The Last Tinker: City of Colors im Test - Primaten, Farbgeister und die Bleiche

Der Sprung vom PC auf die PS4 ist geschafft. Doch im Test der Playstation-4-Version von The Last Tinker stört die instabile Framerate das ansonsten so fröhliche Jump&Run-Vergnügen.

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In Farbstadt geht es zu wie im Bundestag: Die Grünen mögen die Roten nicht. Und die Blauen verstecken sich hinter dicken Mauern. Das einstmals so harmonische Miteinander ist Angst, Egoismus und Gleichgültigkeit gewichen. In ihrer Streitsamkeit sind sich die Bewohner von Farbstadt aber in einer Sache vollkommen einig: Den Affenmann Koru will niemand so recht zum Freund haben. Mit seinen schrägen Klamotten und der großen Klappe sticht der Schal tragende Primat aus der Masse heraus.

Doch natürlich ist es genau dieser liebenswerte Außenseitertyp, der am Ende als auserwählter Held die Bürger wieder vereint. Zunächst aber stürzt er Farbstadt in die größte Krise seit dessen Existenz. Koru beschwört nämlich aus Versehen die Bleiche hervor - einen Geist der negativen Emotionen. Farbstadt wird zu Grau-City. Wo einst saftige Rot-, Grün- und Blautöne die fantasievolle Pappmaché-Welt zierten, wabert nun die schleimige Bleiche durch die Gassen und tilgt jegliche Fröhlichkeit aus der Welt. Man merkt gleich: Das Action-Adventure The Last Tinker: City of Colors greift ganz ähnlich wie das Geschicklichkeitsspiel De Blob zur Farbmetapher, um eine Lanze für mehr Toleranz und ein weniger gleichgültiges Miteinander zu brechen.

Hinweis zur PS4-Version
Die PS4-Version ist inhaltsgleich mit der PC-Fassung und sieht identisch aus. Die Steuerung ist sauber für das Gamepad umgesetzt, wie schon in der PC-Version. Allerdings kommt es auf der Playstation 4 regelmäßig zur spürbaren Frameraten-Einbrüchen, sobald die Kamera schwenkt.

Kleber, Farbe, Action!

The Last Tinker: City of Colorspräsentiert seine Feel-Good-Botschaft auf sehr sympathische Art und Weise: Die Spielwelt wirkt herrlich kindlich, als hätte sie die Grafikabteilung selbst mit Tuschekasten, Pappkartons und Kleber zusammengesetzt. Da scheint es nur passend, dass es keine Dialoge gibt, sondern den Figuren statt Worten nur Pieps-Geräusche entfahren. Stattdessen klappen dicke Papp-Sprechblasen aus, wenn Koru mit ihnen quatscht.

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Um Farbstadt zu retten, muss der Affenjunge die Kräfte von drei Farbgeistern beschwören. Diese tummeln sich in Tempeln der jeweiligen Bezirke, deren Zugänge wiederum durch die Bleiche versperrt oder zerstört wurden. The Last Tinker: City of Colors hat seine spielerischen Ursprünge bei Titeln wie Banjo Kazooie oder auch Assassin's Creed. Direkte Sprünge sind nicht möglich. Hindernisse überwindet Koru im Freerunning-Modus und hüpft behände - aber leider auch halbautomatisch - über schwimmende Kisten oder rutscht wie Cole aus der PS3-Reihe inFamous auf Expressschienen entlang. Wissen wir einmal nicht mehr weiter, genügt ein Tastendruck und Korus Pinata-Kumpel Tap zeigt uns mit Konfettifetzen den Weg.

Abenteuer auf Schienen

Bei solchen Aktionen verliert The Last Tinker: City of Colors ein wenig von seiner anfänglichen Faszination. Denn was als vor Liebe zum Detail strotzendes Action-Adventure beginnt, fühlt sich immer wieder wie mit der Schablone ausgestanzt an. Die Geschicklichkeitspassagen wirken auf Dauer ziemlich brav und auf Linie gebracht. Springen wir etwa mit Koru durch rotierende Zahnräder, gibt es immer einen exakt richtigen Moment, in dem wir problemlos durch eine ganze Reihe von Lücken hüpfen können. Das fördert zwar den Spielfluss, beraubt uns aber auch der Herausforderung und damit der Erfolgserlebnisse.

Ähnlich wie Tony Hawk auf Geländern und Rails surft auch Koru geschwind über die Expressschienen. Einige Strecken sind aber mit Hindernissen gespickt. Ähnlich wie Tony Hawk auf Geländern und Rails surft auch Koru geschwind über die Expressschienen. Einige Strecken sind aber mit Hindernissen gespickt.

Glücklicherweise fängt das Spiel diese Schwäche mit einigen hübschen Ideen wieder auf. So bewegen sich etwa in einer unterirdischen Grotte der Wasserstand und die darauf schwimmenden Schildkröten zum Takt der leisen Jazzmusik. Da macht die kleine Anspielung auf Frogger gleich nochmal so viel Spaß.

Die stillen Höhepunkte des Spiels sind die immer wieder eingestreuten Traum- und Erinnerungspassagen. Hier laufen wir durch sich dynamisch verformende Fantasiewelten, die sich erst vor unseren Augen manifestieren. In diesen Momenten greift The Last Tinker: City of Colors das Motiv einer gebastelten Stadt klasse auf. Denn nicht selten beginnen diese Abschnitte auf einer komplett weißen Leinwand, ehe Objekte und Charaktere auf den Bildschirm fliegen.

Geister mit Komplexen

Fahrt nimmt The Last Tinker besonders dank der drei Farbgeister auf. Denn die verleihen Koru neue Kampf-Fähigkeiten und sind obendrein witzige Gesellen. Das rote Gespenst ist ein übler Choleriker, während das grüne zunächst ein Angsthase ist und später zum nervigen Adrenalin-Junkie mutiert. Interessanter sind allerdings ihre Auswirkungen auf das Kampfsystem.

Die Prügeleien mit den Bleiche-Monstern sind in der Regel leicht zu kontrollieren, aber aufgrund der beschränkten Gegner-KI auch nicht sonderlich herausfordernd. Gut getimte Tastendrucke mit gelegentlichem Ausweichen bei größeren Gegnern reicht meist vollkommen aus. Das eher minimalistische Power-Up-System, bei dem wir für gesammelte Kristalle kleine Upgrades wie neue Moves einkaufen, hat wenig Einfluss auf das Spiel

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