Destiny - Einsichten eines Beta-Spielers

Lange wollten Activision und Bungie nicht verraten, was Destiny denn nun eigentlich ist. Inzwischen ist die Beta fast vorbei und wir können ein Fazit ziehen: Was motiviert, was funktioniert und wo versagt der Shooter kläglich?

von Sebastian Stange,
26.07.2014 14:45 Uhr

Destiny - Beta angespielt: Intro und erste Mission Destiny - Beta angespielt: Intro und erste Mission

Bereits vor Monaten wurde der große Beta-Test des Online-Shooters Destiny angekündigt. Er sollte zeigen, ob die Bungie-Server den Spielermassen standhalten würden, was sie auch taten. Das PlayStation Network zwang er bei seinem Start am 17. Juli allerdings für einige Stunden in die Knie. Doch die Beta-Phase war nicht nur ein Belastungstest, sie war auch ein mächtiges Werbemittel für den Science-Fiction-Shooter.

Nur wer Destiny vorbestellte, bekam frühzeitig Zugang zur Beta (alle anderen durften nur am letzten Beta-Wochenende spielen) und die wirkte bereits derart fertig und rund, dass man sie getrost als Demo bezeichnen kann. Und dank dieser, nunja … Vorbesteller-Demo haben wir endlich eine gute Idee davon, was für ein Spiel Destiny nun eigentlich ist, wie der Shooter strukturiert ist und womit man auf Dauer darin seine Zeit verbringt. Zuvor haben wir euch im Rahmen unserer Alpha-Eindrücke erklärt, wie das Spiel grundlegend funktioniert.

Die schön gestaltete und weitläufige Spielwelt durchqueren wir rasch mit unserem Schwebebike.Die schön gestaltete und weitläufige Spielwelt durchqueren wir rasch mit unserem Schwebebike.

Drum sparen wir uns, die Sache erneut in aller Tiefe zu erklären und fassen kurz zusammen: In Destiny spielen wir eine von drei Hüter-Klassen, die sich zwar allesamt recht ähnlich steuern, aber dennoch ihre eigenen Spezialfertigkeiten, Stärken und Rollen im Kampf haben. Mit den Hütern erkunden wir eine verwüstete Erde und versuchen, sie vorm endgültigen Untergang durch geheimnisvolle außerirdische Mächte zu bewahren.

Das spielt sich wie ein klassischer Shooter, birgt aber auch einige Rollenspiel-Elemente - etwa zufallsgenerierte Beute, Statuswerte und Spieler- sowie Gegner-Level. Kein Rollenspiel kommt ohne eine gute Story und schwülstige Dialoge aus, doch genau in diesem Punkt enttäuscht uns Destiny ein wenig.

Destiny
Genre: Action
Release: 09.09.2014

Kaum jemand spricht

Das Universum des Spiels ist prinzipiell ziemlich spannend. Schließlich liegt da eine Erde in Trümmern, die vor hunderten von Jahren mal eine florierende Zukunftswelt war. In der Beta können wir den Spieleinstieg in Form von fünf aufeinanderfolgenden Story-Missionen erleben. Leider verraten die uns nur wenig über die Rätsel dieser Zukunftswelt. Meist plappert nur der eher emotionslos vertonte Geist vor sich hin, eine kleine Flugdrohne und unser ständiger Begleiter.

Unser Raumschiff kaschiert Ladezeiten.Unser Raumschiff kaschiert Ladezeiten.

Er erklärt, was die fiesen Aliens im Schilde führen, er hat an unserer Stelle Erkenntnisse über die Vorgänge auf Mond und Erde und er ruft laut aus, was wir eigentlich lieber selbst herausfinden und verstehen würden. In einer schicken Zwischensequenz werden wir im Turm, der letzten Bastion der Menschheit, in den Reihen der Hüter aufgenommen. Doch wirklich erklärt wird uns nix. Destiny ist deshalb schrecklich vage.

Es scheint, als wollten die Entwickler in ihrem ersten Spiel, das ja der Beginn einer über knapp zehn Jahre andauernden Reihe sein wird, noch vieles offen lassen und nur wenige Geheimnisse lüften. Das nervt. Und ist zudem etwas unglücklich inszeniert. Der einzige Satz, den unsere Spielfigur in der kompletten Beta sagt, lautet »Fliegt es?«. Und kein einziger unserer Widersacher spricht. Unsere Abenteuer wirken daher seltsam fremdbestimmt und das Missionsdesign erscheint reichlich uninspiriert.

Wir gehen zu Zielpunkten, lassen unseren Geist Terminals hacken, und ab und an wehren wir Gegnerwellen ab. Spektakulär inszenierte Skript-Momente? Actionreiche Zwischensequenzen? Unterhaltsame Dialoge oder überraschende Story-Wendungen? In der Beta nicht zu finden. Gottseidank macht das alles dank griffiger Steuerung im Halo-Stil, spaßiger Feuergefechte und abwechslungsreicher Gegner dennoch erstaunlich viel Laune.

Destiny - Beta angespielt: Story-Mission Destiny - Beta angespielt: Story-Mission

Das fühlt sich gut an

Der Gameplaykern von Destiny funktioniert prima, egal ob wir eine Solo- oder Koop-Mission spielen oder frei die Spielwelt erkunden. In der Beta steht uns eine einzige riesige Umgebung offen: Altrussland. Dort können wir uns relativ frei umsehen, überall warten Gegner-Grüppchen und hier und da laufen wir anderen Spielern über den Weg. Ein MMO-Spiel ist Destiny aber nicht. Denn stets begegnen wir nur einer Handvoll anderer Hüter.

Es spielen also nicht alle Nutzer auf einem großen Server, vielmehr wird unser Spiel hier und da anderen Usern angereichert. Destiny ist also eher ein Koop-Spiel, das aber sonst so nervige Dinge wie Verbindungsaufbau oder Spielersuche elegant verbirgt. Nie stören Lobbys, nie nervt ein Voice-Chat. Die zufälligen Mitspieler können sich kaum gegenseitig stören, doch wenn sie zusammen spielen, sehr wohl an Spielspaß gewinnen. Gezwungen werden sie dazu aber nie.

Die Granaten haben je nach Klasse interessante Effekte und sind wichtiger Teil unserer Ausrüstung.Die Granaten haben je nach Klasse interessante Effekte und sind wichtiger Teil unserer Ausrüstung.

So sind dann auch die Synergie-Effekte der einzelnen Klassen eher minimalistisch ausgeprägt. Jede Klasse kann prima alleine kämpfen, aber hat im Zusammenspiel mit anderen bestimmte Idealrollen. Der stark gepanzerte Titan kämpft etwa an vorderster Front und haut mit elektrisch aufgeladenen Fäusten und einer mächtigen Sprungattacke zu. Der angriffsstarke, aber empfindliche Warlock hingegen hält Abstand und heizt der Alien-Brut mit Energiegeschossen ein, während der flinke Hunter schließlich schnelle Positionswechsel bevorzugt.

Jede Klasse kann jede Waffe tragen und jeder der unzähligen Ballermänner fühlt sich anders an und hat dementsprechend Charakter. Es macht Spaß, die verschiedenen Waffenklassen auszuprobieren und unterschiedliche Modelle zu vergleichen. Und weil die Steuerung angenehm griffig ist, sich unsere Widersacher sehr schlau verhalten und sehr deutlich kommuniziert wird, welchen Schaden wir anrichten, ist Destiny auch auf Dauer unterhaltsam. Allerdings erkennen wir schnell einen gewissen gleichbleibenden, spielerischen Trott. Und den muss man mögen.

Auf dem Mond steuern wir flotte Angriffsgleiter.Auf dem Mond steuern wir flotte Angriffsgleiter.

Mal fetzig, mal frustrierend - der Mehrspieler:
Neben den Solo- und Koop-Spielarten konnten wir in der Beta auch den Multiplayer ausprobieren - und zwar im klassischen Herrschaft-Modus, der ähnlich wie in Battlefield funktioniert. Zwei Sechs-Mann-Teams kämpfen um den Besitz dreier Zielpunkte auf der Map. Weil sich die Energie der Spieler nach Treffern rasch wieder auflädt, müssen wir uns jedes Mal gut überlegen, ob wir einen Widersacher angreifen wollen oder nicht. Nur wenn wir ihn auch rasch überwältigen können, macht ein Vorstoß überhaupt Sinn.

Diese Tatsache und all die vielen kleinen, aber entscheidenden Unterschiede zwischen den Klassen verleihen dem Multiplayer eine angenehme taktische Note. Weniger schön ist jedoch die Übermacht der Super-Fähigkeiten. Sie sorgen immer wieder für Frust, weil sie uns in Sekundenbruchteilen ausschalten, ohne dass wir sie kommen sehen oder abwenden können. Ebenfalls etwas uncool ist der Einfluss von guter Ausrüstung auf den Multiplayer-Spielspaß. Nur mit den richtigen Waffen und Rüstungsteilen sind wir wirklich stark.

Ausbalanciert wirkt der Mehrspieler aber dennoch, da vor allem Taktik und kluges Stellungsspiel zählen. Die Maps sind hübsch gestaltet und bieten schon jetzt viel Abwechslung. Die Venus-Karte ist verwinkelt, bietet reichlich Deckungsmöglichkeiten und verlangt bei einem Zielpunkt, der von Abgründen umgeben ist, etwas Risikobereitschaft. Auf dem Mond hingegen kämpfen wir auf offenem Terrain und können zwei Typen bewaffneter Gleiter oder auch Geschütze bemannen. Hier schlägt die Stunde der Scharfschützen. Alles in allem scheint der Mehrspielerpart von Destiny eine angenehme Abwechslung zum Rest des Spiels zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Destiny - Beta angespielt: Multiplayer auf der Venus Destiny - Beta angespielt: Multiplayer auf der Venus


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