World of Tanks Blitz im Test - Mobilmachung!

Wargaming bringt mit World of Tanks Blitz sein erfolgreiches PC-Panzerspiel als Mobilversion für iOS heraus. Wird die Simulation wie versprochen »schneller, dynamischer, besser«, oder doch nur ein Arcade-Blindgänger? Das klären wir im Test.

von Jan Knoop,
05.07.2014 09:45 Uhr

Wer World of Tanks vom PC oder der Xbox 360 her kennt, wird bei World of Tanks Blitz mit Vertrautem begrüßt: Die Motoren brummen in Leerlauf vor sich hin, die Panzerung unseres Vehikels glänz matt im Tageslicht. Kaum haben wir unseren Panzer etwas zu forsch und sorglos um die ersten Hügel und Häuser manövriert, ertönt das ernüchternde Geräusch abgefeuerter Geschosse. Schnell zurück in die Deckung, bevor sie unseren Panzer in ein traurig vor sich hin kokelndes Wrack verwandeln.

Unsere erste Runde in Wargamings mobiler Neuinterpretation von World of Tanks spielt sich zwar vertraut, aber doch anders: Die Karten sind kleiner, die Runden kürzer - und auch sonst sind vor allem viele kleine Neuerungen der Grund dafür, dass World of Tanks Blitz seinem Namen alle Ehre macht. Wie aber schmecken die auf Häppchenform reduzierten Panzergefechte - und stoßen sie Veteranen vielleicht sogar übel auf?

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Hier könnte Ihre Artillerie stehen!

Für Neulinge in Wargamings Panzer-Paradies eine kurze Einführung: Ein nunmehr siebenköpfiges Multiplayer-Team aus historischen sowjetischen, deutschen oder amerikanischen Panzern rollt einem ebenso bunt zusammengewürfelten Blechhaufen entgegen. Als Gewinner geht aus dem Match hervor, wer auf den zufällig ausgewählten Karten die Gegner in einen recyclingfähigen Zustand befördert oder den Flaggenpunkt einnimmt, der zentral und meist ohne große Deckung auf der Karte platziert ist.

Die Panzer selbst unterteilen sich in vier Kategorien: Leichte, mittlere und schwere Tanks sowie Jagdpanzer. Bevor Neueinsteiger horrende Komplexität fürchten: Diese Klassen lassen sich leicht auf Panzerung, Schnelligkeit und Waffenschaden herunterbrechen. So sind leichte Modelle besonders agil, aber weder besonders trefferstark noch stark gepanzert, während auf schweres Gerät genau das Gegenteil zutrifft. Lediglich Jagdpanzer stechen aus der Liste hervor, haben sie doch die stärkste Feuerkraft, um gezielt feindliche Panzerungen zu knacken. Allerdings müssen sie mangels Turm zum Zielen das gesamte Vehikel drehen.

Capture the Flag: Hier stehen wir alleine und von Feinden umzingelt am Flaggenpunkt, während sich unser Team weit entfernt positioniert (Karte links oben).Capture the Flag: Hier stehen wir alleine und von Feinden umzingelt am Flaggenpunkt, während sich unser Team weit entfernt positioniert (Karte links oben).

World-of-Tanks-Veteranen dürfte in der Liste übrigens ein Eintrag fehlen: die Artillerie. Ohne die ist das Markieren von Gegnern für das Team durch Aufklärer nicht mehr so wichtig, der Fokus liegt bei World of Tanks Blitz klar in den Scharmützeln mit kleineren Teams. Auch sonst spielt sich World of Tanks Blitz deutlich dynamischer, mit allen Vor- und Nachteilen: Während Neulinge nicht so vorsichtig taktieren müssen wie noch im PC-Spiel, könnten sich Veteranen ein wenig unterfordert fühlen.

Ein Commander lag am Bildschirmrand

Bei Mobil-Umsetzungen immer die wichtigste Frage: Wie spielt sich World of Tanks Blitz auf dem Touchscreen? Die Antwort: Angenehm problemlos! Drehungen und Beschleunigungen des Panzers lassen sich mit dem eingeblendeten Touch-Steuerkreuz einfach umsetzen, zum Anpeilen von Zielen nutzen wir die rechte Bildschirmhälfte.

Da die Übersicht auf den im Vergleich zum PC doch recht kleinen Bildschirmen von Mobilgeräten etwas leidet, wenn sich kleine Miniaturpanzer in der Distanz bewegen, gibt es ein Zoom-Feature: Einmal angetippt schalten wir nicht nur in die Egoperspektive des Tankpiloten, sondern vergrößern die Ansicht automatisch, sodass der Gegner perfekt ins Visier genommen werden kann. Zudem dürfen wir auf Gegner aufschalten, was zu einer automatischen Verfolgung des Panzers führt - bis wir ihn zum Beispiel wegen einem Hindernis aus den Augen verloren haben.

Dennoch sind nicht alles polierte Panzerketten, was glänzt: Wer vor dem Schuss nachjustieren möchte, um etwa weniger geschützte Teile des Gegners zu treffen, während ein Panzer hinter einem Hindernis steht, zoomt manchmal ziellos hin und her. Das Spiel sich einfach nicht so recht entscheiden, worauf es den Fokus legen soll. Und gerade Jagdpanzerfahrer, die auf eine gute Positionierung ihres Vehikels angewiesen sind, werden die Navigation um Hindernisse herum doch als etwas mühselig empfinden.

Eine der größten Schwachstellen von Blitz sind die Komfortfunktionen, die unser Ziel in solch unübersichtlichen Situationen gerne mal verlieren oder den Zoom verstellen.Eine der größten Schwachstellen von Blitz sind die Komfortfunktionen, die unser Ziel in solch unübersichtlichen Situationen gerne mal verlieren oder den Zoom verstellen.

Sehr gut ist dagegen die Kommunikation mit den Mitspielern gelöst: Da für Chat-Nachrichten meist wenig Zeit bleibt, können wir über ein Kommandorad am Bildschirmrand schnell und intuitiv Kurzbefehle erteilen - oder um Hilfe schreien, während wir alleine am Flaggenpunkt eine Kolonne mies gelaunter Panzerfahrer auf uns zurollen sehen.


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