Special: Die Evolution des Hack & Slay - Von Kung Fu Master zu God of War und Dante's Inferno

Primitive 2D-Klopper und schwertschwingende Fantasy-Recken: Lest hier, was Kratos und Co ihren Vorgängern verdanken, und wie sich ein Genre im Laufe der Jahre weiterentwickelte.

von Kai Schmidt,
03.02.2010 17:05 Uhr

Electronic Arts' Höllen-Action Dante's Inferno spaltet die Zockergemeinde: Die Einen sehen darin einen schamlosen Klon von God of War, die Anderen sind weniger engstirnig und akzeptieren die Evolution des Hack & Slay-Genres, die bisher nunmal in Sonys Mythologie-Klopper gipfelte. Und warum sollte man schließlich Spielelemente und -mechaniken, die wunderbar funktionieren, nicht weiter verwenden? Bereits zu NES-Zeiten kopierten findige Entwickler die elementaren Funktionen eines Super Mario Bros., um erfolgreiche Jump & Runs auf die Beine zu stellen.

Super Mario Bros.Super Mario Bros.

Ohne die Hüpfereien eines Mario hätte es Klassiker wie Wonderboy oder Sonic vermutlich nie gegeben. Genau wie bei God of War und Dante's Inferno gab es sogar einen mehr als dreisten Mario-Klon, der nicht nur die Spielmechanik, sondern auch Optik und Level-Design schamlos bei Nintendos Klempner klaute: The great Giana Sisters (C-64) gilt trotz mehr als offensichtlicher Anleihen bei Super Mario Bros. als Klassiker des Genres.

Dante´s Inferno
Genre: Action
Release: 04.02.2010

Scrollende Prügeleien

Kung Fu MasterKung Fu Master

Auch God of War und Dante's Inferno besitzen Elemente des Jump & Runs, dürfen sich also ebenfalls bei Super Mario für ihre Existenz bedanken. Doch das ist natürlich noch längst nicht alles! Die Wurzeln des Genres liegen im Grunde bei einem japanischen Spielautomaten der Firma Data East: Kung Fu Master aus dem Jahr 1984. Als Kung-Fu-Kämpfer prügelte sich der Spieler in der Seitenansicht durch fünf scrollende Etagen eines Turms, jede bewacht von einem Bossgegner. Dadurch nahm das Spiel selbst Anleihen beim nie wirklich vollendeten Bruce Lee-Film »Mein letzter Kampf« (»Game of Death«).

RenegadeRenegade

Eine weiterentwickelte Variation dieses Spielprinzips kam vom Hersteller Technos: Mit Nekketsu Koha Kunio-kun, bei uns besser bekannt als Renegade, erfand man im Jahr 1986 sozusagen das moderne, scrollende Beat 'em Up. Die fünf Levels des Spiels waren jeweils zwei Bildschirme breit. Dank der isometrischen Ansicht konnte sich der Spieler frei im Raum bewegen und die herumwuselnden Gegner gezielt attackieren. Am Boden liegende Widersacher konnte man sogar greifen und mit Nahkampfattacken bearbeiten.

Ein Konzept entwickelt sich weiter

Double DragonDouble Dragon

Mit Double Dragon griff Technos das Konzept bereits 1987 erneut auf, baute es aber unter anderem durch einem Zweispieler-Modus konsequent aus. Die Levels waren nun um einiges länger, und die Spieler konnten unterwegs herumliegende Waffen einsammeln, um die Gegner ordentlich zu vermöbeln. Außerdem wurde das System der Nahkampfangriffe verfeinert: Billy und Jimmy Lee konnten sich Gegner schnappen und zum Beispiel mit Kniestößen bearbeiten oder sie durch die Luft schleudern.

Streets of RageStreets of Rage

Die Nahkampfmanöver finden sich sowohl bei God of War als auch bei Dante's Inferno wieder - allerdings um einiges brutaler in Szene gesetzt. Den Double Dragon-Kämpfern wäre es zum Beispiel nie in den Sinn gekommen, Gegner in der Luft zu zerreißen oder mit der Sense zu zerteilen! Aus dem Double Dragon-Konzept erwuchsen außerdem Klassiker wie Final Fight (das ursprünglich eine Street Fighter-Fortsetzung werden sollte) oder Streets of Rage.


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