From Dust - gamescom-Vorschau - Vorschau für PlayStation 3 und Xbox 360

Landschaftsbau gegen eine feindliche Umwelt: In From Dust rettet der Spieler Eingeborenenvölkchen vor Naturkatastrophen, indem er die gesamte Spielwelt umbuddelt.

von Christian Schmidt,
20.08.2010 13:54 Uhr

Eric Chahi hat mal im Alleingang ein Spiel namens Another Worldgemacht, das heutzutage Kultstatus genießt; seitdem gilt der Franzose als prototypischer kreativer Einzelgänger, seit 1998 trat er zehn Jahre lang so gut wie gar nicht in Erscheinung. Inzwischen arbeitet er für Ubisoft als Creative Director an einem Spiel namens From Dust (auf der E3 noch unter dem Arbeitstitel "Project Dust" angekündigt). Auf der Gamescom in Köln präsentierte uns Chahi sein Projekt.

Vorneweg gesagt: Wir sind nicht ganz sicher, wie anspruchsvoll From Dust wird. Ubisoft stellt es nicht als Verkaufsversion in den Laden, sondern vertreibt es ausschließlich über Steam, Xbox Live Arcade und den Playstation Store. Das spricht tendenziell für ein kleineres Projekt. Die Gamescom-Demonstration zeigte nur Basiselemente des Spielablaufs, ohne wirklich deutlich zu machen, wie From Dust eine tiefgehendere Herausforderung bieten will.

From Dust: Terraforming

Im Prinzip ist das Spiel ein großer Sandkasten. Mit dem Zeiger, den ihr per Analog-Stick steuert, tragt ihr den Untergrund ab, der in einer großen Blase zwischengespeichert wird, und schüttet ihn anderswo wieder aus. So schlürft ihr zum Beispiel Wasser aus dem Meer, schüttet es in eine Talsenke und habt so einen See geschaffen.

From Dust: Die Natur ist schön anzusehen, aber auch bedrohlich.From Dust: Die Natur ist schön anzusehen, aber auch bedrohlich.

Die Umwelt reagiert dabei auf eure Aktionen. Wenn ihr etwa das Ufer Ihres eures Sees abtragen, so dass eine Rinne entsteht, dann fließt das Wasser dadurch ab. Wenn ihr Lava aufklaubt und in einen Wald werft, brennt die Vegetation nieder. Indem ihr Sand in Flussbetten schaufelt, leiten ihr den Wasserstrom nach Belieben um.

» From Dust: gamescom-Trailer anschauen

Das funktioniert im Prinzip nicht anders als bei dynamischen Leveleditoren, ist aber technisch recht ansehnlich umgesetzt, auch wenn der Detailsgrad der Landschaften uns nicht vom Hocker gerissen hat. Hübsch zum Beispiel, wie das Wasser echte 3D-Wellen schlägt, wenn man Material hineinplumpsen lässt.

Fein, aber wozu das Ganze? In eurem virtuellen Sandkasten hausen kleine Eingeborenenstämme, die entfernt an Populous 3 (PC; 1998) erinnern. Die armen Männchen werden in From Dust ständig von Katastrophen bedroht, denn die fröhliche Weltensimulation fährt ganz schöne Gemeinheiten auf. Stürme blasen die Hütten um, Vulkane brechen aus, Inseln versinken im Meer, Feuerwalzen fressen sich durch die Wälder, in denen wiederum wilde Tiere lauern können. In der Präsentation sahen wir, wie eine Tsunami-Riesenwelle auf ein Eingeborenendorf zuwalzte (was weniger eindrucksvoll aussah, als es klingt).

From Dust: Darum gehts

Die Katastropen kündigen sich rechtzeitig an, und euch bleibt dann begrenzte Zeit, um eure Mannen zu beschützen. Aber nicht etwa, indem ihr Riesenwälle aufschüttet oder Wassergräben zieht, sondern indem ihr dem Schamanen des Dorfs zu einem Schutzstein bugsiert, der dann zum Beispiel Immunität gegen das Wasserelement verleiht.

From Dust: Tsunamis bedrohen eure Eingeborenen.From Dust: Tsunamis bedrohen eure Eingeborenen.

Der Schamane läuft automatisch in Richtung Ziel, ihr müsst ihm den Weg freiräumen: Flüsse überbrücken, Schluchten zuschütten, Tiere fortscheuchen, Lava umleiten. Mit dem richtigen Schutzelement verteidigt sich der Stamm dann ganz von allein gegen die anrückende Katastrophe; gegen die Tsunami-Welle beschwören die musizierenden Eingeborenen zum Beispiel eine Schutzglocke, die das Wasser effektvoll spaltet.

Das alles klingt nicht sonderlich tiefgründig. Auf der Gamescom Developers Conference, die am Tag vor der Gamescom stattfand, wurde die Echtzeit-Verformung der Landschaft in From Dust bewundert. Technisch mag das gelungen sein, auch wenn es in der Praxis weit weniger spektakulär aussieht, als es klingt. Inhaltlich erscheint mit From Dust reichlich dünn; ich sehe nicht, wo langfristig die Herausforderung darin liegen soll, Wege für Eingeborene zu planieren. Aber wir haben auf der Gamescom noch kaum echten Spielablauf gesehen, also wer weiß - vielleicht überrascht From Dust uns am Ende ja doch.

Chahi und Ubisoft versprechen jedenfalls für spätere Levels vielseitigere Herausforderungen: mehrere Dörfer, die parallel bedroht sind und zum Teil umggesiedelt werden müssen, erlernbare weitere Fertigkeiten (etwa Wasser einfrieren), verschiedene Landschaftstypen.
Erscheinen soll From Dust im März 2011.


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