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Activision Blizzard kauft King - Activisions süße Versuchung

Zum Rekordpreis von 5,9 Miliarden Dollar will Activision Blizzard den Casual-Erfolgspublisher King übernehmen. Wieso eigentlich?

Von Markus Schwerdtel |

Datum: 03.11.2015


Activision Blizzard kauft King : Candy Crush Saga allein hat im Jahr 2014 1,33 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Candy Crush Saga allein hat im Jahr 2014 1,33 Milliarden Dollar Umsatz gemacht.

Rund 14,50 Euro gibt der Durchschnitts-Bundesbürger jedes Jahr für Halloween-Süßigkeiten aus. Da kann Activision-Chef Bobby Kotick nur müde lächeln, er legt 5,9 Milliarden Dollar (knapp 5,4 Mrd. Euro) für den Casual-Spiel-Publisher King auf den Tisch. Zum Vergleich: Disney hat für das Star-Wars-Universum rund 4 Mrd. Dollar an Lucasfilm bezahlt, Microsoft für Minecraft gut 2,5 Mrd. Dollar. Ist eine Handy-Spiel-Butze wie King wirklich so viel mehr wert als die beiden Mega-Entertainment-Marken? Zumal Electronic Arts vor vier Jahren Popcap (Plants vs. Zombies, Peggle 2) für schlappe 750 Millionen bekommen hat?

King kennen vor allem Gelegenheits-Gamer durch so genannte Match-3-Titel wie Candy Crush Saga oder Farm Heroes Saga. Noch muss die irische Wettbewerbsbehörde (dort hat King den Firmensitz) dem Kauf zustimmen, doch die Frage stellt sich schon jetzt: Was genau hat der AAA-Publisher Activision mit dem Casual-König King vor?

Activision Blizzard kauft King : Markus Schwerdtel liebt Match-3-Spiele, es gibt nix Besseres für Bus und U-Bahn. Allerdings macht er einen weiten Bogen um Candy Crush & Co, denn da ist zu viel Free2Play drin. Wer vernünftig matchen will und obendrein eine Extradosis Rollenspiel verträgt, dem empfiehlt Markus das inzwischen schon acht Jahre alte, aber immer noch hervorragende erste Puzzle Quest (für PC, Nintendo DS und diverse andere Plattformen). Vielleicht ist hier aber auch der richtige Ort, um ein Guilty-Pleasure-Match-3 (sogar mit sanfter F2P-Komponente) zu gestehen: Frozen Free Fall für iOS und Android (mittlerweile auch auf PS4 und Xbox One) ist richtig gut! Let it go, let it go!

Eingekauftes Geld

In den letzten Jahren ist das Geschäft mit Casual-Games vor allem im Mobile-Bereich deutlich stärker gewachsen als die Umsätze mit »traditionellen« Spielen, auch wenn dieses Wachstum langsam etwas nachlässt. Obwohl nicht mehr neu, ist dieser Bereich (trotz vereinzelter Erfolge) für Publisher wie eben Activision oder Ubisoft noch immer weitgehend unerforschtes Land. Zwar sind sie durchaus in den Charts der umsatzsstärksten Apps vertreten (etwa mit Hearthstone), müssen sich dafür aber auf ihre etablierten Spiele-Marken verlassen. Und auf den vorderen Plätzen sitzen trotzdem reine Casual-Studios wie Supercell oder eben King (derzeit auf Platz 4 mit Candy Crush Saga) – ganz ohne große Markennamen.

Activision Blizzard kauft King : Mit Hearthstone hat Activision bereits ein erfolgreiches Spiel im App Store, jetzt kommen die extrem umsatzstarken King-Titel dazu. Mit Hearthstone hat Activision bereits ein erfolgreiches Spiel im App Store, jetzt kommen die extrem umsatzstarken King-Titel dazu.

Was sich Activision mit King kauft, ist also zunächst mal ein ordentlicher Umsatz-Booster. Im zweiten Quartal 2015 nahm King stattliche 530 Millionen Dollar ein, im gesamten Jahr 2014 waren es ganze 2,26 Mrd. Dollar. Das ist auch für einen Riesen wie Activision Blizzard eine stolze Zahl, die man gern zum eigenen, auch nicht gerade mickrigen Umsatz (4,8 Mrd. Dollar im Jahr 2014) dazu zählt.

Es geht um die Menschen!

Der wahre Grund für die Übernahme dürfte jedoch ein anderer sein. Denn mit King kauft sich Activision nicht nur Zahlen und Casual-Entwickler-Fachwissen. Man kauft vor allem auch Kunden. 340 Millionen User im Monat aus über 200 Ländern, dagegen sieht selbst das hauseigene World of Warcraft mit seinen momentan 5,5 Millionen Nutzern mickrig aus. Obendrein spielen die King-Kunden meist auf ihrem Telefon, dem vielleicht »persönlichsten« aller Geräte. Hier ist es viel leichter, »Anschlussgeschäft« zu tätigen und den jeweiligen Spieler zu weiteren Ausgaben zu bewegen als am PC oder auf Konsole. Von den Werbemöglichkeiten mit einer so riesigen Nutzerbasis ganz zu schweigen.

Mit dem King-Kauf stellt sich Activision deutlich breiter auf als bisher und deckt von Casual bis AAA alle Spielertypen ab. Das macht die Firma zukunftssicher(er), auch wenn man sich für den Kaufpreis erst mal Geld leihen musste. Von der Übernahme werden deshalb weder die Call of Duty-Spieler noch die Candy Crush-Süchtigen viel bemerken, zumal King auch weitgehen selbstständig bleiben soll. Activision diversifiziert sich und schafft mehrere, voneinander unabhängige Standbeine. Das ist in unsicheren Zeiten wie diesen nur vernünftig. Und niemand in der Führungsetage wird so dumm sein, mit einem Call of Candy gleich mehrere Spielergruppen vor den Kopf zu stoßen. Hoffentlich.

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hosty
#1 | 03. Nov 2015, 20:38
Wahnsinn. Werde diesen Irrsinn wohl nie verstehen, was in der heutigen Zeit für abartige Summen herumschoben werden für Sachen, die keinen greifbaren, materiellen Wert haben bzw. für Firmen, die überhaupt nichts produzieren. Der Gipfel der Unverschämtheit war für mich, als WhatsApp von facebook aufgekauft wurde für 16 Milliarden Dollar. 16 Milliarden für eine kleine Firma mit gerade einmal 50 Angestellten, für einen Messenger Dienst, der nichts anderes kann und nichts anderes macht, außer das kostenlose Verschicken von Kurznachrichten.
16 Milliarden, nur um an Millionen von Nutzerdaten zu gelangen, um das Netzwerk zu vergrößern.
Sorry, ist für mich Irrsinn.

Zum Vergleich: Der gesamte BMW-Konzern wird auf einen Wert von 26,3 Milliarden Dollar geschätzt. Und hat aber über 100.000 Angestellte und -zig Produktionshallen mit sündhaft teuren Produktionslinien in Form von High-Tech-Robotern etc.
Hier ist der Wert von über 20 Milliarden greifbar und nachvollziehbar, nicht aber bei einer 50-Mann Klitsche wie WhatsApp, die außer einer Handvoll Mitarbeiter und ein paar Computern nichts haben.

Zitat von GamePro:
Im zweiten Quartal 2015 nahm King stattliche 5,3 Millionen Dollar ein, im gesamten Jahr 2014 waren es ganze 2,26 Mrd. Dollar.

Also das hört sich irgendwie nicht an, als würden Eure recherchierten Zahlen stimmen. Wenn diese Firma in einem Jahr 2.26 Milliarden Dollar einnimmt, sind das grob gesagt im Schnitt rund 500 Millionen pro Quartal. Wenn sie nun also tatsächlich im 2. Quartal 2015 "stattliche" 5,3 Millionen Dollar eingenommen haben, so wie Ihr es schreibt, dann wäre das ja mal ein absolut katastrophaler Umsatzeinbruch von etwa 99%!
Klingt nicht sehr realistisch ...
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Die Legende
#2 | 03. Nov 2015, 21:48
was eine summe unglaublich.

aber selbst so ine summe ist für acti nicht mal so viel wie wir alle denken.

wenn sie nur so viel geld in die wirckliche spieleentwicklung werfen würden.aber verdenken kann man es einerseits nicht man sieht ja warum.
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Die Legende
#3 | 03. Nov 2015, 21:53
Zitat von hosty:
Wahnsinn. Werde diesen Irrsinn wohl nie verstehen, was in der heutigen Zeit für abartige Summen herumschoben werden für Sachen, die keinen greifbaren, materiellen Wert haben bzw. für Firmen, die überhaupt nichts produzieren. Der Gipfel der Unverschämtheit war für mich, als WhatsApp von facebook aufgekauft wurde für 16 Milliarden Dollar. 16 Milliarden für eine kleine Firma mit gerade einmal 50 Angestellten, für einen Messenger Dienst, der nichts anderes kann und nichts anderes macht, außer das kostenlose Verschicken von Kurznachrichten.
16 Milliarden, nur um an Millionen von Nutzerdaten zu gelangen, um das Netzwerk zu vergrößern.
Sorry, ist für mich Irrsinn.

Zum Vergleich: Der gesamte BMW-Konzern wird auf einen Wert von 26,3 Milliarden Dollar geschätzt. Und hat aber über 100.000 Angestellte und -zig Produktionshallen mit sündhaft teuren Produktionslinien in Form von High-Tech-Robotern etc.
Hier ist der Wert von über 20 Milliarden greifbar und nachvollziehbar, nicht aber bei einer 50-Mann Klitsche wie WhatsApp, die außer einer Handvoll Mitarbeiter und ein paar Computern nichts haben.


Also das hört sich irgendwie nicht an, als würden Eure recherchierten Zahlen stimmen. Wenn diese Firma in einem Jahr 2.26 Milliarden Dollar einnimmt, sind das grob gesagt im Schnitt rund 500 Millionen pro Quartal. Wenn sie nun also tatsächlich im 2. Quartal 2015 "stattliche" 5,3 Millionen Dollar eingenommen haben, so wie Ihr es schreibt, dann wäre das ja mal ein absolut katastrophaler Umsatzeinbruch von etwa 99%!
Klingt nicht sehr realistisch ...


verstehen kann man das ohnehin nicht aber so firmen wie facebook oder acti haben so viel geld das sie das niemals alles ausgeben können.

allerdings ist der bmw vergleich jetzt nicht so beeindruckend der konzern stand mal kurz vor der pleite.
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hosty
#4 | 03. Nov 2015, 22:34
Zitat von Die Legende:


verstehen kann man das ohnehin nicht aber so firmen wie facebook oder acti haben so viel geld das sie das niemals alles ausgeben können.

allerdings ist der bmw vergleich jetzt nicht so beeindruckend der konzern stand mal kurz vor der pleite.

Spielt in diesem Fall trotzdem keine Rolle, da ich nur veranschaulichen wollte, daß hier auf der einen Seite eine Firma mit großem materiellen Besitz und Angestelltenzahl in sechsstelliger Höhe und dort auf der anderen Seite eine kleine Klitsche mit so gut wie keinem materiellem Besitz und nur einer Handvoll Angestellten so ziemlich das Gleiche wert sein sollen.
Hätte auch Audi nehmen können oder einen anderen Automobilkonzern, das ist egal. Das Prinzip bzw. die Verhältnismäßigkeit ist identisch.
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Markus Schwerdtel
#5 | 04. Nov 2015, 09:17
Zitat von hosty:

Also das hört sich irgendwie nicht an, als würden Eure recherchierten Zahlen stimmen. Wenn diese Firma in einem Jahr 2.26 Milliarden Dollar einnimmt, sind das grob gesagt im Schnitt rund 500 Millionen pro Quartal. Wenn sie nun also tatsächlich im 2. Quartal 2015 "stattliche" 5,3 Millionen Dollar eingenommen haben, so wie Ihr es schreibt, dann wäre das ja mal ein absolut katastrophaler Umsatzeinbruch von etwa 99%!
Klingt nicht sehr realistisch ...


Du hast recht, war quasi ein Kommafehler, es sind "nur" 530 Millionen in 2/2015 gewesen. Wenn man das mal vier nimmt, passt es auch grob mit den 2,26 Mrd. im Jahr.
Danke für den Hinweis!
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Nelphi
#6 | 04. Nov 2015, 12:13
Zitat von hosty:

Spielt in diesem Fall trotzdem keine Rolle, da ich nur veranschaulichen wollte, daß hier auf der einen Seite eine Firma mit großem materiellen Besitz und Angestelltenzahl in sechsstelliger Höhe und dort auf der anderen Seite eine kleine Klitsche mit so gut wie keinem materiellem Besitz und nur einer Handvoll Angestellten so ziemlich das Gleiche wert sein sollen.
Hätte auch Audi nehmen können oder einen anderen Automobilkonzern, das ist egal. Das Prinzip bzw. die Verhältnismäßigkeit ist identisch.


A: Weiß man nicht was für wertvolle Patente hinter diesen Firmen steckt...die von BMW dürften allerdings auch richtig was ert sein!

B: wurde hier schon im Artikel geschrieben, das es um Nutzerdaten gehen könnte, und diese sind ebend immens viel wert!
Wir befinden uns in einer Dienstleistungsgesellschaft, in der es anscheinend nichts wertvolleres gibt als Kundendaten!
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