No Man's Sky - Kein RPG, aber ihr solltet es wie eines spielen

No Man’s Sky bietet die wohl größte Spielwelt, die sich je auf Doms Konsole geschlichen hat. Doch irgendwann lässt die Faszination nach und Ratlosigkeit stellt sich ein: Was machen wir eigentlich in diesem Spiel? Dom weiß darauf eine Antwort: Rollenspielen!

von Dom Schott,
15.08.2016 18:15 Uhr

No Man's Sky - Soundtrack-Kostprobe mit Debutante von 65Daysofstatic No Man's Sky - Soundtrack-Kostprobe mit Debutante von 65Daysofstatic

Am Anfang war die Faszination fast ebenso groß wie die Spielwelt, die mir No Man's Sky versprach: Ein schier grenzenloser Weltraum, vollgepackt mit drölfzig Milliarden Planeten, zufallsgenerierten Pflanzenwelten, Tierfamilien, Handelsposten und Aliens. Aber das Beste an diesem riesigen Kosmos war das Wissen, dass nichts und niemand auf mich wartete. Keine Welt muss gerettet werden, kein böser Erzmagier besiegt, keine dunkle Bedrohung ausgelöscht werden. Ich bin egal, ich sitze in meinem kleinem Raumschiff, schwebe schwerelos zwischen zwei Planeten und höre nur das Dröhnen meines Maschinenraums. Was für eine wunderschöne Abwechslung zu all den Heldenreisen, Quick Time Events und Dialogzweigen, an denen ich in anderen Spielen fast täglich hinaufklettere.

No Man's Sky
Genre: Action
Release: 10.08.2016

Ziellose Spaziergänge im Weltall-Zoo

Zugegeben, auch in der endlosen Weite von No Man's Sky gibt es einen erzählerischen roten Faden, der mir hin und wieder blinkend in Erinnerung gerufen wird, aber im Grunde ist mir diese Mission egal. Atlas? Mittelpunkt des Universums? Kein Interesse. Aber schau mal, dieser Planet ist lila und hübsch und ich will dort hin!

No Man's Sky machte mich kurzzeitig zum begeisterten Weltraumtouristen : No Man's Sky machte mich kurzzeitig zum begeisterten WeltraumtouristenNo Man's Sky machte mich kurzzeitig zum begeisterten Weltraumtouristen
No Man's Sky machte mich kurzzeitig zum begeisterten Weltraumtouristen

Dieser Weltraumtourismus hat mich in den ersten Spielstunden auf Trab gehalten wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Wohin ich auch blickte, überall lockten Planeten mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna, die erkundet werden wollten. Unzählige ziellose Spaziergänge in diesem Weltraum-Zoo führten mich in kilometertiefe, rot glühende Schluchten, an die Strände giftiger Meeresgewässer und zu einen Handelsposten, der von einem fleischfressenden Pilz überzogen war. Ich benannte Tierarten nach alten Lieblingslehrern und verschiedenen Saucen, ein Sonnensystem musste aus der Not heraus sogar als Einkaufszettel dienen (Denkt an mich, wenn ihr auf "MilchWasserKaffeeSnacks" stoßt!). Es war eine wunderbare Zeit der spielerischen Freiheit, die ich so schon lange nicht mehr erleben durfte.

Aber irgendwann passierte genau das, was der Chef-Entwickler Sean Murray schon vor Monaten in Interviews prophezeit hatte: Auch ein Spiel wie No Man's Sky kann nicht endlos begeistern, irgendwann ist die Magie des "Oohh!" und "Aaah!" verflogen. Und zurück bleibt dann die Ratlosigkeit. Was soll ich hier eigentlich noch machen?

Diese Verwirrung teile ich offenbar mit vielen Spielern, die ihrerseits mit den endlosen Weiten des Weltraums überfordert zu sein scheinen. Und das ist auch verständlich: Jede noch so große Spielwelt, die wir in den letzten Jahrzehnten bereist haben, versorgte uns großzügig mit Nebenquests und optionaler "Beschäftigungstherapie", die uns mal mehr, mal weniger gut unterhielten. Das durchschnittliche Open-World-Spiel ist riesig und voller Aufgaben, die wir abarbeiten können. Dieser Regel stellt sich No Man's Sky nun mit seiner erschlagenden Sprachlosigkeit entgegen und enttäuscht im schlimmsten Fall damit seine Community, die sich etwas weniger luftleeren Raum gewünscht hat.

Wer hat Lust auf ein Rollenspiel?

Doch es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma der Ratlosigkeit: No Man's Sky ermuntert uns dazu, unsere eigenen Geschichten zu schreiben und wieder einmal ganz klassisch ein Rollenspiel zu spielen, wie es uns vor Jahrzehnten die alten Pen&Paper-Spiele gelehrt haben: Wir kreieren uns einen eigenen Charakter, denken uns eine Geschichte aus – und setzen diese dann möglichst streng im Universum um.

Der Autor
@R3nDom
Dom hatte von Anfang an viel Spaß mit den endlosen Weiten von No Man's Sky. Als die Faszination dann doch aber irgendwann verblasste, kam er auf die Idee, sich eigene Grenzen zu setzen und aus No Man's Sky ein klassisches Rollenspiel zu machen. Diese Regeln, die er sich selbst gegeben hat, lassen ihn wieder mit ganz neuer Begeisterung durch die endlosen Weiten düsen.

So düse ich mittlerweile als Biologe mit Höhenangst durch den Weltraum. Das bedeutet, dass ich möglichst vermeide, mein Jetpack zu benutzen oder munter zwischen Planeten hin- und herzufliegen. Stattdessen verbringe ich viel Zeit an einem Ort und versuche, möglichst gründlich das exotische Pflanzenleben zu analysieren, zu benennen und anschließend meine Daten hochzuladen. Mit dem Geld, das ich für meine Forschung erhalte, kaufe ich mir Karbon und all die anderen wichtigen Rohstoffe, um die Natur auf den Planeten zu schonen.

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Mit Einschränkungen zum Spielspaß

Durch diese Regeln, die ich mir selbst setze, gewinnt die grenzenlose Leere des Weltraums wieder an Reiz und setzt mir Herausforderungen vor die behelmte Nase. Klingt für euch nach einer langweiligen Rahmengeschichte? Das macht nichts, denn ihr könnt euch natürlich eine ganz eigene Geschichte für euer Abenteuer ausdenken! Um euch den Einstieg in dieses Gedankenexperiment zu erleichtern, habe ich mir noch zwei weitere Hintergrundgeschichten überlegt, die ihr nach euren Wünschen erweitern und verändern könnt.

Der räuberische Eigenbrötler

Mit Aliens zu tauschen, fremdartige Kulturen zu erforschen oder Tiere zu streicheln war, nie so wirklich euer Ding. Stattdessen habt ihr eine ausgeprägt räuberische Natur: Während ihr auf Planeten rücksichtlos die kostbarsten Rohstoffe wie Nickel und Gold in euer Inventar verschickt, greift ihr im Weltraum ausnahmslos jedes Raumschiff an, das euch begegnet. Die Aussicht auf leicht verdienten Reichtum lässt euch auch nicht vor vermeintlich überlegenen Gegnern zurückschrecken. Ihr wollt der reichste Raumpirat werden, den die Galaxie je gesehen hat und dafür ist euch kein Inventarplatz und kein noch so aussichtsloser Überfall zu schade.

Ihr müsst jede Luxusressource, die ihr auf einem Planeten seht, ausbeuten. Ist euer Inventar voll, müsst ihr bis auf Treibstoff alle Gegenstände aus dem Inventar entfernen, die nicht selten oder besonders kostbar sind. Trefft ihr im Weltraum auf ein oder mehrere Raumschiffe, müsst ihr es angreifen. Mit Aliens dürft ihr nur sprechen, um eure Waren zu verkaufen – klassischer Handel ist hingegen keine Option für euch.

Die hoffnungslos Koffeinsüchtige

Irgendwann wart ihr zur falschen Zeit am falschen Ort und habt "Ja!" gesagt, als euch ein Alien eine seltsame, tiefschwarze Flüssigkeit anbot. Das, was die Menschen "Kaffee" nannten, lässt euch nicht mehr schlafen, geschweige denn ruhig und entspannt Planeten erkunden. Habt ihr erst einmal euer Raumschiff verlassen, treibt euch der Koffein in eurem Blut zum ständigen Weiterlaufen und Erkunden an.

Ihr dürft euch bewegen, erkunden und handeln, wie ihr wollt – nur dürft ihr dabei niemals an einer Stelle stehenbleiben. Ihr müsst immer in Bewegung bleiben, ob ihr nun Ressourcen erntet, kämpft oder ein Gebäude untersucht. Einzige Ausnahme: Der Handelsbildschirm, der sich im Gespräch mit anderen Aliens öffnet.

No Man's Sky als klassisches Rollenspiel zu spielen, hat mir eine ganz neue Dimension des Spielspaßes eröffnet und ich hoffe, euch gelingt das auch. Welche Charaktere und Geschichten habt ihr für euren Spielstand entworfen? Teilt eure kreativen Ideen mit mir im Kommentarbereich und inspiriert euch gegenseitig! Wir sehen uns in den Sternen!


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