E3 2010 - Fazit: Sony-Pressekonferenz - Warum Technik nicht alles ist

3D, 3D, 3D - mit Gewalt schiebt Sony die neue Technologie an, hat aber ansonsten wenig Neues zu erzählen. Move: bekannt. PSP: verstaubt. Lest hier unser Fazit zur Sony-PK.

von Markus Schwerdtel,
16.06.2010 13:18 Uhr

Die Sony-Pressekonferenz auf der E3-2010Die Sony-Pressekonferenz auf der E3-2010

Die wichtigste (und für Sony wohl mittlerweile peinlichste) Frage klären wir vorweg: Ja, es gibt endlich ein Releasedatum für Gran Turismo 5, den 2. November 2010. Allerdings gilt dieses Datum vorerst nur für die USA. Ansonsten gab es erst mal viel Sony-Eigenlob von Jack Tretton und Kaz Hirai – ein dramaturgischer Fehler, den Nintendo und Microsoft diesmal klugerweise vermieden haben. Schließlich ist es schlauer, Spiele für sich sprechen zu lassen. Diese für Gamer öde Zahlenreiterei zieht sich allerdings durch die ganze Pressekonferenz – langweilig! Immerhin erklärt Hirai unmissverständlich die Vision von Sony: 3D über alles! Kein Wunder, dass sich die Pressekonferenz-Besucher für die Demonstration von Killzone 3 gleich mal 3D-Brillen aufsetzen dürfen. Blöd nur, dass Killzone 3 erst im Februar 2011 kommt und damit das Weihnachtgeschäft versäumt, immerhin ist es dann auch voll Move-kompatibel.

Zum Thema Move: Ähnlich wie Kinect bei Microsoft ist Move für Sony ein wichtiges Instrument, den Lebenszyklus der Konsole zu verlängern. Komisch nur, dass man dann einen technisch offenbar nicht so versierten Marketing-Mann wie Peter Dille auf die Bühne lässt, der mit seiner Move-Erklärung bei Adam und Eva anfängt. Immerhin gibt’s ein paar neue Move-Titel zu sehen, etwa das Zauberspiel Sorcery. Das macht allerdings keinen allzu überzeugenden Eindruck und wirkt eher wie ein Harry Potter für Arme. Stolz ist man dagegen offenbar auf die Move-Unterstützung für Tiger Woods PGA Tour 11, das besonders lange vorgespielt wird. Gute Idee: Heroes on the Move versammelt typische Sony-Helden wie Ratchet, Clank, Jak, Daxter oder Sly Racoon in einem knallbunten Action-Adventure. Warum Peter Dille auf einer E3-Pressekonferenz aber über die geplante Marketing-Kampagne mit Coca Cola spricht, bleibt sein Geheimnis – so etwas ist Otto-Normalspieler komplett egal und bestenfalls für andere Marketing-Menschen spannend.

Apropos Kampagne: So gut wie aufgegeben hat Sony anscheinend den Handheld-Bereich: Die größte PSP-Neuerung der Pressekonferenz ist eine neue Marketing-Kampagne für die Konsole. Außer God of War: Der Geist Spartas wurde kein »richtiges« Spiel gezeigt, geschweige denn eine Neuankündigung. Vorwerfen könnte man Sony einen solchen geordneten Rückzug kaum. Schließlich muss man nicht nur gegen die nahezu übermächtige Nintendo-Konkurrenz bestehen, sondern auch gegen Apple, die mit iPod touch und iPhone stark in den Markt für mobiles Spielen drängen.

Gratwanderung zwischen schlechtem Stil und großer Komik: Kevin Butler macht sich auf der Bühne über den Kinect-Event von Microsoft lustig und bedient mit einer kleinen Comedy-Einlage ein paar Gamer-Klischees und bringt das Publikum immerhin zum Lachen. Sein Plädoyer: Egal ob man Casual- oder Hardcore-Titel spielt, am Ende ist man doch ein Gamer, na ja …

Mit PlayStation Plus macht Sony Teile seiner Online-Services nun doch kostenpflichtig. Für 50 Dollar im Jahr gibt’s ab Juli diverse PSN-Spiele gratis, Extra-Levels, schnellere Downloads, eine exklusive Video-Show über Spiele etc. Das klingt durchaus fair und ist auch kaum überraschend – warum sollte Sony Geld auf der Straße liegen lassen, das Konkurrent Microsoft mit Xbox Live von Anfang an einsammelt.
Ähnlich wie bei Microsoft ist es auch bei Sony in Sachen Exklusivität nicht mehr weit her: Hier ein Extra-Level für Mafia 2, dort ein paar Zusatzmissionen für Assassin’s Creed: Brotherhood, mehr ist offenbar nicht drin -- da kann Jack Tretton noch so oft von »Exklusives« sprechen. Offenbar müssen sich die beiden »großen« Plattformhalter einfach damit abfinden, dass es für Third Party-Publisher finanziell nicht mehr interessant ist, nur für eine Konsole zu entwickeln und eine Unterscheidung allenfalls über Kleinzeug stattfindet. Dafür arbeiten die »hauseigenen« Studios zuverlässig, inFamous 2 macht einen ebenso guten Eindruck wie Twisted Metal, das am Ende der Pressekonferenz quasi als Überraschung gezeigt wurde.

Eine der Überraschungen auf der Sony-Pressekonferenz: Portal 2 kommt mit Steamworks auf die PS3.Eine der Überraschungen auf der Sony-Pressekonferenz: Portal 2 kommt mit Steamworks auf die PS3.

Unser Fazit: Von allen drei E3-Pressekonferenzen war die von Sony die schwächste. Großartige Hardware-Ankündigungen fehlten ebenso wie wirklich neue Hit-Spiele. Außerdem war nach den ersten Minuten der Veranstaltung von der anfangs ausgegebenen 3D-Parole nichts mehr zu sehen. Schade, schließlich wäre das ein Aspekt gewesen, mit dem sich Sony wirklich von der Konkurrenz hätte absetzen können. Bezeichnend ist das Schlusswort von Jack Tretton selbst: »Unsere Geheimwaffe sind die treuen PlayStation-Fans«. Im harten momentanen Konkurrenzkampf sollte man aber lieber mehr Pfeile im Köcher haben, denn selbst die treuesten Fans sind ganz schnell weg, wenn Microsoft oder Nintendo bessere Spiele bieten.


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