Fazit: Watch Dogs im Test - Besser als die NSA erlaubt?

Fazit der Redaktion

Thomas Wittulski: Meine Befürchtung war, dass Watch Dogs etwas eintönig werden könnte, dass mir die Hacks auf Knopfdruck irgendwann zum Hals heraushängen könnten. Das ist nicht der Fall: Auch wenn Aiden die Hacking-Fähigkeiten schon ganz am Anfang im Spiel erlernt, wird Watch Dogs nicht langweilig. Das liegt einerseits an der guten Integrationen der Hacks in jeder Spiellage und andererseits an der Abwechslung.

Mal bin ich in der Schießbude unterwegs, mal schleiche ich mich in bester Metal Gear Solid-Manier durch ein Gebäude voller Wachen und zum Schluss flüchte ich vor der CTOS-Meute in einem geklauten Cabriolet, hacke unterwegs Ampeln, Poller und Brücken und verstecke mich dann in einer Seitengasse im Auto.

In der Welt gibt’s außerdem noch eine ganze Menge um die Kampagne herum zu tun, sodass die Spielzeit von etwa 30 Stunden noch mal um einige weitere Stunden erweitert werden kann.

Andre Peschke: Ich habe fast drei Tage ununterbrochen Watch Dogs gespielt, und am Ende wollte ich immer noch nicht aufhören. Das beste Anzeichen, dass ich es mit einem hervorragenden Spiel zu tun habe. Insbesondere die mit den verschiedenen Hacker-Fähigkeiten verwobene Spielmechanik ist ausgezeichnet umgesetzt und erzeugt in diesem Kernbereich des Spiels dynamische Kämpfe, die einem GTA deutlich überlegen sind. Die auf einen Wechsel zwischen Schleichen und Ballern ausgelegten Shooter-Passagen sind dadurch abwechslungsreicher und bieten echten Wiederspielwert.

Durch den Ansatz, die Spielwelt weniger als Kulisse und mehr als Bestandteil der Spielmechanik zu begreifen, verleiht Ubisoft seinem Neuling außerdem eine eigene spielerische Note, anstatt bloß gelungen nachzuahmen. Sogar die Story (auch wenn ich sie viel gescholten habe) ist durchaus unterhaltsam und zeigt vor allem, dass die Autoren in der Lage sind, interessante Figuren zu zeichnen. Am mangelnden Können sind sie also offenbar nicht gescheitert, sondern am Mut, wirklich so anders, unbequem und bemerkenswert zu sein, wie die eigene Geschichte tut.

Vielleicht hatte das Team auch einfach noch kein wirklich klares Bild davon, was Watch Dogs denn nun sein will. »Härter und realistischer als GTA« stand vermutlich in irgendeinem Mission-Statement, ohne zu erwähnen, dass das eine Abgrenzung ist – aber keine Identität. In Sachen Fuhrpark, dem vielseitigen Missionsdesign und vor allem in der Gestaltung der Spielwelt und ihrer Geschichten liegt Rockstar zwar weiterhin vorne. Aber Ubisofts erste direkte Kampfansage an GTA ist bravourös gelungen, zeigt großes Potenzial.

Heiko Klinge:Dass Watch Dogs eines der wichtigsten Spiele der ersten Jahreshälfte wird, hatte ich erwartet. Die Gründe dafür sind aber eine faustdicke Überraschung. Watch Dogs enttäuscht nämlich dort, wo ich das Spiel eigentlich am stärksten eingeschätzt hatte: bei seiner Geschichte, dem seltsam ambivalenten Helden und der Überwachungs- Thematik, aus der man so viel mehr hätte rausholen müssen.

Aber Watch Dogs brilliert eben auch. Und zwar wiederum dort, wo ich es am wenigsten erwartet hätte, nämlich der Spielmechanik. Befürchtet hatte ich ein repetitives Abstottern der immer gleichen Aufgaben, ähnlich dem ersten Assassin’s Creed. Bekommen habe ich eine enorm abwechslungsreiche Open World Spielwiese, die mir genau die spielerische Freiheit liefern, die ich in GTA 5 noch vermisst hatte. Vielleicht also kein Überraschungshit, aber definitiv ein überraschender Hit!


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