Red Dead Redemption - Vorschau für Xbox 360 und PlayStation 3

High Noon bei Rockstar Games. Endlich durften wir ausgiebig Hand an Red Dead Redemption legen und wollten gar nicht mehr aufhören.

von Henry Ernst,
28.04.2010 19:00 Uhr

Es gab eine Zeit, in der die Menschen mit vier Fernsehprogrammen auskommen mussten und alltägliche Dinge wie Fernbedienungen von einem Hauch Science-Fiction umweht waren. Ein Pillen-Junkie mit Leberschaden und seine vier geisterhaften Kumpels markierten damals die Spitze des videospieltechnisch machbaren, Worte wie »Killerspiele« oder »Nichtraucherschutz« existierten ebenso wenig wie Theorien über die »mediale Verrohung« der Jugend. Nichtsdestotrotz wurde auf Spielplätzen, Schulhöfen und sogar in Kindergärten aufs grausamste gemordet, gefoltert und massakriert. Unter dem harmlosen Decknamen »Cowboy & Indianer« schoss man damals mit imaginären Waffen auf nicht existierende Gegner, fackelte Siedlungen ab und radierte ganze Büffelherden aus. Alles was es dazu brauchte, war ein wenig Fantasie, die nötige Stimmgewalt, (um die Indianer aus Nachbars Garten notfalls mit einem gebrüllten »Peng-Peng« aus dem Sattel zu schreien) und natürlich einen Fernseher, der mit Sendungen wie »Western von Gestern«, »Rauchende Colts« oder »Bonanza« für stetigen Helden- und Szenarionachschub sorgte. Über 30 Jahre später sind die Erinnerungen daran zwar verblasst, aber nicht vergessen und kehren immer dann zurück, wenn sich ein Videospiel-Hersteller daran macht, den Wilden Westen wiederaufleben zu lassen.

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Red Dead Redemption: Besuch in London

Wenn man als Redakteur die Möglichkeit bekommt, einen ganzen Tag mit Red Dead Redemption zu verbringen, bedeutet das vor allem eines: früh aufstehen. Rockstar Games sind nämlich nicht nur für hervorragende Spiele, sondern auch für eine an Paranoia grenzende Panik vor Raubkopien bekannt. Infolgedessen kommt die zu spielende Red Dead Redemption-Version nicht zum Redakteur, sondern der Redakteur zur Version, genauer gesagt nach London, in den noblen Stadtteil Chelsea. In der Londoner Niederlassung der GTA-Erfinder geht es unaufgeregt zu. Nachdem man eine Fußmatte mit Rockstar-Logo und dem einladenden Aufdruck »You are NOT welcome!« überschritten hat, findet man sich im Empfangsbereich wieder, wo eine Hundedame namens Agatha britische Gemütlichkeit verbreitet und angenehm von der bedrohlichen Gestalt hinter dem Tresen ablenkt. Der grobschlächtige, in eine Bomberjacke gehüllte Mann wirkt nämlich, als sei er direkt aus einem Guy Ritchie- oder Paul McGuigan-Film entsprungen. Kleine, kalkulierte Geschmacklosigkeiten, wie eine Stehlampe, die zur Hälfte aus einem mit Goldfarbe überzogenen Maschinengewehr besteht, wirken wie aus Yusuf Amirs Wohnzimmer entnommen und pflegen das Rockstar Image. Der Wilde Westen wartet hinter einer Schiebetür in einem Spielzimmer auf uns, das diesen Namen wirklich verdient. Knautschige Ledersofas, ein hervorragendes Soundsystem und ein LCD-Fernseher weit jenseits der 50 Zoll bilden die perfekte Bühne für die kommenden Stunden in den unendlichen Weiten des virtuellen Westens.


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