Terror in Paris - GamerGate-Kritiker mit Bild-Fälschung als Terrorist verunglimpft

Der kanadische Videospiel-Journalist Vereenda Jubbal wurde nach den Terror-Anschlägen von Paris wegen eines gefälschten Bildes von internationalen Medien als Terrorist gehandelt. Er vermutet, dass GamerGate-Aktivisten den Hoax in Umlauf gebracht hätten.

von Manuel Fritsch,
17.11.2015 16:10 Uhr

Links das Original, rechts die Fälschung: Veerender Jubbal ist Videospiell-Journalist und wurde Opfer von Online-Mobbing. Sein Photo wurde verfremdet und er galt auf einmal in den Medien als Terrorverdächtiger der Pariser Anschläge.Links das Original, rechts die Fälschung: Veerender Jubbal ist Videospiell-Journalist und wurde Opfer von Online-Mobbing. Sein Photo wurde verfremdet und er galt auf einmal in den Medien als Terrorverdächtiger der Pariser Anschläge.

Vereenda Jubbal ist ein freischaffender Videospiel-Journalist, feministischer GamerGate-Kritiker und lebt in Kanada. Sein kunstvoll gebundenen Turban ist ein Erkennungszeichen des vor allem in Teilen von Indien verbreiteten Sikhismus, der nichts mit dem Islam zu tun hat. In Paris war er nach eigenen Angaben ebenfalls noch nie - dennoch wurde er mit einem Foto nach den Anschlägen in Paris vom letzten Freitag weltweit in den Medien als einer der Hauptverdächtigen Terroristen gesucht.

Das Foto, welches in den Medien kursiert, zeigt zweifelsohne ihn, wie er vor einem Spiegel in einem Badezimmer steht und ein Selfie knipst. Jedoch wurden ihm ein Bombgürtel sowie ein Koran in die Hand reinmontiert (und ein Dildo am Badewannenrand). Das gefälschte Bild ging »viral«, wie es in unserer modernen Welt heutzutage heißt. Das Bild fand sich ungeprüft auf der Webseiten einer großen spanischen Tageszeitung (La Razón) und kurz darauf in einem italienischen TV-Sender (TG24), die Jubbal mit dem gefälschten Bild als Terroristen verunglimpften. Es wurde tausendfach in Social-Media-Kanälen geshared und verbreitet. Er war stellenweise in den Trending-Topics weltweit und sogar Verwandte aus Indien riefen ihn an, weil sie sein Bild in der Presse in Indien sahen.

Auch wenn es bisher keine Beweise dafür gibt, wer das Bild editiert und in Umlauf gebracht hat - Jubbal vermutet, dass Gamergate-Sympathisanten dafür verantwortlich sind. Er gilt als großer Kritiker der Bewegung und sieht in diesem Online-Mobbing-Fall den Versuch, sich an ihm für seine Kritik zu rächen. Es wäre nicht das erste Mal, dass er für seine Aussagen in Bezug auf GamerGate in Online-Kanälen massiv belästigt wird.

Jubbal erwägt derzeit, juristisch gegen die Medien, die sein Bild zeigten, vorzugehen. Er steht seit dem Vorfall nicht für Interviews oder Medienanfragen zur Verfügung. Sein offizielles Statement zur Situation findet man in diesem PDF.


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