Milch aus! Nächste Kuh! - Kolumne: Das Ende von Guitar Hero

Markus Schwerdtel über die kühlen Rechner bei Activision, fehlenden Mut und warum wir uns auf noch mehr Call of Duty »freuen« dürfen.

von Markus Schwerdtel,
10.02.2011 11:39 Uhr

Markus SchwerdtelMarkus Schwerdtel

Echte Helden sterben einsam. Naja, außer Gitarrenhelden vielleicht, schließlich gibt es eine ganze Menge Guitar Hero-Titel, die jetzt gemeinsam mit dem neuesten Ableger Warriors of Rock in die Grube fahren. Neben Krachern wie Guitar Hero: Metallica war da eben auch viel Mist dabei, wir denken da nur an Murks wie GH: Van Halen oder Band Hero. Man musste nun wahrlich kein Branchenkenner sein um zu wissen, dass eine solche Serienmelkerei nicht lange funktionieren kann. Wenn man sich überlegt, dass in der Planungsabteilung von Activision wohl (hoffentlich) eher keine Nieten sitzen, dann bleibt eigentlich nur ein Schluss: Die Guitar Hero-Reihe wurde absichtlich bis zum letzten abgeschöpft. Und zwar schon von Anfang an im Bewusstsein, dass man sie schnell gnadenlos einstellt, sobald eine gewisse Rentabilität unterschritten wird.

Das zeigt einmal mehr, wes Geistes Kind die Schlipsträger dort sind – knallharte Rechner eben, die keine Ahnung von den (sich natürlich ständig ändernden) Marktbedürfnissen haben. Warum sonst hätte man wohl getreu der Milchmädchen-Formel „Plastikteile = Profit“ Fehlschläge wie Tony Hawk Shred oder die beiden DJ Heros auf den Markt geworfen? Und wenn man sich nicht ganz sicher ist (wie bei True Crime), dann stellt man den Titel lieber gleich ganz ein. Wie sollen solche Anti-Visionäre es schaffen, die Profitbringer der nächsten Jahre auszugucken, also die Guitar Heros der 10er-Jahre? Stattdessen konzentriert man sich weiter auf Call of Duty und die Blizzard-Titel – kluge Diversifizierung sieht anders aus.

Das Ganze ist umso unverständlicher, weil ein kleiner Blick in der Vergangenheit genügen würde um zu sehen, wie man es richtig macht. Vor wenigen Jahren nämlich stand Mitbewerber Electronic Arts vor ähnlichen Problemen: stagnierende Serien, Innovationsstau, schlechter Ruf bei den Spielern. EA hat es aber geschafft, mit radikalen Neuausrichtungen (Need for Speed: Shift), hervorragenden neuen Marken (Dead Space) und nicht zuletzt Mut (Mirror’s Edge) das Ruder herumzureißen. Ob Activision Blizzard eine ähnliche Wende schafft, sei dahin gestellt. Vermutlich ruht man sich lieber auf den Blizzard-Lorbeeren aus, reitet Call of Duty langsam zu Tode und merkt dann irgendwann, dass man von echten „Spielmachern“ links und rechts überholt wurde.


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