GTA Online oder Offline? - Ein Kurztrip nach Los Santos

Rockstar hat’s verbockt: Der groß angekündigte Start von GTA Online fiel ins Wasser, weil die Server dem Ansturm der Fans nicht gewachsen waren. Trotzdem haben wir es geschafft, einige Minuten im Online-Los Santos zu verbringen. Lest hier unsere Eindrücke.

von Kai Schmidt,
02.10.2013 15:06 Uhr

Millionen GTA 5-Besitzer wollen am Veröffentlichungstag gleichzeitig GTA Online spielen, und Millionen GTA 5-Besitzer sehen das gleiche Bild. Klar, dass die Server bei diesem Ansturm streiken und am heimischen Bildschirm lediglich eine Fehlermeldung vor schwarzem Hintergrund aufploppt. Hätte Rockstar das angesichts der überwältigenden Verkaufszahlen des Spiels nicht ahnen können - ja sogar müssen? Schwierig, denn geht man von offiziellen Zahlen aus, nutzt nur ein Bruchteil der Durchschnittszocker den Online-Multiplayer-Modus eines Spiels.

Wir erinnern uns allerdings an den Launch der iFruit-App zum Release von GTA 5, bei dem es zu einem ähnlichen Ansturm kam. Hallo, Rockstar! Hätten nicht spätestens hier die Alarmglocken schrillen müssen? In einer perfekten Welt wäre der Start von GTA Online sicher anders verlaufen: Dank starker (und zahlreicher) Server könnte jeder sofort loslegen und seine Online-Verbrecherkarriere in Los Santos starten. Doch wie wir aus der Vergangenheit gelernt haben, sind Starttage bei einem heiß begehrten Online-Titel offenbar nicht oder nur sehr schwer zu meistern: Diablo 3 und Sim City dürften den meisten PC-Spielern unangenehm in Erinnerung sein.

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Titel mit Online-Anbindung haben immer wieder Startschwierigkeiten und pendeln sich manchmal erst nach Wochen in spielbaren Regionen ein. Dann weiß Rockstar aber hoffentlich genau, wie stark der Ansturm auf die Server wirklich ist, und welche Kapazitäten man wirklich bereitstellen muss. Wir hoffen, dass es bei GTA Online nicht ganz so lange dauern wird, doch der holprige Start war eigentlich vorauszuahnen.

Ungeachtet dessen haben wir Glück, spielen am 1. Oktober 2013 bereits kurz vor dem offiziellen Start um 13 Uhr rein. Nachdem wir einen Charakter erstellt haben, dessen Aussehen wir entscheidend durch die Herkunft der Elternteile bestimmen, legen wir fest, wie der durchschnittliche Tagesablauf unserer Figur, die wir übrigens Honk taufen, aussieht: Wieviel Zeit verbringt der Typ mit regulärer Arbeit, wieviel mit illegalen Tätigkeiten? Wie sieht das Feierabendverhalten aus (Party, Treffen mit Freunden, auf der Couch herumlungern)? Je nachdem, wie wir die 24 Stunden eines Tages auf diese Bereiche verteilen, ändert sich das Erscheinungsbild unserer Figur. Wer viel feiert und wenig schläft, ist entsprechend blasser und kommt mit dicken Augenringen daher.

Dann geht's los: Am Flughafen von Los Santos werden wir von Franklins Kumpel Lamar abgeholt. Der geschwätzige Gangster textet uns mit Sätzen zu, die gefühlt zu 70 Prozent aus Zitat »Homie, Dog, Motherfucker und Nigga« bestehen. Doch ehe wir weiter die Augen verdrehen können, steht auch schon die erste Aktivität an. Zu Beginn des ausgedehnten Tutorials fahren wir ein Rennen gegen Lamar. Anschließend müssen wir ein paar Drogendealer überfallen, uns Klamotten besorgen und dann zusammen mit weiteren Spielern eine Tankstelle ausrauben.

Großmaul Lamar empfängt uns am Flughafen von Los Santos und führt uns im Tutorial in die Feinheiten des Spiels ein.Großmaul Lamar empfängt uns am Flughafen von Los Santos und führt uns im Tutorial in die Feinheiten des Spiels ein.

Juhu, der erste Kontakt mit Onlinezockern! Mit vorgehaltener Waffe zwingen wir den Kassierer dazu, die Kohle in eine Tasche zu packen, der arme Kerl fleht um sein Leben. Eigentlich ist es damit getan. Doch sogleich folgt eine Lehrstunde darüber, wie GTA Online-Spieler ticken: Beinahe gleichzeitig eröffnen alle Komplizen das Feuer auf den Kassierer. Und selbst wir kommen nicht ungeschoren davon, da uns einer der Mitspieler vor der Tür »liebevoll« vorwärts und rückwärts mit dem Wagen überfährt.

Das soll uns eine Lehre sein. Beim Respawn wechseln wir schnell in die Optionen und schalten den Passiv-Modus ein. Gegen die kleine Gebühr von 100 Ingame-Dollar können wir zwar keine anderen Spieler erledigen, sie aber auch uns nicht. Nun folgt die Autobeschaffung: Wir sollen uns einen Wagen klauen und bei Los Santos Customs umlackieren lassen. Auf dem Weg zur Werkstatt kreuzen einige hübsche Autos unseren Weg - wir wechseln den fahrbaren Untersatz also einige Male! Bevor es nun ans Umlackieren geht, müssen wir feststellen, dass die Polizei uns in GTA Online erkennt, wenn wir mit einem gestohlenen Wagen unterwegs sind.

Die Polizisten erkennen in GTA Online, ob ihr mit einem gestohlenen Wagen unterwegs seid. Umspritzen ist angesagt!Die Polizisten erkennen in GTA Online, ob ihr mit einem gestohlenen Wagen unterwegs seid. Umspritzen ist angesagt!

Mehrmals müssen wir die Gesetzeshüter also wie im Hauptspiel abschütteln. Bei Los Santos Customs dürfen wir uns dann nicht nur für eine neue Farbe entscheiden, sondern bekommen gratis eine Versicherung und einen GPS-Tracker für unsere erste eigene Karre. Das können wir zukünftig für alle geklauten Wagen bekommen, doch kostet es dann Geld. Geld, das wir entweder im Spiel verdienen (und dringend auf die Bank bringen sollten, damit es nicht futsch ist, sobald wir ins Gras beißen) oder uns im Online Store von PlayStation 3 oder Xbox 360 für reales Geld kaufen.

Als wir die letzte Station des Tutorials in Angriff nehmen, ein Death-Match, streikt die Onlineverbindung. Wir können weder einem Spiel beitreten, noch ein eigenes eröffnen. Tja, und das war's dann auch schon mit unserem ersten Ausflug ins Online-Los Santos. Wir konnten wahrscheinlich mehr vom Spiel sehen, als der größte Teil der übrigen Online-wütigen GTA-Spieler, doch seit diesem Kurztrip bekommen auch wir nur noch den schwarzen Bildschirm mit der Fehlermeldung zu sehen. Die große Frage lautet nun natürlich: Wie sehr unterscheidet sich GTA Online von GTA 5?

Wer sich wie wir nur durch das Tutorial kämpfen kann, bevor die Verbindung abbricht, bekommt den Eindruck, dass der Online-Modus vor allem von Tabellen, Statistiken und Hilfe-Einblendungen bestimmt wird. Dadurch ist der Spielfluss wesentlich abgehackter als beim Solospiel. Bei jeder Aktivität in eine Lobby zu wechseln und auf Mitspieler warten zu müssen ist zwar online unumgänglich, doch hätten wir uns das Ganze etwas flüssiger und dynamischer gewünscht. Es bleibt abzuwarten, wie sich GTA Online entwickelt - wenn es denn irgendwann mal vernünftig läuft. Es steckt unglaublich viel Potenzial in dem Konzept, und wir hoffen, dass alles auch so klappt, wie Rockstar es sich gedacht (und den Spielern versprochen) hat.

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