Sword Coast Legends im Test - Dungeons & Dragons Light

Wie kann das sein? Da liefert Sword Coast Legends im Test ein durchweg spannendes Abenteuer und bekommt dennoch eine enttäuschende Wertung. Das liegt zum einen an der lieblosen Umsetzung - und zum anderen an einem fehlenden Feature.

von Sascha Penzhorn, Tobias Veltin,
21.07.2016 17:00 Uhr

Sword Coast Legends - Trailer der PS4-Version Sword Coast Legends - Trailer der PS4-Version

Sword Coast Legends hat auf Xbox One und PS4 wie schon auf dem PC einen großen Haken: Es spielt sich wie Dragon Age an der Schwertküste. Es gibt freilich größere Probleme, die ein Rollenspiel haben kann. Aber wenn Dungeons & Dragons auf der Packung steht und mit dessen Regelwerk geworben wird, dann sollte das möglichst auch im Spiel stecken. Stattdessen funktioniert die Charakterentwicklung über Talentbäume; Zauber und Spezialattacken sind mit Abklingzeiten versehen. Das hat mit D&D nicht viel zu tun.

Zudem gibt es in der Konsolenfassung keine spielergenerierten Kampagnen mehr und die Konsolenanpassung ist mehr schlecht als recht. Aber Sword Coast Legends hat auch seine Stärken. Nur liegen die eben woanders, als die Entwickler versprochen haben.

Sword Coast Legends
Genre: Rollenspiel
Release: 19.07.2016

Wo ist hier das D&D?

Die Charakterauswahl im Editor ist überschaubar. Insgesamt sechs Rassen und sieben Klassen stehen zur Auswahl, anders als in der PC-Fassung kann man auf Xbox One und PS4 sofort in die Haut eines Drows oder Tieflings schlüpfen. Viele andere beliebte D&D-Rassen und Klassen gibt es nicht. Jede Klasse hat eine Handvoll kleine Talentbäume, aus denen man Fähigkeiten und Zaubersprüche wählt. Das kommt uns bekannt vor - aus Dragon Age.

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Auch Zauberer beziehen ihre Sprüche aus Talentbäumen, die aber nicht annähernd so umfangreich sind wie das Repertoire aus der Pen & Paper Vorlage. Dafür hat jede Klasse die Möglichkeit, über passive Talente auch eigentlich charakteruntypische Fähigkeiten wie schwere Rüstung, Zweihänder oder Schlossknacken freizuschalten. Selbst Kämpfer und Kleriker können so lernen, Fallen und Geheimtüren zu entdecken oder Schlösser zu öffnen. Bleibt die Frage, wozu es da noch Schurken gibt, zumal Taschendiebstahl im Spiel nicht existiert. Die Wahl einer Gesinnung und einer Schutzgottheit gibt es zwar, auf das Spiel selbst wirkt sich davon aber nichts aus.

Kein Kampagnenbaukasten

Schade: Auf Xbox One und PS4 fallen die User-generierten Kampagnen weg - eines der Kernelemente der PC-Fassung, in denen man auf den PC (wenn auch ziemlich eingeschränkt) eigene Abenteuer samt Quests und NPCs zusammenbasteln konnte.

Immerhin bleibt der Konsolenfassung aber der Dungeon-Crawl-Modus erhalten, indem der Spielleiter (Dungeon Master) aktiv einen Dungeon mit Gegnern und Fallen bestückt, während sich eine Spielergruppe durch die Monstermassen prügelt. Für mehr als ein paar Minuten schnelle Action zwischendurch taugt dieser Spielmodus allerdings nicht. Er bietet keine richtige Story, keine Dialoge und nichts als Kämpfe. Weil Sword Coast Legends aber nun mal weder den Spielfluss, noch den Sammeltrieb eines Diablo 3 liefert, hat eigentlich nur der Spielleiter ein wenig schadenfrohen Spaß, während die Helden sich schnell langweilen. Dieser Action-Rollenspiel-Schnellschuss geht nach hinten los, und wir flüchten in die Story-Kampagne.

Die Kampagne entschädigt

Wir sind Teil einer Gilde von Abenteurern, die an der Schwertküste Monster und Banditen vertrimmt, die Schwachen und Wehrlosen beschützt und so ihren Lebensunterhalt bestreitet. Klingt erst mal furchtbar generisch - wären da nicht diese ständigen Alpträume, in denen uns ein Dämon das Ende der Welt verkündet. Obendrein ist ein Orden fanatischer Ritter überzeugt davon, dass unsere gesamte Gilde unter dem Einfluss von Dämonen steht.

Und bevor wir fragen können, was dieser Unsinn soll, haben sie auch schon fast alle Mitglieder unserer Organisation niedergemetzelt und unser Hauptquartier geplündert. Wir suchen nach Überlebenden des Massakers, nach Antworten und natürlich nach denjenigen, die wir für all das verantwortlich machen können, um es ihnen rollenspielmäßig heimzuzahlen.

Gelungener Einstieg: Im Tutorial lernen wir die Grundlagen des Spiels.Gelungener Einstieg: Im Tutorial lernen wir die Grundlagen des Spiels.

Auf unseren Reisen finden wir Freunde und Verbündete, die ihre ganz eigenen Geschichten und Persönlichkeiten haben. Liebesbeziehungen gibt es keine, nicht alle Begleiter hauen uns vom Hocker, doch es gibt zwei echte Highlights in der Party, die uns rasch ans Herz wachsen - wir würden so gerne spoilern! Wenn wir unsere Weggefährten besser kennenlernen, bieten sie uns spezielle Nebenmissionen an. Überhaupt gibt es auch abseits der interessanten Hauptstory dank zahlreicher Sidequests richtig viel zu tun. Wir stürzen uns auf sämtliche Abenteuer, die wir finden können und sehen den Abspann nach rund 35 Stunden Spielzeit. Nett: Die Konsolenfassung enthält zudem den erst später auf dem PC erschienenen DLC »Rage of Demons«. Dieser enthält eine neue Kampagne, die uns an der Seite des legendären Drow-Kriegers Drizzt Do'Urden kämpfen lässt.


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