Ryse: Son of Rome im Test - Geschnetzeltes mit Ryse

Satte Grafik, nichts dahinter: Das Crytek-Metzelspiel Ryse: Son of Rome entpuppt sich im Test als blutrünstiges Mittelmaß.

von Kai Schmidt,
21.11.2013 17:35 Uhr

Ryse: Son of Rome - Test-Video zum Xbox-One-Launchtitel Ryse: Son of Rome - Test-Video zum Xbox-One-Launchtitel

Dumme Barbaren: Eigentlich sollte man doch wissen, dass römische Helden es einem übel nehmen, wenn man ihre Angehörigen abschlachtet. So auch im Xbox One-Exklusivtitel Ryse: Son of Rome, in dem mal eben die gesamte Familie des Soldaten Marius Titus von britannischen Kämpfern ausgelöscht wird - und zwar am helllichten Tag, mitten in Rom! So viel Dreistigkeit bettelt ja geradezu um einen Rachefeldzug, und deshalb lässt sich Marius nach Britannien versetzen, wo der scharfe Stahl seines Gladius genug ungeschütztes Barbarenfleisch finden sollte, um den Hass des Besitzers zu befriedigen.

Doch die Sache ist nicht ganz so simpel, wie Marius sie sich vorgestellt hat. Schon kurz nach seiner Ankunft in Britannien kommen dem frisch gebackenen Zenturio die ersten Zweifel, ob Roms Feldzug gegen die Briten überhaupt gerechtfertigt ist. Außerdem deckt er ein obligatorisches Komplott auf, das ihn geradewegs zurück nach Rom führt.

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Ryse
Genre: Action
Release: 22.11.2013

Grafikorgie in Rom

Nein, ein Meisterwerk der Erzählkunst ist Cryteks römische Schlachtplatte nicht gerade: Die in fünf Sätzen erzählte Geschichte trieft vor Pathos, wechselt mit fadenscheinigen Gründen den Handlungsort und findet allenthalben locker auf einem Bierdeckel Platz. Zudem nimmt sich Crytek sehr viele kreative Freiheiten im Umgang mit historischen Persönlichkeiten.

Doch Ryse: Son of Rome will ja gar kein erzählerischer Höhenflug sein, sondern eine Metzelorgie: Optischer Bombast und viel Blutvergießen erfüllen dieses Ziel auf den ersten Blick auch problemlos. Ihr wollt einen frisch gebackenen PlayStation 4-Besitzer neidisch machen? Dann zeigt ihm doch einfach mal ein paar Schlachtszenen aus dem Römerabenteuer.

Die Mimik der Figuren, die glänzenden Rüstungen und Umgebungen wie saftig-grüne Wälder, düstere, nebelverhangene Moore oder die vom Kampf gezeichneten Straßen Roms zeigen mit ihren hochaufgelösten Texturen und atmosphärischen Ausleuchtungen schon ganz gut, zu welchen Leistungen der Grafikprozessor der Xbox One fähig ist und was wir für die Zukunft erwarten können. Doch wie sieht's eigentlich auf der spielerischen Seite aus?

Schwerfälliger Kämpfer

Ryse bleibt seiner simplen Linie auch beim Gameplay treu: Wir laufen rum und schlachten anstürmende Gegner ab. Das war's - wenn man von sporadischen, anspruchslosen Geschützeinlagen, bei denen ihr euch hinter eine Ballista klemmt, mal absieht. Dabei verlässt sich Marius vornehmlich auf die Grundausstattung eines römischen Legionärs: sein Kurzschwert und seinen Schild.

Wer eins der Batman-Spiele gespielt hat, wird sich recht schnell heimisch fühlen: Ryse ließ sich beim Kampfsystem eindeutig vom Dunklen Ritter inspirieren. Als stolzer Römer habt ihr zwei Angriffstasten (lange drücken für schwere Angriffe), einen Abwehr-Button und einen Knopf zum Ausweichen. Im Prinzip also wie bei Batmans Freeflow-System.

Das Kampfsystem von Ryse basiert auf dem bewährten Rezept: blocken und angreifen.Das Kampfsystem von Ryse basiert auf dem bewährten Rezept: blocken und angreifen.

Allerdings sind die Kämpfe in Ryse spürbar träger, was zum Teil der Natur der Sache geschuldet ist - schwer gepanzerte Römer können nun mal nicht so flink durch die Gegend hüpfen wie ein Superheld. Das Spiel versucht aber nicht einmal, diese Trägheit zu entschärfen: Es gibt weder neue Kombos zum Freischalten, noch zusätzliche Waffen, die etwas Schwung reinbringen könnten. Zu allem Überfluss setzt die Kamera das Geschehen immer wieder so unvorteilhaft in Szene, dass ihr keine Ahnung habt, ob hinter eurem Rücken nicht vielleicht gerade ein Barbar zum Axthieb ansetzt.

Um die Kämpfe erfolgreich zu überstehen, seid ihr aber auf eine gute Übersicht, präzise Hiebe und euer Geschick beim Kontern angewiesen: Drückt ihr genau im richtigen Moment auf Blocken, nutzt ihr die Wucht des gegnerischen Angriffs, um euer Gegenüber kurz straucheln zu lassen und selbst einige Treffer zu landen. Bei einigen Gegnern im späteren Spielverlauf habt ihr nicht den Hauch einer Chance, wenn ihr die geforderte Präzision beim Blocken und Austeilen nicht beherrscht.

Man könnte meinen, Crytek will dadurch eine Spur Realismus ins Geschehen bringen - schließlich gehören Blitze schleudernde Bögen oder Feuerpeitschen ins Reich der Sagen, beziehungsweise ins Arsenal eines gewissen Kriegsgottes.

Ryse: Son of Rome - Grafikpracht-Trailer zum Römer-Actionspiel Ryse: Son of Rome - Grafikpracht-Trailer zum Römer-Actionspiel


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