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Auf geht's

Kampfsport auf Konsolen - Special - Die Geschichte der Kampfsport-Spiele

Echte Kampfsport-Simulationen sind selten – unser Special klärt, wo es halbwegs realistisch Haue gibt.

von Stephan Freundorfer,
22.10.2009 15:27 Uhr

Mit Karate Champ fing alles an: Der von den späteren Double Dragon-Machern Technos entwickelte Automat ist der Urvater von Kampfsport-Simulationen und Beat 'em Ups.Mit Karate Champ fing alles an: Der von den späteren Double Dragon-Machern Technos entwickelte Automat ist der Urvater von Kampfsport-Simulationen und Beat 'em Ups.

Kampfkünste sind eine unschätzbare Inspirationsquelle für Videospiele: Kein Beat’em-Up und kaum ein Action-Held kommt ohne die oft uralten ritualisierten Techniken aus, dem Gegner möglichst effektiv das Licht auszublasen. Echte Kampfsport-Simulationen sind hingegen selten – unser Special klärt, wo es halbwegs realistisch Haue gibt.

„Be-gin“ – es ist fast schon prophetisch, was der schnauzbärtige Karate Champ-Schiedsrichter beim Start eines Schlagabtauschs in knarziger Sprachausgabe von sich gibt. Vor 25 Jahren brachte der Automat des japanischen Herstellers Data East nicht nur zum ersten Mal die legendäre asiatische Kampfkunst in die Spielhalle, er ist auch der Urvater der 1-on-1-Kampfspiele und damit des Beat ’em Ups. Dieses Genre wurde schnell beliebt, entfernte sich aber mit Actionfilm-Attitüde, abgefahrenen Charakteren und übermenschlichen Spezialattacken ebenso flink von seinen sportlichen Wurzeln – sei es im seitlich scrollenden Kampfklassiker Double Dragon (der ebenfalls von den Karate Champ-Machern Technos entwickelt wurde) oder Capcoms Prügel-Urknall Street Fighter. Kampfsport-Simulationen zogen sich dagegen nach einem kurzen, Karate-dominierten Höhenflug in eine recht überschaubare Nische zurück. Und die wird heutzutage eigentlich nur noch mit Box- und Wrestling-Simulationen befüllt – sporadische Ausnahmen bestätigen die Regel…

Auf den Punkt

The Way of the Exploding Fist und die International Karate-Reihe ähnelten in Spielprinzip und Optik so stark Karate Champ, dass Data East die IK-Macher System 3 verklagte.The Way of the Exploding Fist und die International Karate-Reihe ähnelten in Spielprinzip und Optik so stark Karate Champ, dass Data East die IK-Macher System 3 verklagte.

Was Karate Champ und von diesem inspirierte Heimcomputer-Klassiker wie International Karate oder The Way of the Exploding Fist von den später aufkommenden Beat ’em Ups unterschied, war die starke Anlehnung an die Realität. Die Kampfsportspiele, die Mitte der Achtziger auf der Karate-Film-Welle schwammen, ließen gewöhnliche Athleten gegeneinander antreten, deren einziges individuelles Merkmal die Farbe des traditionellen Trainingsanzugs war. Statt Lebensleiste wurde ein an das echte Karate angelehntes Punktesystem genutzt – für erfolgreiche Angriffe gab’s je nach Qualität einen halben oder ganzen Zähler, anschließend stellten sich die Kämpfer neu auf, und bei zwei Punkten war das Match vorbei (das Zweier-System wurde in modifizierter Form auch Beat ’em Up-Standard – von Fatal Fury bis Virtua Fighter müssen zwei Runden zum Weiterkommen gewonnen werden). Trotz bunter Hintergründe und witziger Bonussequenzen, in denen Porzellan oder Bretter zu Bruch gingen, stand der sportliche Wettbewerb im Vordergrund: Runde für Runde wurde gegen immer stärker werdende Gegner gekämpft, wobei eine Handvoll wirklichkeitsnaher Schläge, Tritte, Fußfeger und Sprünge zum Einsatz kam. Karate-Techniken, -Looks und -Philosophie finden sich zwar auch bei unzähligen anderen Videospielkämpfern – wie Street Fighter-Urgestein Ryu, der häufig barfuß im klassischen weißen Leinenanzug antritt, oder SNK-Star Ryo Sakazaki, dessen Kampfstil und Ernsthaftigkeit ihm den Spitznamen »Mr. Karate« einbrachten. Solche überzeichneten Beat ’em Up-Charaktere, die mit einem wilden Stilmix in comic- oder filmhaften Szenerien gegeneinander antreten, haben aber mit dem echten Kampfsport ungefähr so viel zu tun wie »Mario«-Fußballspiele mit der Bundesliga.

Kleine Vielfalt

Der ehemalige französische Erfolgs-Judoka David Douillet steht Pate für eine sehr ordentliche Simulation des sanften Kampfsports.Der ehemalige französische Erfolgs-Judoka David Douillet steht Pate für eine sehr ordentliche Simulation des sanften Kampfsports.

Abseits von Boxen und Wrestling finden klassische Kampfsportarten beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – Aikido, Judo, Kendo, Ringen oder Taekwondo mögen ihre Stars, Fans und Vereine haben, kommen in den Medien aber so gut wie nie vor. Da gesellschaftliche Relevanz und Akzeptanz auch massiv die Inhalte von Spielen beeinflusst, ist es kein Wunder, dass im vergangenen Vierteljahrhundert nur eine Handvoll entsprechender Simulationen erschienen sind – wobei sich weder eine Plattform noch eine Ära als Kampfsport-Schwerpunkt herauskristallisieren konnte. Diese Titel abseits des Massengeschmacks kamen aus Japan, Europa und den USA, für Konsolen und Computer, auf 8-, 16- oder 32-Bit-Systemen. Interessanterweise sind altgedienten Zockern diese Nischentitel oft positiv in Erinnerung geblieben. So wie die englische Judo-Versoftung Uchi Mata, die taktischer und komplexer als zum Beispiel IK+ war und viel Wert auf die Simulation der Griff-, Wurf- und Falltechniken dieser eher sanften Kampfkunst legte. Wer in 3D-Optik und auf einer halbwegs modernen Konsole sein Gegenüber aushebeln will, kann zu David Douillet Judo greifen: Der atmosphärische PS2-Titel der 10tacle Studios Belgium ist die erste (und einzige) Wahl für moderne PAL-Judoka. Weitere Judo-Titel für NES oder MSX-Computer waren dem japanischen Markt vorbehalten, ebenso wie die wenigen Kendo-Spiele (beispielsweise Segas 8-Bit-Simulation Champion Kendo oder die D3-Playstation-Billigproduktion The Kendo). Sumo-Ringen gelangte zumindest über den C-64 (im hässlichen Sumo Wrestlers) in den Westen, ist seit vielen Jahren auf PSone, PS2 oder Mobiltelefonen aber wieder eine rein fernöstliche Angelegenheit. Als Move- und Optik-Inspiration dient Sumo hingegen immer wieder gern, ebenso wie all die anderen populären bis ungewöhnlichen Kampfsportarten aus aller Herren Länder: Street Fighter-Veteran E. Honda besitzt das klassische Äußere der japanischen Ringer, in der Tekken-Reihe kommen (neben vielen anderen) Aikido- (Nina), Ninjutsu- (Yoshimitsu) und Capoeira-Techniken (Eddy Gordo) zum Einsatz und beim aktuellen Lizenz-Geprügel UFC 2009 Undisputed gibt’s wie beim realen Vorbild erkennbare Ansätze von Judo, Thaiboxen oder Jiu Jitsu.

Europäische Nadelstiche

Abseits von Boxen sind europäische Kampfsportarten seltene Videospielgäste – zumindest Fechten wird aber in diversen Olympia-Titeln und z.B. in Taitos Automat Great Swordsman thematisiert.Abseits von Boxen sind europäische Kampfsportarten seltene Videospielgäste – zumindest Fechten wird aber in diversen Olympia-Titeln und z.B. in Taitos Automat Great Swordsman thematisiert.

Dass asiatische Kampfsportarten die Videospiellandschaft dominieren ist kein Wunder, schließlich sind diese zahlreicher, vielfältiger und vielseitiger als westliche Disziplinen (ganz abgesehen von ihrer größeren kulturellen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Bedeutung). Allein die Koreaner kennen zwei Dutzend Kampfstile. Im Westen am bekanntesten ist das schnelle und dynamische Taekwondo, das nicht nur etliche Beat 'em Ups beeinflusste und auf SNES simuliert wurde, sondern bis heute (z.B. als Flash- oder PC-Spiel) eine beliebte Kampfspiel-Sportart ist. Europäische Disziplinen wie Ringen oder Fechten bieten dagegen wohl nicht genug Aufregung und Abwechslung, um ausreichend Spielekäufer zu locken. Wenigstens der Zweikampf mit dem Degen hat es ein paar Mal in virtuelle Form geschafft – allerdings nur als Bestandteil von sportlichen Großwettbewerben. Auf 8- und 16-Bit-Computern durfte im Epyx-Klassiker Summer Games 2 sowie Tynesofts Olympia-Software Summer Challenge gefochten werden, ebenso wie auf dem NES in Track & Field 2. Abgesehen davon befassen sich Sportspielsammlungen nur selten mit Kampfkünsten – im angesprochenen Konami-Modul gab’s noch Taekwondo als Disziplin, bei Segas Bejing 2008 sorgte Judo für Abwechslung von der Leichtathletik.

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