Need for Speed: The Run - Wir fahren die USA kaputt

Das nächste Modell von Electronic Arts' Rennserie Need for Speed überrascht mit Battlefield-3-Engine, Dirt-Fahrlehrer und interaktiver Story, die quer durch die USA führt. Wir haben The Run angeschaut.

von Heinrich Lenhardt,
06.06.2011 23:00 Uhr

Jack ist männlich, jung und auf der Flucht. Und das derzeit - für den Helden eines Rennspiels wie Need for Speed: The Run besorgniserregend - zu Fuß. Er flieht über den Dächern von Chicago vor den Cops, hechtet spektakulär über Abgründe und hält sich in letzter Sekunde an einer Feuerleiter fest. Jack landet in der nächsten Gasse, eine Polizeistreife nähert sich.

Aus der Deckung sehen wir, wie ein Polizist auf die Suche geht und sein Kollege am Auto zurückbleibt. Von hinten grabscht sich Jack den Ordnungshüter, durch rasche Betätigung der eingeblendeten Tasten landen wir zwei tadellose Schwinger. Der Polizist geht grunzend zu Boden, und wir brausen mit seinem Streifenwagen davon. Diese aufregende und grafisch geschniegelte Actionszene würde man in so ziemlich jeden Genre vermuten, nur nicht bei einem Rennspiel. Und schon gar nicht bei einem Ableger der Need for Speed-Serie (NfS). Die lässt schon seit 1994 lizenzierte Luxusflitzer über virtuelle Straßen rasen und verkaufte weltweit über 115 Millionen Einheiten.

Der Innovationsmotor kam zwischenzeitlich ins Stottern, da ein- und dasselbe Entwicklungsstudio zeitweilig im Jahrestakt neue Modelle an den Start bringen musste: »Durch die kurzen Entwicklungszeiten hat EA das Team früher nicht befähigt, tolle Spiele zu machen«, redet Marketing-Chef Keith Munro Klartext und verspricht: »Das hat sich geändert.« Electronic Arts verteilte die Serie auf verschiedene Entwickler, die dadurch mehr Zeit für ihre Projekte haben – und damit auch mal wieder etwas Gewagteres entwickeln können, so wie Need for Speed: The Run.

Auf dem Highway ist die Hölle los

Burnaby, am Standrand der kanadischen Metropole Vancouver. Mit unserem braven Kompaktwagen haben wir unter weitgehender Beachtung des Tempolimits den Berufsverkehr gemeistert und sind - ohne quietschende Reifen - auf dem Besucherparkplatz des Electronic-Arts-Komplexes zum Stehen gekommen. Ziel des Boxenstopps: Ein Besuch bei EAs Blackbox-Team, einer bewährten Produktionswerkstätte, deren bislang letzter Titel Need for Speed: Undercover nicht gerade auf allen Zylindern feuerte.

»Unsere Produktionszyklen erlaubten es früher nicht, in Innovationen und Technologie zu investieren«, räumt Jason DeLong ein, der Executive Producer von The Run. Seit rund zweieinhalb Jahren ist das Comeback-Rennspiel von Blackbox bereits in Arbeit (die 2010-NfS-Veröffentlichung Hot Pursuit wurde in der Burnout -Werkstatt von Criterion montiert).

Spielerischer Kern ist es auch in The Run noch, mit lizenzierten Autos zwanglos zu fahren, zu driften und knautschzonenausreizend Verkehrsregeln zu missachten. Aber im Gegensatz zur Stückwerk-Raserei von Hot Pursuit ist das Geflitze in eine durchgehende, aufwändig inszenierte Handlung eingebettet, deren Fortgang wir interaktiv erleben.

Unser Held Jack ist Teilnehmer des längsten illegalen Straßenrennens in den USA: Start in San Francisco, Ziel New York; erstmals in der NfS-Seriengeschichte sind die Strecken keine Fantasiekurse, sondern echten Regionen und Städten nachempfunden. Für landschaftliche Abwechslung und Fahrherausforderungen ist gesorgt, von den Wüsten in Kalifornien bis zu eisigen Höhenlagen Colorado. Jacks Rivalen sind nicht nur anonyme Computerfahrzeuge, sondern auch handfeste Charaktere - jede Story braucht schließlich den einen oder anderen ordentlichen Bösewicht.


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