Gears of War: Ultimate Edition im Test - Sägezahn der Zeit? Von wegen!

De-indiziert und (fast) so gut wie vor zehn Jahren. Die Gears of War: Ultimate Edition erweist sich im Test als echtes Remaster-Highlight für die Xbox One.

von Tobias Veltin,
01.09.2016 15:00 Uhr

Gears of War: Ultimate Edition - Test-Video zum Deckungsshooter-Remaster Gears of War: Ultimate Edition - Test-Video zum Deckungsshooter-Remaster

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Zehn Jahre ist es her, dass sich Marcus Fenix und Co. auf der Xbox 360 in Gears of War erstmals durch Locust-Horden ballerten und sägten. Seitdem war das Action-Spiel in Deutschland indiziert. Deshalb kamen deutsche Spieler zunächst nicht in den Genuss der erweiterten (aber zum indizierten Original generell inhaltsgleichen und daher ebenfalls als indiziert anzusehenden) Ultimate Edition, die Microsoft im August 2015 für die Xbox One veröffentlichte.

Mittlerweile ist Gears of War aber von der Liste der jugendgefährdenden Medien entlassen worden, das Spiel darf in seiner Ultimate Edition somit erstmals offiziell in Deutschland erscheinen.

Gears of War
Genre: Action
Release: 02.09.2016

Die Gears-Baumgruppe

Für alle Nichtkenner des Spiels: Die Story erzählt eine klassische Gut-gegen-Böse-Geschichte. Die Menschen des Planeten Sera werden am sogenannten E-Day von den Locust angegriffen - menschenähnlichen Monstern, die unter der Erde leben.

Das Gears-Team bildet die Speerspitze der Menschheit beim Kampf gegen die Locust. Das Gears-Team bildet die Speerspitze der Menschheit beim Kampf gegen die Locust.

Im folgenden Krieg wird die Menschheit stark dezimiert und nahezu sämtliche Städte auf Sera werden zerstört. Die Speerspitze der menschlichen Verteidigung sind die sogenannten KOR-Kämpfer (KOR: Koalition ordentlicher Regierungen), Männer wie Mammutbaumstämme mit kleinwagendicken Oberarmen und bassigen Stimmen.

Marcus Fenix und sein Kumpel Dominic Santiago sind dabei die zentralen Figuren, später kommen noch Damon Baird und Augustus »The Cole Train« Cole dazu. Die Story von Gears wirkt wegen der überbordenden Coolness-Attitüde zwar immer noch etwas grotesk, ist aber nett erzählt und bietet sogar einige Überraschungen.

Nichts verlernt

Spielerisch ist der Titel hervorragend gealtert. Kaum habe ich den Controller in der Hand, flitze ich von Hindernis zu Hindernis, feuere aus der Deckung oder verarbeite die Locust mit Handgranaten und dem etwas fummelig zu bedienenden Kettensägenbajonett zu klumpigem Fleischsalat. Das geht auch nach zehn Jahren hervorragend von der Hand, die sehr präzise und vielfältig einstellbare Steuerung macht die blutige Locust-Jagd zum puren Vergnügen.

Herausfordernd ist Gears trotzdem zu jeder Zeit: Deckung nehmen ist tatsächlich (über-)lebenswichtig, denn schon auf dem zweiten der vier Schwierigkeitsgrade heizen die Gegner Marcus und seinem Trupp ordentlich ein. Wer aufrecht durch den Level läuft, endet schnell als blutiger Klumpen im Dreck.

So offen wie hier sollte man sich in Gears of War nicht oft bewegen. Deckung suchen und nutzen ist bei den Schießereien überlebenswichtig.So offen wie hier sollte man sich in Gears of War nicht oft bewegen. Deckung suchen und nutzen ist bei den Schießereien überlebenswichtig.

Die Gegner-KI hat zwar immer wieder ihre Aussetzer, meistens sind die Burschen aber in der Überzahl und bewegen sich geschickt über das Schlachtfeld. Wesentlich schlimmer ist das Dummbatzentum der eigenen Teammitglieder. Dom und Co. werden immer wieder in den ungünstigsten Situationen niedergeschossen oder bleiben teilweise sekundenlang vor verschlossenen Türen stehen. Zu zweit im Koop macht die Kampagne aber ohnehin deutlich mehr Spaß, das Beitreten und Verlassen eines Spiels funktioniert in der Ultimate Edition für den zweiten Spieler jederzeit, das ging im Xbox-360-Original noch nicht.

Der letzte Teil der Gears-Serie im Detail:Test zu Gears of War: Judgment

Großartige Momente

Gears ist die meiste Zeit ein recht geradliniger Deckungs-Shooter, streut aber auch einige großartige Momente ein, die ich fast schon wieder vergessen hatte. Zum Beispiel muss ich in einem gigantischen Gewächshaus gegen einen Berserker antreten, ein blindes Riesenwesen, das brüllend in jede Richtung stürmt, aus der es Geräusche hört.

Das Vieh treibt mir tatsächlich wieder die Schweißperlen auf die Stirn, obwohl ich die Stelle sicherlich schon zehnmal gespielt habe. Etwas frustiger, aber nicht weniger bemerkenswert, ist auch die Fahrt durch eine Ruinenstadt, bei der ich mit einem UV-Lichtgeschütz Schwärme von Kryll-Flugbiestern vertreiben muss, die in der Dunkelheit alles vertilgen, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen kann.

Der Kampf gegen den Brumak ist das Highlight aus den zusätzlichen Kapiteln, die es bisher nur in der PC-Version gab.Der Kampf gegen den Brumak ist das Highlight aus den zusätzlichen Kapiteln, die es bisher nur in der PC-Version gab.

Das macht tatsächlich auch heute noch enorm viel Spaß, auch wenn diese Passage in Trial-and-Error ausartet, wenn man sie noch nicht kennt. Ein absolutes Highlight ist zudem das Aktive-Nachladen-Minispiel, bei dem ich mich immer noch frage, warum das nicht zig andere Shooter adaptiert haben: Beim Nachladen muss ich zur richtigen Zeit auf eine Taste drücken, um Bonusmunition ins Magazin zu packen.

Mehr Kampagne, mehr Multiplayer

Die Ultimate Edition enthält im Vergleich zur Erstveröffentlichung fünf zusätzliche Kapitel gegen Ende des Spiels, in dem die KOR durch einen Lagerhallenkomplex gelangen müssen und am Ende einem gewaltigen Brumak gegenüberstehen.

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Dieses Duell war bisher Spielern der PC-Version vorbehalten, die Ultimate Edition ist damit also besonders für ausschließliche Kenner der Xbox-360-Version reizvoll. Der Mehrspieler-Modus wird zudem durch neue Modi (unter anderem King of the Hill und Gnasher Execution) aufgepeppt, der in späteren Teilen populäre Horde-Modus fehlt aber leider.

Kleine Schönheits-OP

Technisch ist Gears of War zwar nicht mehr der Augenöffner von vor zehn Jahren, aber überdurchschnittlich gut gealtert. The Coalition hat allerdings auch kräftig per Technikspritze nachgeholfen und etliche Matschtexturen oder unnatürlich glänzende Gesichter der 360-Version durch detailliertere Pendants ersetzt. Außerdem wurde die Framerate stabilisiert und die Auflösung auf 1080p hochgefahren.

Der ganz große Technikknaller ist Gears of War zwar nicht mehr, kann optisch aber immer noch mit aktuellen Titeln mithalten. Der ganz große Technikknaller ist Gears of War zwar nicht mehr, kann optisch aber immer noch mit aktuellen Titeln mithalten.

Das Ergebnis ist ein jederzeit flüssiges Gemetzel, dessen düsterer Charme auch heute noch in seinen Bann schlagen kann, nur in den Zwischensequenzen kommt es unerklärlicherweise hin und wieder zu leichten Grafikstotterern.

Der Sound hat dank 7.1.-Abmischung ein bisschen mehr Wumms, auch wenn die Standard-Lancer immer noch einen satteren Waffensound gebrauchen könnte - dieser Meinung war ich auch schon vor zehn Jahren. Unfreiwillig komisch ist die deutsche Sprachausgabe, denn die wirkt größtenteils schlicht aufgesetzt (so wird aus dem englisch gebrummten »Nice!« zum Beispiel ein fröhlich geträllertes »Schön!«). Glücklicherweise befindet sich auch die englische Sprachversion mit auf der Disc - und die sollte meiner Meinung nach der deutschen auf jeden Fall bevorzugt werden.

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