen. Der Retro-Trip in die moderne Neuinterpretation der 32-Bit-Ära hat mich daran erinnert, warum ich früher ein so großer Fan von Crash Bandicoot war - und warum mich der Beuteldachs auf der PS2 plötzlich nicht mehr interessierte.

Naughty Dog macht's möglich

Nach zahlreichen Todesstürzen und nervenzerfetzenden Time Trials in den deutlich knackiger gewordenen Neuauflagen ist in mir ein Wunsch erwachsen, den ich noch vor Monaten trotz aller Vorfreude nicht für möglich gehalten hätte. Ich möchte ein Crash Bandicoot 4, einen "echten" Nachfolger zur PS1-Trilogie, und ich möchte ihn unbedingt von Naughty Dog.

Mein Herz für Klassiker: Ich, Crash Bandicoot & das Ende vom Anfang

Natürlich ist mir bewusst, wie naiv das ist. Naughty Dog ist seit Jahren ein Entwicklerstudio von Weltformat, das für Sony exklusive Blockbuster bastelt und wohl eher nicht zu seinen Cartoon-Wurzeln zurückkehren wird. Außerdem liegen die Rechte ohnehin bei Activision und ein neuer Crash Bandicoot-Teil würde im Zweifelsfalle eher bei den Remaster-Königen von Vicarious Visions entstehen.

Crash Bandicoot: N Sane Trilogy Collection - Trailer zeigt Unterschiede zwischen Original und Remaster 1:52 Crash Bandicoot: N Sane Trilogy Collection - Trailer zeigt Unterschiede zwischen Original und Remaster

Und vielleicht wäre das dann sogar ein vernünftiges Spiel. Ein guter, moderner 3D-Plattformer, die ohnehin gerade Hochkonjunktur feiern, mit Crash Bandicoot als Protagonist. Immerhin wurde schon angedeutet, dass der Erfolg der N. Sane Trilogy die Grundlage für neue Crash Bandicoot-Abenteuer sein könnte. Aber egal ob oder was da noch auf uns zukommt, es wäre vermutlich nicht das Crash Bandicoot-Spiel, das ich mir wünsche. Denn mit dem Entwicklerwechsel schien auch das einstige PlayStation-Maskottchen wie ausgetauscht zu sein.

Ein Frechdachs ohne Zähne

Nach dem großartigen Crash Team Racing zog sich Naughty Dog aus dem Franchise zurück, kümmerte sich um Jak and Daxter und übergab das Zepter zunächst an Traveller's Tales, die mit Crash Twinsanity und Crash Bandicoot: Der Zorn des Cortex auf der PlayStation 2 weitermachten. Mein Spaß an der Reihe blieb dabei auf der Strecke.

Dabei sind das keineswegs schlechte Titel, sondern durchaus solide Ableger, die jedoch den Charme der Originale vermissen lassen. Crash Bandicoot war frech und in technischer Hinsicht progressiv. Ich weiß noch genau, wie sehr mich die Polygon-Grafik auf der ersten PlayStation beeindruckt und wie wenig es mich gestört hat, dass Super Mario 64 zur selben Zeit schon vollständig begehbare 3D-Welten bot.

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt
Als großer Verfechter der frühen 3D-Platformer hat sich Hannes schon lange auf das PS4-Remaster der Crash Bandicoot-Trilogie gefreut und hat dabei sogar noch mehr bekommen, als er sich erhofft hat. Nur ein ordentliches Remake der Spyro the Dragon-Reihe könnte ihn aktuell wohl noch glücklicher machen.

Unter den neuen Entwicklern wirkte die Crash Bandicoot-Marke auf mich plötzlich konservativ und wie ein austauschbarer Samstagvormittags-Cartoon. Selbst der Nachfolger zu Crash Team Racing, das ich weiterhin für das bessere Mario Kart halte, konnte mich nicht mehr zurücklocken. Jak and Daxter fand ich hingegen großartig und ich wusste damals nicht einmal, dass hier die Crash Bandicoot-Erfinder am Werk waren.

Eine Erinnerung an einfache Zeiten

Für mich steht und fällt der Spaß an Crash Bandicoot mit der Antwort auf die Frage, ob der Beuteldachs ein Statement abliefern möchte. Die ersten drei Crash Bandicoot-Spiele waren mir deshalb so sympathisch, weil sie Sonys dreiste Antwort auf Super Mario waren, nachdem die beiden Hersteller kurz zuvor mit ihrem gescheiterten "Nintendo PlayStation"-Experiment aneinandergerieten. Crash Bandicoot N. Sane Trilogy positioniert sich hingegen als Reaktion auf den Wandel, den moderne Videospiele aktuell durchmachen.

Crash Bandicoot könnte das werden, was Yooka-Laylee versucht hat.Crash Bandicoot könnte das werden, was Yooka-Laylee versucht hat.

Das Stichwort "Games as a Service" ist sicherlich kein Begriff, der Fans in Entzückung versetzt, sondern sie viel eher befürchten lässt, dass fertige, offline spielbare Singleplayer-Titel langsam aussterben. Diese Angst mag irrational sein, aber das PS4-Remaster von Crash Bandicoot ist Sonys selbstbewusster Wink mit dem Zaunpfahl, der Spielern zeigen soll, dass sie nicht vergessen haben, wie "echte" Spiele auszusehen haben.

Und das würde ich mir auch für ein Crash Bandicoot 4 wünschen. Ein neuer Ableger, der sich fragt, was er eigentlich sein möchte und das dann auch mit Vollgas umsetzt. Yooka-Laylee hat versucht, ein Spielgefühl wieder aufleben zu lassen, das heutzutage nur noch selten aufkommt, hat dabei aber auch viele Fehler aus der Vergangenheit wiederholt. Auch Crash Bandicoot N. Sane Trilogy macht diese Fehler, nur gehören die zur Original-Erfahrung eben dazu.

Ein Crash Bandicoot 4 wäre in meinen Augen ein selbstbewusster und simpler Platformer, der mit viel Selbstironie und deftigen Seitenhieben gegen eine Industrie schießt, die immer öfter 10-Jahres-Pläne schmiedet, ohne sie aber einhalten zu können. Ich bin ich mir nur leider nicht sicher, ob dieser Geist ohne Naughty Dog noch im Crash Bandicoot-Franchise zu finden ist. Der gigantische Erfolg der Neuauflagen schürt aber die Hoffnung, dass die Sehnsucht nach alten Zeiten auch ein kaufkräftiges Publikum hervorbringen kann.


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