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Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion - GamePro zum aktuellen Anlass

Lest hier die gesammelten Artikel von GamePro und GameStar zur "Killerspiel"-Diskussion. Update: Videos mit unserer Expertenrunde

Von Markus Schwerdtel, Michael Trier |

Datum: 12.03.2009; 13:54 Uhr


Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion : » Video: »Sündenbock Computerspiele?« - Teil 1
» Video: »Sündenbock Computerspiele?« - Teil 2
» Video: »Sündenbock Computerspiele?« - Teil 3

Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion : Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion Es ist traurig. Eine solche Tat, wie sie gestern im baden-württembergischen Winnenden geschehen ist, verschlägt uns die Sprache. Treibt uns die Tränen in die Augen, macht uns hilflos.

Es ist eigentlich nicht unsere Aufgabe, über die Bluttat des 17-jährigen Tim K. zu berichten, bei der gestern 16 Menschen einschließlich des Täters ums Leben kamen. Denn schließlich sind wir ein Magazin, das sich mit Videospielen beschäftigt; ein Medium, das Menschen bei allen Facetten rund um ihr Hobby begleitet.

Und genau deshalb müssen wir uns nun doch wieder mit Mord und Totschlag auseinandersetzen, genauer gesagt mit der medialen Diskussion über die Ursachen des unfassbaren Gewaltaktes. Denn wieder werden die ewig gleichen Geschütze von den ewig gleichen Kanonieren in Stellung gebracht und mit den ewig gleichen Behauptungen geladen und in TV und Radio auf die besorgten Menschen im Lande abgeschossen. Ziele sind Eltern, die heute Morgen Angst hatten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Lehrer, die ihre Schüler nicht mehr verstehen. Und Jugendliche, die versuchen zu begreifen, was in Tim K. vorgegangen ist, der ja eigentlich so harmlos wirkte; als ruhig, unauffällig und bescheiden beschrieben wird. Sie alle warten auf eine schnelle Antwort, und zwar jetzt.

Nur kann die niemand geben, auch und gerade die mit der Situation überforderten Politiker nicht. Die fühlen sich genauso hilflos, stehen unter Druck, brauchen ein Ventil, müssen Stärke und Handlungsfähigkeit zeigen. Da bieten sich zum wiederholten Male PC- und Videospiele an. Zum einen, weil den Politikern und Rundfunk-Journalisten dieses Medium zum großen Teil fremd ist. Eine Art Grauzone, in die man beliebig viel hineininterpretieren kann, in die unbequeme Denkansätze verschoben werden, bis sie im Nebel zur Gänze unsichtbar werden. Übrig bleiben - von Kameras prima zu erfassen - Spieleschachteln. Und markige Forderungen, heute etwa vom Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und dem Vorsitzenden der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung Hans-Dieter Schwind, die ein totales Verbot von »Computer-Gewaltspielen« fordern. Dass wir bereits die weltweit schärfsten Jugendschutzgesetze haben, vergessen die Herren bei ihren Forderungen nach immer mehr Verboten.

Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion : Der TV-Sender N-TV berichtet über gefundene Killerspiele. Der TV-Sender N-TV berichtet über gefundene Killerspiele. Im Zimmer des jungen Amokläufers seien Computerspiele wie Counterstrike gefunden worden, teilte die Polizei mit. Man fragt sich, warum ausgerechnet diese Tatsache so berichtenswert ist, warum sie noch immer »Aha!«-Reaktionen nach sich zieht. Die Anwesenheit von Computerspielen in einem Teenager-Zimmer ist in etwa so überraschend, wie wenn man dort DVD-Filme, ein Handy oder einen Fußball gefunden hätte. Sie sind ein vollkommen normaler Bestandteil jugendlichen Lebens. Dass das einem Teil der Medien und der Öffentlichkeit immer noch als erstaunliches und potenziell skandalöses Faktum erscheint, sagt mehr über diese Bevölkerungsschichten aus als über die psychologische Verfassung der Jugend.

Computerspiele sind Normalität. Ein Spiel wie Counterstrike, das in Deutschland Hunderttausende von Menschen spielen, ist durch gesetzlich vorgeschriebene Prüfinstanzen gegangen und ab 16 Jahren freigegeben. Der Todesschütze Tim K. besaß es altersgerecht. Es kann und muss in die Erklärungsversuche des Amoklaufs einbezogen werden, aber nicht mehr und nicht weniger wie die Fragen nach Tim K.s sozialem Umfeld, seiner Vorgeschichte, seiner Faszination für Softair, seinem Zugang zu Waffen, der unendlichen Vielzahl von Gründen, die aus Menschen Mörder machen können.

Amoklauf in Winnenden: Die Diskussion : Counterstrike Counterstrike In unserem Special zur Thematik Videospiele und Gewalt informieren wir euch über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und geben Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen. Weiter werden wir euch auf GamePro.de und GameStar.de durch ständige Aktualisierungen stets auf dem neuesten Stand der Diskussion halten.

Wie empfindet ihr die Diskussion um den Amoklauf in Winnenden? Sagt hier in den Kommentaren oder in unserem Forenthread eure Meinung. Oder schreibt uns an post@gamepro.de. Natürlich sind auch Fragen und Anregungen willkommen.

Michael Trier, Chefredakteur GameStar
& Markus Schwerdtel, Chefredakteur GamePro

Weitere Artikel zum Thema:

» Amoklauf in Winnende: Die Fakten bei GameStar.de
» Amoklauf in Winnende: Presseschau bei GameStar.de

» Argumentationsleitfaden für die Killerspiel-Debatte bei GameStar.de
» Interview: "Angst zu sein wie Bastian B." bei GameStar.de

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benito34151
#1 | 12. Mrz 2009, 14:37
Ich kann es echt nicht mehr hören, immer sollen die sogenannten "killerspiele" schuld an solchen Sachen sein. In der Schweiz und in Östereich sind die Spiele immer uncut, im gegensatz zu Deutschland und trotzdem passierte es wieder in Deutschland. Bevor man jetzt noch mehr über die Spiele rumhackt sollte man sich darüber gedanken machen, das ein 17 jähriger sich einfach vom Vater Waffen besorgen kann. Ich meine es ist immernoch ein unterschied ob ich im game ein bisschen Schiesse, als im Keller unten mit Freunden mit echten Waffen des Vaters. Darüber sollte man sich Gedanken machen und diese elenden Diskussionen über die "Killerspiele" sein lassen.

Mfg

B34151
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MrWildniss
#2 | 12. Mrz 2009, 14:46
Der Artikel bringt die (altbekannte und traurige) Tatsache wunderbar und realistisch auf den Punkt. Das einzige was traurig stimmt ist, dass solche Artikel im Grunde genommen von genau den Falschen gelesen werden.

Wir, die wir das Medium durchblicken und verstehen, wir wissen um die Verbote und endlosen Diskussionen und stehen ähnlich fassungslos vor kommenden Einschränkungen und Verboten, wie vor den Nachrichten über solch eine unfassbare Bluttat.

Das soll keinesfalls diese Tragödie mit einer vergleichsweisen Belanglosigkeit wie einem Gesetzentwurf in Relation setzen, sondern nur deutlich machen, dass wenn man genau hinschaut eigentlich solche Artikel in Zeitungen und andere Medien gehören, damit sie auch von denjenigen gelesen werden, die ohne Wissen um die Materie sofort den Zeigefinger heben und unser Hobby an den Pranger stellen...
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MrWildniss
#3 | 12. Mrz 2009, 14:49
Der Artikel bringt die (altbekannte und traurige) Tatsache wunderbar und realistisch auf den Punkt. Das einzige was traurig stimmt ist, dass solche Artikel im Grunde genommen von genau den Falschen gelesen werden.

Wir, die wir das Medium durchblicken und verstehen, wir wissen um die Verbote und endlosen Diskussionen und stehen ähnlich fassungslos vor kommenden Einschränkungen und Verboten, wie vor den Nachrichten über solch eine unfassbare Bluttat.

Das soll keinesfalls diese Tragödie mit einer vergleichsweisen Belanglosigkeit wie einem Gesetzentwurf in Relation setzen, sondern nur deutlich machen, dass wenn man genau hinschaut eigentlich solche Artikel in Zeitungen und andere Medien gehören, damit sie auch von denjenigen gelesen werden, die ohne Wissen um die Materie sofort den Zeigefinger heben und unser Hobby an den Pranger stellen...
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Der Marc
#4 | 12. Mrz 2009, 14:50
Zitat von MrWildniss:
Der Artikel bringt die (altbekannte und traurige) Tatsache wunderbar und realistisch auf den Punkt. Das einzige was traurig stimmt ist, dass solche Artikel im Grunde genommen von genau den Falschen gelesen werden.

Wir, die wir das Medium durchblicken und verstehen, wir wissen um die Verbote und endlosen Diskussionen und stehen ähnlich fassungslos vor kommenden Einschränkungen und Verboten, wie vor den Nachrichten über solch eine unfassbare Bluttat.

Das soll keinesfalls diese Tragödie mit einer vergleichsweisen Belanglosigkeit wie einem Gesetzentwurf in Relation setzen, sondern nur deutlich machen, dass wenn man genau hinschaut eigentlich solche Artikel in Zeitungen und andere Medien gehören, damit sie auch von denjenigen gelesen werden, die ohne Wissen um die Materie sofort den Zeigefinger heben und unser Hobby an den Pranger stellen...


:hoch:!
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Piedmon
#5 | 12. Mrz 2009, 15:04
In diesem Zusammenhang wäre es vielleicht interessant eine etwas ältere Studie aus Köln zu zitieren.
Damals hatte man festgestellt, dass der Konsum von "Gewaltspielen" zu einer Senkung der Hemmschwelle führen kann, jedoch nur, wenn man sich vorher nie mit der Materie befasst hat.
Spieler, die hingegen mit der Materie vertraut waren, wurden durch das Spielen jener Spiele sogar beruhigt und entspannter.

Dass ein Spiel wie CounterStrike (welches ja inzwischen auch 10 Jahre auf dem Buckel hat) ein solches Phänomen auslösen könnte, würde ich stark bezweifeln.

Nichtnur, dass die technische Entwicklung ein solches Spiel in ein irreales Szenario gezerrt hat, und deswegen nichtmehr aus verleitendes Mittel angesehen werden kann (das ist so, als würde man aufgrund von B-17 Bomber fürs CollecoVision amoklaufen), auch weisen Videospiele eine derart skurile Art der Gewalt auf, die man nurnoch als irreal bezeichnen kann (Jeder, der die Gametrailers-Preview von Fallout3 gesehen hat, wird wissen, was ich meine).

Kein Mensch würde nur aufgrund eines Videospieles einen Amoklauf veranstalten. Nur bereits vorhandene Tendenzen können dies (Einzelgänger, Waffennarr, psychologische Probleme, etc.). Videospiele können ALLENFALLS die Hemmschwelle senken, jedoch nicht als Triebmittel dienen.
Es gibt nicht die EINE Ursache, es ist immer eine Kette unglücklicher Umstände.


Soetwas sollte nie mehr geschehen. Mein Beileid den Angehörigen und Freunden der Opfer, die durch eine perfide Tat sterben mussten.
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benito34151
#6 | 12. Mrz 2009, 15:06
Ich muss euch von der Gamepro für diesen Artikel sehr loben. Man höhrt in den Nachrichten nur schlechtes über solche Spiele und fände es wirklich toll das dieser Artikel nicht nur auf einer Seite für Gamer stehen würde. Es soll auch den Menschen ohne Erfahrung mit Videospieln zeigen, das diese Spiele ganz normal sind und zur Jugend gehören.


Mfg

B34151
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Quade
#7 | 12. Mrz 2009, 15:13
Sry aber ich halte nichts von solchen haltlose Diskussion,schließlich giebts in Deutschland keine Killerspiele* ... das ist alles eine Erfindung der Medien um nen Sündenbock zu haben.
Ich finde die Nachrichten sollten eher mal Splatterfilme wie z.b."Storm Warning" ins Visir, denn sowas ist wirklich Menschen verachtend.

p.s. für alle die nicht Storm Warning kennen :[url]http://www.schnittberichte.com/schnittbe richt.php?ID=4760[/url]
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Pixelblut
#8 | 12. Mrz 2009, 15:20
Vielleicht muss man sich einfach an Amokläufe "gewöhnen". Waffen und brutale Filme gibt es nicht erst seit gestern. Möglicherweise sucht "die Gewalt" sich einfach nur neue Formen, nachdem wir seit über 60zig Jahren in Muttel- und Westeuropa keinen Krieg mehr hatten (was es nie zuvor gab), gibt es jetzt einfach Amokläufe. Es ist sehr tragisch das sowas passiert, aber es könnte doch schlimmer sein, bzw. war es ja schon mal. Sonst einfach mal Opa und Oma fragen wieviele Klassenkameraden/-innen den Krieg überlebt haben (bzw. die Juden aus der Nachbarschaft die nie mehr aufgetaucht sind).
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MrWildniss
#9 | 12. Mrz 2009, 15:24
Das Gewalt (in welcher Form auch immer) zwangsläufig zur Natur des Menschen gehört, daran besteht kein Zweifel, aber sorry der Vergleich hinkt brutal...
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Markus Schwerdtel
#10 | 12. Mrz 2009, 15:27
Zitat von Piedmon:

Videospiele können ALLENFALLS die Hemmschwelle senken, jedoch nicht als Triebmittel dienen.


Und selbst das geht mir schon zu weit. Ich denke, Spiele sind schlimmstenfalls eine Anregung für die Art der Ausführung der Tat, also für die Inszenierung. Wie man sich dabei anzieht, was man sagt, wie man vorgeht. Man denke nur an die damals eindeutig Matrix-inspirierten Littleton-Amokläufer. Dieses "Benutzen als Vorlage" ist allerdings auch schon schlimm genug.
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