"Killerspiele" - Unionsminister fordern Verbot

Die "Killerspiel"-Debatte wird von den Länderinnenministern der Union fortgesetzt.

von Denise Bergert,
14.05.2007 07:19 Uhr

Die Innenminister der Union fordern weiterhin ein Verbot so genannter „Killerspiele“. Wie die Länderminister von Hessen, Thüringen, Niedersachsen und Bayern in Wiesbaden erklärten, erhöhten solche Spiele die Gefahr von Nachahmertaten, da sie Kinder abstumpften.

Die Länderinnenminister der Union beriefen sich dabei auf eine Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer. Demnach seien Computer- und Videospiele mit Altersfreigaben ab 16 oder 18 Jahren, unter sehr viel jüngeren Kindern weit verbreitet. Laut Studie zählen höhere Gewaltbereitschaft und nachlassende Schulleistungen zu den daraus resultierenden Folgen.

Künftig soll die Herstellung und Verbreitung solcher Spiele unter Strafe gesetzt werden, fordern die Minister. Dabei verwiesen sie auf eine bayrische Bundesratsinitiative, die unter anderem auf eine Ergänzung des Strafgesetzbuchs zielt. Über die ablehnende Haltung von Bundesjustizministerin Zypries (SPD) äußerte sich Hessens Innenminister Volker Bouffier mit Unverständnis.

“Eine Gesellschaft ist krank, die solche Spiele auf den Markt lässt“, so Pfeiffer. Er erklärt grausame Computerspiele zur Hauptursache für die überall zu beobachtende schulische Leistungskrise von Jungen. Das am Vormittag im Klassenzimmer erworbene Wissen werde, seiner Meinung nach, durch die emotionale Erregung beim virtuellen Töten wieder gelöscht. Die Selbstkontrolle der Hersteller mit ihrer Altersklassifizierung versage völlig: Jeder zweite Zehnjährige habe Erfahrung mit Spielen, die erst ab 16 oder 18 freigegeben seien, ein Drittel der 14- bis 15- jährigen spiele sie fast täglich. Als einzig wirksame Methode erweise sich eine Indizierung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM).

Neben einer Ergänzung des Strafgesetzbuchs schlagen die Minister außerdem eine Reform der Selbstkontrolle sowie eine Stärkung der Medienkompetenz der Jugendlichen vor. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) nannte die Kritik der Minister unsachlich und bezweifelte die Seriosität von Pfeiffers Studie. Dabei verwies er auf eine britische Untersuchung, nach der Computerspiele emotional weniger wirken als Filme. (dpa)


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