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Auf geht's

Verschollene PS3-Spiele - Vaporware für PlayStation 3

Manchmal werden Spieleprojekte großspurig angekündigt, verschwinden dann aber in der Versenkung und kommen niemals auf den Markt – so wie diese zehn gebrochenen Softwareversprechen für die PlayStation 3.

von Tobias Veltin,
26.12.2014 14:00 Uhr

Seit ihrem Erscheinen im November 2006 (März 2007 in Europa) hat Sonys PlayStation 3 Hunderte von Spielen hervorgebracht: grandiose wie The Last of Us, knüppelharte wie Dark Souls, erbärmliche wie Rambo: The Video Game. Und dann gibt es da aber noch die PS3-Titel, deren Entwicklung noch vor dem Release gestoppt wurde. Die Gründe für einen solchen »Programmus interruptus« sind vielfältig: Mal sorgen finanzielle Engpässe für eine Pleite des Entwicklerstudios, mal ist der jeweilige Publisher nicht mit der Qualität des Produkts einverstanden - und ganz selten spielen beim Canceln von Unterhaltungssoftware sogar weltpolitische Geschehnisse eine Rolle.

Etwa nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001, als Sega die eigentlich so zivile Dreamcast-Fliegerei Propeller Arena kurz vor Produktionsende einstampfte. Die folgenden unvollendeten zehn Spiele, die teilweise exklusiv auf der PlayStation 3 erscheinen sollten, ereilte ein ähnlich trauriges Schicksal.

Brothers in Arms: Furious 4

Brothers in Arms: Furious 4 : Ein Klischee-Irokese im Kampf gegen Hitlers Nazi-Armee? Über Geschmack lässt sich in diesem Fall kaum streiten. Brothers in Arms: Furious 4
Ein Klischee-Irokese im Kampf gegen Hitlers Nazi-Armee? Über Geschmack lässt sich in diesem Fall kaum streiten.

Taktisch, intensiv und stets um historische Korrektheit bemüht: So kennt man Ubisofts Brothers-in-Arms-Serie - bis zur E3-Messe des Jahres 2011. Denn dort zeigt Entwickler Gearbox, offensichtlich inspiriert von Quentin Tarantinos Nazifarce Inglourious Basterds, einen absurd überspitzten Serienableger. In Brothers in Arms: Furious 4 ballern und kalauern sich vier Klischee-Söldner (Redneck, Ire, Indianer, Holzfäller) durch den virtuellen Zweiten Weltkrieg - auf geschmacklos brutale Weise.


Das Medien- und Fanecho fällt entsprechend negativ aus, Gearbox rudert im Folgenden zurück; zuerst wird Furious 4 zur eigenständigen Marke erklärt, dann springt Ubisoft als Publisher ab. Das letzte Lebenszeichen des Spiels (ein magerer Screenshot) stammt von 2011. Sollte Furious 4 also doch noch irgendwann erscheinen, dann wird es nicht mehr viel mit der ursprünglich gezeigten Dampfhammerparodie gemein haben. Gut so.

Elveon

Nicht nur das Aussehen der Charaktere erinnert stark an die erfolgreichen Herr-der-Ringe-Filme. Nicht nur das Aussehen der Charaktere erinnert stark an die erfolgreichen Herr-der-Ringe-Filme.

Der deutsche Entwickler und Publisher 10tacle macht in den fünf Jahren seines Bestehens vor allem durch windige Börsentricks auf sich aufmerksam: Man erschafft maßlos überbewertete Softwareluftschlösser und treibt so haufenweise Investorengeld ein. Eines dieser künstlich aufgeblasenen Projekte ist Elveon: Um das Fantasy-Epos zu stemmen, wird ein neues Studio in der Slowakei eröffnet, die Unreal Engine (damals Version 3.0) sorgt für spektakuläre Pressedemos. Irgendwann fällt das 10tacle-Kartenhaus dann aber in sich zusammen.

2008 meldet das Unternehmen Insolvenz an, die Niederlassung in Bratislava verschwindet von der Bildfläche - und mit ihr auch Elveon. Letztmals wird der Titel wenig später als »Top Secret Fantasy-Project« auf der Webseite der Climax Group gesichtet. Geheimnis hin oder her: Nach sechs Jahren PR-Funkstille steht fest, dass die Elbenmär nie erschienen wird. Rest in Peace, Elveon.

This is Vegas

This is Vegas : Mit coolen Tanzeinlagen sollte man digitale Damen bezirzen und seinen Ruf steigern – die scheinbar einzige Spielidee der Entwickler. This is Vegas
Mit coolen Tanzeinlagen sollte man digitale Damen bezirzen und seinen Ruf steigern – die scheinbar einzige Spielidee der Entwickler.

Nicht nur für damalige Verhältnisse sagenhafte 50 Millionen US-Dollar fließen in die Entwicklung von This is Vegas. Das ursprünglich vom inzwischen geschlossenen Publisher Midway ins Leben gerufene Megaprojekt soll eine Art GTA mit Glitzer und Glamour werden: Casinos, Nachtclubs, illegale Straßenrennen - ein virtuelles Denkmal für die Hauptstadt des Glücksspiels. Doch Entwickler Surreal hat selbst zu hoch gepokert. Bis heute mutmaßen Brancheninsider, mehr als den wiederholt vorgeführten Prototypen eines (noch dazu peinlichen) Tanz-Minispiels habe es nie gegeben.

Nachdem Warner 2009 die Markenrechte an This is Vegas aus der Insolvenzmasse von Midway erwirbt, wird es endgültig still um das Millionengrab - Surreal schließt seine Pforten. Auf der Homepage thisisvegasgame.com steht übrigens bis heute der Hinweis »Coming soon ...« - selten so gelacht!

Six Days in Fallujah

Six Days in Fallujah : Eintönige Kulissen und uniforme Gegner wirken schon 2009 altbacken – dem Titel dürften nur wenige Spieler eine Träne nachweinen. Six Days in Fallujah
Eintönige Kulissen und uniforme Gegner wirken schon 2009 altbacken – dem Titel dürften nur wenige Spieler eine Träne nachweinen.

Wenn Spezialeinheiten in einem Call of Duty heldenhaft patriotisch Terroristen erledigen, dann erkennt die Öffentlichkeit daran zumeist wenig Ehrenrühriges. Wenn jedoch aktuelle, kontrovers diskutierte Konflikte als Aufhänger für einen Egoshooter instrumentalisiert werden, dann sind die Befindlichkeiten deutlich komplexer. Six Days in Fallujah wird genau das zum Verhängnis. Das Spiel thematisiert eine barbarische Schlacht im Irak-Krieg, die sogenannte »Zweite Schlacht von Falludscha« vom November 2004. Schon kurz nach der Ankündigung des Titels entbrennt eine Kontroverse um die Sinnhaftigkeit eines solchen Produkts.

Zahlreiche Kriegsveteranen und Hinterbliebene kritisieren den Publisher Konami öffentlich für seine Geschmacklosigkeit. Und so steht Entwickler Atomic Games wenig später ohne Geldgeber da, Gespräche mit anderen Herstellern (unter anderem Sony) scheitern. Angeblich befindet sich der Titel bis heute in der Entwicklung. Angeblich.

Rainbow Six: Patriots

Rainbow Six: Patriots : Die selbsternannten Patrioten zwingen eine Geisel dazu, einen Terroranschlag zu verüben – eine Szene, die nicht wenigen Spielern zu weit geht. Rainbow Six: Patriots
Die selbsternannten Patrioten zwingen eine Geisel dazu, einen Terroranschlag zu verüben – eine Szene, die nicht wenigen Spielern zu weit geht.

Ewiggestrige US-Amerikaner, die im Namen des Patriotismus Terroranschläge gegen ihre eigenen Landsleute verüben? Ganz schön starker Tobak, den Ubisoft mit Rainbow Six: Patriots Ende 2011 ankündigt. Der erste Trailer zum Taktikshooter zeigt gar, wie ein unbescholtener Familienvater zum Selbstmordattentäter wird, um seine Liebsten zu retten. Im Folgenden wird es still um das brisante Projekt. Im Rahmen der E3-Messe 2014 bestätigt Ubisoft schließlich, dass Patriots eingestampft und durch Rainbow Six: Siege ersetzt wird.

Oliver Couture, einer der Entwickler des Spiels, nennt die Next-Gen-Konsolen als Hauptgrund für diese Entscheidung: »Die Zerstörungseffekte funktionierten mit der alten Hardwaregeneration nicht. Also war es besser, wieder komplett von vorne anzufangen.« Das klingt zwar nur nach der halben Wahrheit, fest steht jedoch: Rainbow Six: Patriots ist vergangene Softwaregeschichte.

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