Nintendo - Kündigung nach andauernder Online-Hass-Kampagne

Nintendo USA hat nach einer monatelangen Schmutzkampagne gegen eine ihrer Mitarbeiterin diese heute gekündigt. Laut Nintendo habe dies jedoch nichts mit den Vorwürfen zu tun, sondern mit einem nicht gemeldeten Zweitjob. Alison Rapp sieht diesen Grund nur als Vorwand.

von Manuel Fritsch,
31.03.2016 17:50 Uhr

Nintendo hat sich von der Mitarbeiterin Alison Rapp getrennt. Rapp sah sich einer monatelangen Online-Kampagne ausgesetzt, die ihre Entlassung forderte. Als offizieller Kündigungsgrund wird von Nintendo ein Zweitjob genannt.Nintendo hat sich von der Mitarbeiterin Alison Rapp getrennt. Rapp sah sich einer monatelangen Online-Kampagne ausgesetzt, die ihre Entlassung forderte. Als offizieller Kündigungsgrund wird von Nintendo ein Zweitjob genannt.

Auf Twitter hat die »Nintendo Treehouse«-Repräsentantin Alison Rapp gestern Abend ihr Kündigung bei Nintendo bekannt gegeben. In den letzten Monaten sah sich Rapp auf Twitter und Facebook einer Flut von Hass-Replys und persönlichen Angriffen ausgesetzt. Etliche User und in Foren organisierte Kampagnen forderten intensiv Nintendo dazu auf, sich von Rapp zu distanzieren und forderten ihre Entlassung. Die Kündigung habe jedoch laut offizieller Nintendo-Erklärung nichts mit den Angriffen im Netz gegen sie zu tun. Ein Nintendo-Sprecher gab folgendes Statement bei IGN.com zur Kündigung Rapps:

"Alison Rapp was terminated due to violation of an internal company policy involving holding a second job in conflict with Nintendo’s corporate culture. Though Ms. Rapp’s termination follows her being the subject of criticism from certain groups via social media several weeks ago, the two are absolutely not related. Nintendo is a company committed to fostering inclusion and diversity in both our company and the broader video game industry and we firmly reject the harassment of individuals based on gender, race or personal beliefs. We wish Ms. Rapp well in her future endeavors"

Laut Nintendo sei der Kündigungsgrund ein Zweitjob, den Rapp ohne Absprache mit Nintendo ausübte und sich nicht mit der Firmenpolitik in Einklang bringen lassen würde.

Rapp bezweifelt diesen Kündigungsgrund öffentlich. Sie bestätigt, dass sie einen Zweitjob neben ihrer Anstellung bei Nintendo angenommen habe, um »Studienschulden abzubezahlen«. Aber es verstoße nicht gegen den Arbeitsvertrag, einen Zweitjob zu haben. Das sei grundsätzlich erlaubt bei Nintendo, so Rapp auf Twitter. Den Job habe sie »unter einem anderen Namen« ausgeübt und ein anonymer Hinweis habe diese Tätigkeit an Nintendo weitergeleitet. Ihre Gegner hätten außerdem Texte ihrer Abschlußarbeit über japanische Spielkultur »aus dem Kontext« gerissen und damit eine Kampagne gestartet, die ihr eine Befürwortung und Nähe zu pädophilem Gedankengut auslegte.

Bekannt wurde die Marketing-Beauftragte vor allem durch ihre Moderation der Livestreams während der E3 in Nintendos Show »Treehouse«. In dieser Position war sie auch verantwortlich für das Marketing der Lokalisierung von japanischen Videospielen für den US-amerikanischen Markt. Durch diese Position gelangte Rapp ins Fadenkreuz von Gamergate-Befürwortern und losen Gruppen von selbsternannten »Zensur«-Gegnern.

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Nintendo, bzw. die Treehouse-Abteilung (und damit Rapp als Gesicht dieser Abteilung) wurde im Vorfeld der Veröffentlichung von Fire Emblem Fates vorgeworfen, das Spiel zu »zensieren«. Nintendo USA entfernte zwei Dinge aus der US-Version des Spiels, sehr zum Unmut einiger Spieler, die daraufhin protestierten. Zum einen wurde eine Szene aus dem Spiel geschnitten, in der sich ein homosexueller Charakter mit Hilfe einer heimlich zugeführten Droge in eine heterosexuelle Person verliebt und diese heiratet. Außerdem wurde ein Minispiel umgebaut, in der man das Gesicht von Charakteren »streicheln« konnte. In der US-Version kann man nun stattdessen Partner durch simples Antippen wecken.

Die Diskussion und Aufregung darüber folgte direkt einer Debatte um einen in der Lokalisierung entfernten »Brüste-Regler« im Spiel Xenoblade Chronicles X. Auch wenn Rapp als Marketing-Beauftragte diese Entscheidungen nur nach außen kommunizieren musste und selber nicht an der Entstehung dieser Änderungen beteiligt war, schoss sich die Wut der Gegner dieser Entscheidung auf sie ein. Ironischerweise erwähnte Rapp mehrmals, dass sie persönlich den Brüste-Regler im Spiel gelassen hätte, wenn es ihre Entscheidung gewesen wäre.

Nintendo hat sich während der gesamten Hasskampagne nicht zu Wort gemeldet oder Rapp als Angestellte in Schutz genommen. Die erste Wortmeldung ist die Kündigung Rapps. Nintendo stufte Rapp jedoch bereits davor intern herab und versetzte Rapp an eine Position, in der sie nicht mehr als offizielle Vertreterin des Unternehmens auftreten konnte.

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