Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin im Test - Ein Ghibli-Märchen zum Spielen

Im Test zu Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin für die PS3 wurden unsere immens hohen Erwartungen sogar noch übertroffen! Für diesen Ausnahmetitel rollen wir den roten Rollenspielteppich aus!

von Nino Kerl,
18.01.2013 14:25 Uhr

Test-Video zu Ni no Kuni Test-Video zu Ni no Kuni

Oliver, die Hauptfigur von Ni no Kuni: Der Fluch der weissen Königin , lässt auf den ersten Blick rein gar keine Assoziation zum stereotypischen Videospielhelden zu. Kein maskierter, übermenschlicher Superheld, kein schießwütiges US-Marines-Großmaul, kein androgyner JRPG-Schönling mit Monsterklinge. Nein, »Oli« ist ein ganz gewöhnlicher Junge.

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Lebensfroh und abenteuerlustig. Mit durchgescheuerten Jeans und zerzausten Haaren. Ein normales, 13-jähriges Kind, eine Identifikationsfigur. Entwickler Level 5 (u.a. Professor Layton -Reihe) schickt mit dem unscheinbaren Bub ganz bewusst einen Charakter ins Rennen, wie er alltäglicher nicht sein könnte. Denn die kreativen Köpfe hinter dem PS3-exklusiven Rollenspiel verfolgen in erster Linie ein Ziel: Sie möchten eine Geschichte erzählen.

Eine Parabel übers Erwachsenwerden. Die Geschichte eines Jungen, der sich seinen Ängsten stellt und Verantwortung übernimmt. Ohne gekünstelte Sentimentalitäten oder peinlichen Kitsch, ohne überzogene Action und Effekthascherei. Die geballte Erfahrung und das unverwechselbare Artdesign steuerte Anime-Opi Hayao Miyazakis Studio Ghibli (»Prinzessin Mononoke« , »Chihiros Reise ins Zauberland« etc.) bei.

Die Zusammenarbeit hat gefruchtet, das Resultat ist brillant! Mit Ni no Kuni kommen Ende Januar endlich auch europäische Rollenspiel-Fans in den Genuss eines interaktiven Märchens, das sanft das Kind im Spieler weckt, die Phantasie anregt und ein bisschen des unvergleichlichen Charmes der 32-Bit-Ära zurück ins Wohnzimmer bringt.

Iss was, damit du groß und stark wirst!

Im Menüpunkt »Kreaturkäfig« füttert ihr eure Verbündeten mit Leckereien, um ihre Statuswerte wie Angriff, Verteidigung oder Flinkheit zu steigern. Die Törtchen, Eisbecher oder Schokolade erbeutet ihr aus Schatztruhen, knöpft sie euren Gegnern ab oder erwerbt sie in bestimmten Geschäften. Zudem findet ihr hin- und wieder ein paar ganz außergewöhnliche Snacks, die eure Verbündeten auf eine höhere (von drei) Evolutionsstufe hieven. Getreu dem Pokémon’schen Schiggy-, Schillok-, Turtok-Vorbild.

Ni No Kuni
Genre: Rollenspiel
Release: 01.02.2013

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung

Dass Märchen auf unterschiedliche Art und Weise schrecklich sein können, ist hinlänglich bekannt. Erinnert euch nur an die grausamen Lektionen von Max und Moritz, die schaurige Geschichte von Hänsel und Gretel oder das schockierende Del Torro-Meisterwerk »Pans Labyrinth«.

Auch in der vermeintlichen »Nur für Kinder«-Geschichte Ni no Kuni erwartet euch nur wenige Gehminuten vom Startbildschirm entfernt eine Schlüsselszene mit »Tränen in den Augen- und Klos im Hals«-Garantie: Olivers Mutter erliegt nach einer Stresssituation ihrem Herzleiden und stirbt. Ähnlich wie bei der Batman- oder Spider-Man-Saga weist der Tod eines geliebten Familienmitglieds auch in dieser Geschichte den Weg des Helden.

Trailer zu Ni no Kuni Trailer zu Ni no Kuni

Um die (vor allem jüngeren) Spieler in diesem traurigen Moment nicht alleine zu lassen, werden sie von den Drehbuchautoren des Rollenspiels anschließend prompt an die Hand genommen. Die Storyschreiber verfolgen nämlich einen kindlich-naiven, verträumten Ansatz und begegnen dem Thema Tod mit dem Motiv Hoffnung: Es gibt eine Möglichkeit, Olivers Mutter zu retten! Von einer ulkigen Fee mit einer übergroßen Nase namens »Tröpfchen«, das so unerwartet in Olis Leben tritt, wie seine Mutter verschwand, erfährt der Protagonist von einer sagenhaften Welt, die namensgebende Ni no Kuni.

Die Heimat des magischen Wesens mit dem Riesenzinken wurde vom dunklen »Dschinn Shadar« heimgesucht. Der vermummte Fiesling hat es auf die Herzen der Bewohner abgesehen. Oliver ist der Auserwählte, der »Reinherzige«, der das Übel abwenden, die Welt Ni no Kuni retten und durch einen cleveren Story-Clou (den wir hier nicht verraten möchten) seine geliebte Mutter zurück ins Leben holen kann.

Herzensangelegenheit

Das Thema Emotionen zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Abenteuer und wird sogar als Spielelement genutzt. Durch den dunklen Einfluss des Dschinns, leiden viele Bewohner der Ni no Kuni an einem gebrochenen Herzen. So fehlt es einem Wachposten vor der Stadt Katzbuckel beispielsweise am nötigen Enthusiasmus. Kein Bock auf Malochen bedeutet in diesem Fall, dass das Tor geschlossen bleibt.

Sein Kollege hingegen strotzt nur so voll Tatendrang. Mit dem Zauber »Herz empfangen« entnehmt ihr also dem übereifrigen Soldat ein wenig emotionale Substanz, um sie dann mit dem Zauber »Herz schenken« auf seinen trägen Kollegen zu übertragen. Und schon ist der Wachmann wieder mit Eifer bei der Sache und öffnet euch das Tor zur Stadt. Im Laufe des Abenteuers versorgt ihr auf diesem Weg zahlreiche Patienten mit Güte, Zurückhaltung, Mut und anderen Emotionen.

Kein Wunder also, dass der Junge bei einem derart prall gefüllten Rucksack voll Motivation keine Sekunde zögert. Mit seinem treuen Begleiter Tröpfchen tritt der Dreikäsehoch die abenteuerliche Reise in die märchenhafte Ni no Kuni (etwa: »zwei Länder« oder »die andere Welt«) an.


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