E3: Project Natal - Bewegungserkennung mit KI von Microsoft

Die größte Überraschung an Microsofts kommendem Motion-Controller: Er funktioniert! Ein kurzer Erfahrungsbericht.

von Stephan Freundorfer,
08.06.2009 14:44 Uhr

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Die Zusatzhardware Natal kümmert sich um die ErkennungDie Zusatzhardware Natal kümmert sich um die Erkennung

Auf einer Pressekonferenz kann man viel behaupten und auf der Bühne oder in Trailerfilmen selbst die größten Utopien glaubhaft inszenieren. Das dachten auch viele Anwesende bei der Microsoft-E3-Pressekonferenz während der Vorstellung des Bewegungs-Controllers mit dem Projektnamen Natal. Ein Gerät, das Gesichter, Sprache und vor allem kleinste Zuckungen von Hand, Bein oder Kopf problemlos erkennt – sowas klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Da die Peripherie noch im Prototyp-Stadium steckt und mit einer Veröffentlichung vor 2010 nicht zu rechnen ist, sparte sich der Xbox-Konzern öffentliche Spielstationen auf der Messe. Hinter verschlossenen Türen allerdings durften sich eine Handvoll Medienvertreter Project Natal ansehen und letztlich sogar ausprobieren. Überraschendes Ergebnis: Die Bewegungserkennung klappt erheblich besser, genauer und unkomplizierter als gedacht.

Präsentation auf der E3-PressekonferenzPräsentation auf der E3-Pressekonferenz

Durchgeschwitzt und schon ein wenig heiser präsentierte Xbox-Manager Kudo Tsunoda wie auf der Pressekonferenz zunächst Ricochet, ein Breakout-artiges 3D-Geschicklichkeitsspiel. Anschließend durften die Gäste ran: Die RGB-Kamera in der Project Natal-Hardware erkannte auf Anhieb, dass Tsunoda die Spielfläche einige Meter vor dem Bildschirm verlassen und jemand anderes ins Spiel gekommen war: Der halbtransparante Avatar im Vordergrund wechselte vom zotteligen Tsunoda-Alter Ego zur 0815-Gastspielfigur. Auch die Bewegungserkennung der integrierten Infrarotkamera funktionierte: Bewegungen von Kopf, Armen und Beinen wurden relativ genau (allerdings auch mit spürbarem Lag) auf den Bildschirm übertragen, ebenso die räumliche Position des Spielers. Sehr nett, aber auch ein bisschen chaotisch – was auch an Ricochet liegen mag, wo schnell mal ein halbes Dutzend Bälle herumfliegen und man so zum Hampelmann auf Speed mutiert.

Eindrucksvoller war da schon die zweite Demo: Eine Runde mit Burnout Paradise, gefahren ohne Lenkrad, Gaspedal oder irgendeinen anderen physischen Controller. Auch hier klappt die Erkennung des neuen Spielers problemlos und ohne, dass dieser erst gescannt oder die Hardware neu initialisiert werden müsste. Diesmal sieht man sich selbst nur als Infrarot-Silhouette auf einem zweiten Monitor, der an einem zusätzlichen PC hängt. Dieser übernimmt beim Prototyp die Aufgabe des späteren Natal-Chips, der im Gerät allerlei komplexe Rechenaufgaben übernehmen wird. Schließlich muss aus der Echtzeitlagebestimmung von mehreren Dutzend Körperpunkten (im Monitorbild als kleine Vierecke auf der Spielersilhouette zu erkennen) das Steuersignal errechnet werden, das an die Xbox gegeben wird. Die Technik funktioniert: Man steht vor dem Bildschirm, setzt den rechten Fuß etwas nach vorne, um Gas zu geben, macht einen halben Schritt zurück, um zu bremsen, und steuert den Wagen durch Bewegungen eines unsichtbaren Lenkrads überraschend exakt über den Kurs. Dabei kann das eingebildete Lenkrad unterschiedlich groß sein: Wer die Hände nahe beieinander hat, muss allerdings feinere Bewegungen ausführen als ein Spieler, der sich vorstellt, gerade auf dem Sitz eines fetten Trucks zu hocken.

In der Milo-Demo kann man mit einem künstlichen Avatar reden.In der Milo-Demo kann man mit einem künstlichen Avatar reden.

Vielen Unkenrufen zum Trotz funktioniert Project Natal also wirklich, und das exakt, intuitiv und eindrucksvoll. Nun muss natürlich erstmal entsprechend verführerische Software nachkommen – in Partyspielen sind wir alle schon zur Genüge vor dem Bildschirm herumgehampelt. Die Kombination von Gesichts-, Sprach- und Bewegungserkennung lässt allerdings reichlich Visionen zu, und die Zeit zu deren Umsetzung dürfte genug vorhanden sein, schließlich sollen entsprechende DevKits bereits in diesen Tagen an die Entwickler ausgeliefert werden. Was Core Gamer, denen der Motion-Controller-Trend suspekt ist, nicht vergessen dürfen: Natal soll Pads nicht ersetzen, sondern ist nur als eine Bereicherung der Xbox 360 gedacht. Könnte funktionieren!


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