Lost Odyssey im Test

Mit welcher Erwartung geht man an ein klassisches Japano-Rollenspiel? Im neuen Mistwalker-Werk stecken viele gute Zutaten, kaum Neuerungen – und einige Enttäuschungen.

von Gamepro Redaktion,
20.02.2008 15:44 Uhr

Wer wäre nicht gerne unsterblich? Kaim Argonar, Protagonist des neuen Xbox-360-Rollenspiels von Mistwalker (Blue Dragon), würde diese Frage garantiert mit »Ich nicht!« beantworten. Der androgyne Held von Lost Odyssey lebt schon seit über 1.000 Jahren, und ein Ende ist nicht in Sicht. Schuld ist ein hartnäckiger Unsterblichkeits-Zauber. Gleich im furiosen Intro werdet ihr Zeuge von Kaims Unsterblichkeit: Als mitten in einer tobenden Schlacht ein Meteorit einschlägt und die gesamte Umgebung verwüstet, trägt Kaim keinen Kratzer davon. Kaims Unvergänglichkeit ist gleichzeitig sein Schicksal: Er musste den Tod vieler Personen ertragen; Familienmitglieder, Geliebte und Freunde kamen und gingen, während er einsam weiterlebte. Da Kaim an Amnesie leidet, fehlen ihm die meisten Erinnerungen an seine bewegte Vergangenheit. Diese erlangt er im Spielverlauf erst nach und nach zurück, was ihr in Form von textlastigen Traumsequenzen (siehe Kasten) nachlest.

Lost Odyssey
Genre: Rollenspiel
Release: 15.02.2008

Unsterblich E.V.

Es teilen aber noch andere Kaims Schicksal der Unsterblichkeit. So auch die Kämpferin Seth Balmore und die in Magie bewanderte Königin Ming. Doch auch Sterbliche gesellen sich zu Kaim, um ihn bei der Aufdeckung der Vorkommnisse rund um den »Großen Stab« zu unterstützen, eine magische Energiestation der Regierung. Etwa Frauenheld Jansen, der mit seinen Kommentaren immer wieder für Zwerchfellattacken sorgt. Oder das Geschwisterpaar Max und Kuke, das seine Mutter verloren hat. Insgesamt sind neun spielbare Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten an Bord. Maximal fünf Figuren gehören gleichzeitig eurer Party an und dürfen nach Belieben ausgewechselt werden. Die markanten Persönlichkeiten wurden mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet – die Haupthandlung leider nicht. Der Plot von Lost Odyssey schwächelt und kommt zudem nur sehr langsam in Fahrt. Wenn ihr schließlich herausfindet, wer euer Gegenspieler ist, stellt sich Ernüchterung ein: Der Fiesling ist unserer Meinung nach alles andere als charismatisch. Überhaupt reißt uns die Story nicht vom Hocker. Mehr als das übliche »Gut gegen Böse«-Geplänkel wird in Lost Odyssey leider nicht geboten. Vielmehr stehen die Figuren, deren persönliche Schicksale und Kaims Entwicklung vom schweigsamen, harten Kerl zum gebrochenen Menschen mit Gefühlen im Vordergrund.


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