Jim Sterling - Indie-Entwickler will Youtuber auf 10 Millionen verklagen

Das Indie-Studio Digital Homicide will den Spielekritiker Jim Sterling auf 10 Millionen Dollar Schadensersatz verklagen. Schuld soll die üble Nachrede in seinen Videos sein.

von Elena Schulz,
19.03.2016 20:28 Uhr

Weil Jim Sterling über The Slaughtering Grounds hergezogen sein soll, will der Entwickler ihn nun verklagen.Weil Jim Sterling über The Slaughtering Grounds hergezogen sein soll, will der Entwickler ihn nun verklagen.

Spielekritiker und Youtuber Jim Sterling lebt vor allem von seinen gerne geklickten Spiele-Verrissen. Geht es nach dem Indie-Entwickler Digital Homicide, hat er es nun aber zu weit getrieben - das aus zwei Brüdern bestehende Team will ihn auf 10 Millionen Dollar Schadensersatz verklagen.

Als Grund für die Klage nennen die beiden Verleumdung und Rufmord. Durch die harsche Kritik in seinen Videos sollen sich die Spiele des Entwicklers erheblich schlechter verkauft haben. Außerdem würde man regemäßig von Fans des Youtubers angefeindet oder sogar bedroht werden.

Aufgrund der finanziellen und psychischen Schäden fordert das Unternehmen deshalb 10,76 Millionen Dollar Schadensersatz. Kurzzeitig starteten die Entwickler sogar eine Crowdfunding-Kampagne, um den Prozess zu finanzieren. Die ist mittlerweile wieder offline - von den geforderten 75.000 US-Dollar wurden bis dahin nur 190 US-Dollar eingenommen. Die Entwickler wollen sich nun selbst vor Gericht vertreten.

Kritik oder Beleidigung?

Jim Sterling ist für seine unterhaltsamen, aber harschen Spielekritiken bekannt.Jim Sterling ist für seine unterhaltsamen, aber harschen Spielekritiken bekannt.

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Der Konflikt zwischen Digital Homicide und Jim Sterling existiert schon länger. 2014 bezeichnet der Kritiker das erste Spiel des Studios - einen Shooter names »The Slaughtering Grounds« als das mit Abstand schlechteste Spiel des Jahres und macht sich über das Spieldesign und die angeblich zusammengekauften billigen Assets lustig.

Der Entwickler reagiert damals mit zwei mittlerweile gelöschten Videos, in denen man Sterling als Idioten bezeichnet und ihm vorwirft, sich nicht richtig mit Indie-Entwicklern und ihren Spielen auseinanderzusetzen. Anschließend versucht der Entwickler das Video zu ihrem Spiel als geschütztes Material sperren zu lassen, nach kurzer Zeit ist es aber wieder online.

Grünes Licht für Schrott-Spiele

Nach einem langwierigen Schlagabtausch über Youtube und Twitter kommt es im Juli 2015 zu einer Aussprache (unter der News) zwischen den Parteien, eine Versöhnung ist allerdings nicht in Sicht. Während Jim Sterling seine Videos als Kritik ansieht, sieht das Entwicklerstudio eine persönliche Beleidigung darin. Im Video witzelt Entwickler Robert Romine sogar noch, dass jemand Sterling eines Tages verklagen wird, nun übernimmt das ausgerechnet er selbst.

Neben dem Geld fordert Digital Homicide außerdem eine persönliche Entschuldigung für jeden angreifenden Artikel und jedes Video innerhalb der letzten fünf Jahre - unter anderem als Youtube-Video auf Sterlings Kanal. Der will sich zwar noch nicht zum Fall äußern, zeigt sich aber zuversichtlich. Noch ist trotz Anklage nicht klar, ob es überhaupt zu einem Prozess kommt.

Der Fall illustriert schön die Probleme, die Steams Greenlight mit sich bringt. Zwar ist es eine ideale Chance für unerfahrene und unbekannte Entwickler, einen Vertriebsweg für ihre Spiele zu finden, allerdings landen so auch viele Spiele auf Steam, die in keinster Weise für den Spieler optimiert wurden.


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