Jade Empire im Test

Bioware entfesselt den Pollex! Die Zeiten, in denen der chronisch unterforderte Rollenspielerdaumen untätig auf dem Tastenfeld des Controllers ruhte, sind endlich vorbei.

06.05.2005 14:45 Uhr

Lasst euch von der idyllischen Umgebung nicht täuschen, auch im Himmel lauern die Gegner hinter jeder Ecke. Screen: XboxLasst euch von der idyllischen Umgebung nicht täuschen, auch im Himmel lauern die Gegner hinter jeder Ecke. Screen: Xbox

Im Gegensatz zum letzten Bioware-Titel entführt euch Jade Empire nicht in die Zukunft, sondern in eine traumhaft verklärte Fantasy-Variante des mittelalterlichen China. Das Jadereich ist ein Land der Legenden, ein Ort, an dem Geister auf Erden wandeln und arglistige Dämonen einfachen Bürgern nach dem Leben trachten. Begriffe wie Ehre, Hingabe und Aufopferungsbereitschaft, und das stetige Streben nach Perfektion prägen das Leben der Menschen. Für den geschichtlichen Überbau haben sich die Designer großzügig bei populären Filmen wie »Tiger&Dragon«, »A Chinese Ghost Story« und »Princess Mononoke« bedient. Erfahrene Rollenspieler werden sicher auch einige Parallelen zum Pen&Paper-Rollenspiel Rukogan entdecken. Vor Beginn des Abenteuers habt ihr die Wahl zwischen vier vorgegebenen Charakteren, die sich abgesehen von ihrem Aussehen kaum voneinander unterscheiden. Ihr übernehmt die Rolle eines Kampfkunst-Schülers mit rätselhafter Vergangenheit. Die ersten Stunden verbringt ihr damit, euch mit den Grundlagen des Kampfsystems vertraut zu machen und mit anderen Schülern zu plauschen. Nachdem ihr den etwas drögen Auftakt hinter euch gebracht habt, zieht die Geschichte deutlich an und Jade Empire beginnt damit, euch in einen unwiderstehlichen Strudel aus Geistern, Intrigen, Verrat und blutiger Rache zu ziehen. Natürlich müsst ihr das Abenteuer nicht allein bestreiten. Im Verlauf der Geschichte trefft ihr zahlreiche Verbündete (die ihr allerdings nicht selbst steuern könnt), von denen einer immer an eurer Seite bleibt.


Genre: Rollenspiel
Release: 19.04.2005

Yin und Yang im Jadereich

Damit ihr euch nicht verlauft, könnt ihr mit dem »X«-Knopf jederzeit eine praktische Übersichtskarte aufrufen. Screen: XboxDamit ihr euch nicht verlauft, könnt ihr mit dem »X«-Knopf jederzeit eine praktische Übersichtskarte aufrufen. Screen: Xbox

Während eurer Reise durch das auf knapp zwanzig Stunden angelegte Abenteuer erforscht ihr nicht nur düstere Wälder, monumentale Friedhöfe und die pompöse Kaiserstadt, sondern müsst euch auch mit den Bewohnern des Jadereichs auseinandersetzen. Die Städte und Dörfer in Jade Empire brummen geradezu vor Leben, überall wuseln Bürger herum, Wachen gehen ihrem Tagwerk nach und es kommt nicht selten vor, das ihr direkt in ein geskriptetes Ereignis hineinstolpert, bei dem ihr auf die Schnelle ein paar Erfahrungspunkte einsacken könnt. Schlendert ihr zum Beispiel Tiens Anleger durch ein Gasthaus, begegnet ihr einem verzweifelten Mann, dessen Oger sich weigert, auf die heimische Farm zurückzukehren. Wenn ihr euch dieses Problems annehmt, habt ihr mehrere Lösungsmöglichkeiten. Friedfertige Gesellen versuchen die Sache im Gespräch zu lösen und quatschen den Oger aus der Kneipe. Auf diese Weise kassiert ihr als Belohnung nicht nur ein hübsches Sümmchen vom Wirt des Etablissements, sondern sackt auch noch Erfahrungs- und Gesinnungspunkte ein. Wer es eher ruppig mag, pöbelt den Oger einfach an und streckt das Monster nieder, muss sich aber damit abfinden, das ihm negative Gesinnungspunkte gutgeschrieben werden. Wer bei dieser Schilderung die Knights of the Old Republic trapsen hört, liegt selbstverständlich richtig. Analog zum »Dunkle Seite/Helle Seite«-System des Jedi-Abenteuers könnt ihr die Gesinnung eures Jade-Ritters beeinflussen. Wer Gutes tut, wandelt auf dem »Pfad der Offenen Hand«, Bösewichte gehen den »Weg der Geschlossenen Faust«.


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