The Surge - 3 Gründe, warum ihr das Action-Rollenspiel im Blick behalten solltet

Ein bärtiger Typ schnetzelt sich durch ein Endzeitsetting, während er gegen Roboter und Mutanten kämpft. Klingt wie alles schon einmal gesehen, doch The Surge verpasst dieser ausgelutschten Formel einige Kniffe, die Dom begeistert haben.

von Dom Schott,
27.08.2016 09:00 Uhr

The Surge - Gameplay-Trailer von der E3 The Surge - Gameplay-Trailer von der E3

Auf der Gamescom 2016 erhielt ich die Gelegenheit, eine etwa halbstündige Gameplay-Präsentation von The Surge zu sehen, die das Action-Rollenspiel aus Frankfurt am Main in Aktion zeigte. Ehrlich gesagt versprach ich mir zunächst nicht sonderlich viel von dem 08/15-Protagonisten und der schon tausendfach gehörten "Die Welt liegt in Trümmern!"-Geschichte. Doch glücklicherweise scheint The Surge keinerlei Energie zu verschwenden, mich hier mit halbgaren Versuchen eines Besseren zu lehren und schmeißt mir stattdessen ein sehr durchdachtes, innovatives Kampfsystem und süchtigmachende Rollenspielfeatures entgegen.

Für euch habe ich diesen Informationsoverkill in drei Argumenten zusammengefasst, die euch klarmachen sollen, warum ihr The Surge im Auge behalten solltet.

The Surge
Genre: Rollenspiel
Release: 16.05.2017

Aufleven, Upgraden Absäbeln: Rollenspiel mit Twist

"Action-Rollenspiel" scheint als Beschreibung für The Surge wohl am besten zu passen, wobei hier die Betonung eindeutig mehr auf der Action, als auf dem erzählerischen Ausfüllen eines echten Charakters mit Profil liegt - und glücklicherweise weiß das offenbar das Entwicklerteam selbst sehr genau. Zwar höre ich immer wieder zurückhaltend geäußerte Schlagworte wie "Gesellschaftskritik", "Elysium" und "Zukunftsvision", aber wirklich viel von diesen großen Themen hat den Sprung vom Konzeptblatt ins fertige Spiel nicht geschafft. Das bedeutet folglich, dass wir uns im Laufe der etwa 12- bis 20-stündigen Kampagne nicht mir halbherzigen "Aber wir können auch politisch!"-Versuchen herumschlagen müssen. Auch mal schön!

Statt also auf eine tiefgreifende oder intelligente Story voll interessanter Charaktere zu hoffen, werdet ihr weitaus mehr Spaß mit The Surge haben, wenn ihr Lust auf ein gut durchdachtes und recht innovatives Kampfsystem habt. Denn hier hat das Spiel von Deck 13 überraschend viel vorzuweisen.

Unser Held ist nicht sonderlich charismatisch, aber das muss er glücklicherweise auch nicht sein. : The SurgeUnser Held ist nicht sonderlich charismatisch, aber das muss er glücklicherweise auch nicht sein.
The Surge

Nahezu jeden Gegner, dem ihr im Spiel gegenübersteht, könnt ihr um seine Ausrüstung erleichtern: Wenn euch etwa der besonders gut gepanzerte Helm eures Gegenübers gefällt, müsst ihr eure Attacke auf seinen Kopf konzentrieren. Sobald ihr so ausreichend Energie im Kampf gesammelt und den feindlichen Lebensbalken gesenkt habt, könnt ihr zu einer Exekution ansetzen. Nach einer ziemlich brutalen Kamerafahrt samt (abschaltbarer) Zeitlupe trennt ihr dann das Körperteil ab, an dem ihr am meisten Schaden angerichtet habt und erhaltet den jeweiligen Ausrüstungsgegenstand. Kehrt ihr am Ende eurer aktuellen Mission schließlich zu eurer Basis zurück, könnt ihr den neugewonnenen Loot in einem schön übersichtlichen Menü voller Zahlen und Werte anlegen oder austauschen.

Dieses Feature, das bereits in der jetzigen Version des Spiels sehr gut und flüssig funktioniert, wird von einem Waffen-Inventar gewürzt, das sich sehen lassen kann: In fünf verschiedenen Kategorien gibt es je fünf verschiedene Waffen mit komplett eigenen Animationen, Kombinationen und Exekutionen. Diese Vielfalt wird von einigen Schusswaffen noch weiter ergänzt, die im Kampf allerdings eher nette Dreingabe sind. Der Schwerpunkt von The Surge liegt ganz klar auf dem Nahkampf. Wenn wir übrigens unseren Lebensbalken komplett leeren lassen, respawnen mit uns alle Gegner wieder im jeweiligen Level - bis auf die Bosse. Und das ist sehr gut so, denn die Bosskämpfe wirken bereits jetzt unheimlich knackig und ziehen sich teils minutenlang.

Unerwartet komplex: Zahlenschubserei auf der Couch

Nachdem The Surge trotz des faden Hauptcharakters mit vielversprechendem Loot- und Kampfsystem bereits einmal überraschen konnte, schließt sich direkt die nächste gute Nachricht an, wenngleich auch für eine eher schmalere Zielgruppe: So steckt das Action-Rollenspiel von Deck 13 voller Zahlen, Angriffs- und Verteidigungswerte, die mit den vielen Ausrüstungsgegenständen verbunden sind. Wer will, kann sich also lange, lange Zeit im Inventar und Upgrade-Menü aufhalten und durch ständiges Vergleichen seine Idealausrüstung entdecken. Und das Beste: Wer darauf keine Lust hat, leidet trotzdem unter keinem großen Nachteil. Einfach auswählen, was grün markiert ist und ab geht's!

Inmitten dieser Ruinen warten Upgrades und Loot nur darauf, von euch entdeckt zu werden.Inmitten dieser Ruinen warten Upgrades und Loot nur darauf, von euch entdeckt zu werden.

Diese Art eines zahlenlastigen Rollenspiels ist auf der Konsole leider selten geworden. Klar, Diablo 3, Dragon Age oder auch The Witcher wirbeln mir Rüstungs- und Waffenwerte entgegen, aber das ist für meinen Spielgeschmack fast schon eine Spur zu oberflächlich. Ich will die Qual der Wahl haben, während ich durch mein Inventar blättere und möglichst effektive Ausrüstungskombinationen zusammenbastel. Genau diesem Spielgeschmack scheint The Surge ein Zuhause bieten zu wollen - und das sind in der Tat vier Wände, in die ich nur allzu gerne einziehe.

Kein unnötiger Ballast für Spiel & Spieler

Normalerweise habe ich eine Schwäche für Spiele, die mechanisch vielleicht nicht allzu abwechslungsreich sind, dafür aber eine tolle Geschichte inklusive interessanter Charaktere präsentieren können. Doch für einige Titel entpuppt sich die Notwendigkeit einer zumindest rudimentären Rahmenhandlung immer wieder als Ballast, der schließlich das Gesamtbild ruiniert. The Surge ist ein typischer Gefahrenpatient für dieses Phänomen: Es ist offensichtlich, dass die Entwickler ihre Idee von abtrennbaren Rüstungsteilen in ein Spiel packen wollten und die narrative Botschaft erst einmal hinten anstand. Daher freue ich mich umso mehr, dass The Surge gar nicht erst versucht, mehr zu sein, als es eigentlich kann.

Dieses Wissen darum, wo die eigenen Stärken liegen, zieht sich schon jetzt deutlich spürbar durch das Spiel und tut dem Action-Rollenspiel wirklich gut. So stellten die Entwickler an anderer Stelle ihre ganz eigene Interpretation von Zwischensequenzen vor: Nach wie vor triggern wir an bestimmten Punkten ein bestimmtes Ereignis, doch es bleibt uns überlassen, ob wir dabei zusehen wollen oder nicht. Zwischensequenzen, die etwa die Geschichte vorantreiben, sind Angebote, keine Verpflichtung und so kann unser rauhbeiniger Bartheld auch einfach weiter Ausrüstung looten, statt auch nur zu versuchen, eine Geschichte zu erzählen. Dieses Feature ist im Grunde nichts neues, passt aber ausgerechnet zu The Surge sehr gut.

Ein Hauch von Restzweifel

Diese drei Argumente haben meine anfängliche Skepsis zumindest für's Erste begraben, doch ein Hauch Restzweifel bleibt. Vor allem das Leveldesign wirkte auf mich während der rund 30-minütigen Gameplay-Präsentation wenig abwechslungsreich: Wir schieben unseren mürrischen Barträger durch urbane Ruinen und von einer alten Fabrikanlage in die nächste, ohne so richtig aus den apokalyptischen Grautönen herauszukommen. Doch dieser Eindruck kann auch durchaus durch den Schlaglichtcharakter beschränkt sein, den ein solcher Gamescom-Termin unvermeidlicherweise eben auch hat. The Surge soll erst 2017 für PS4 sowie Xbox One erscheinen und hat damit noch genug Zeit, auch an abwechslungsreichen Level-Architekturen zu feilen, durch die mich gerne am roten Faden ziehen lasse.

Dom Schott:
@R3nDom
Hallo, hallo, The Surge! Mit diesem Spiel habe ich so gar nicht gerechnet, aber nach der Gamescom wanderte das Action-Rollenspiel von Deck 13 direkt auf meine Wunschliste für das nächste Jahr. Neben der interessanten Spielmechanik, interessante Ausrüstungsgegenstände von ihren Besitzern abzutrennen, gefiel mir besonders das Wissen um die eigenen Stärken. Zwar muss ich so wohl auf eine spannende Rahmengeschichte verzichten, muss aber auch keine Sorge vor anstrengenden Halbversuchen haben. Einzig der Zweifel bleibt, wie abwechslungsreich die Spielwelt und das Leveldesign letztendlich tatsächlich ausfallen wird, nachdem die halbstündige Gamescom-Präsentation hier eher mau daherkam.


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