Special: 20.000 Pixel unter dem Meer | Seite 2
Die Untiefen der Unterwasser-Spiele
Schauplatz des Krieges
Pixelige Gefahren: Der holländische Entwickler Radarsoft produzierte mit Nautilus seinerzeit ein durchaus spannendes Tauchabenteuer für den C64. [C64]
Wie wir nun sehen, geht es unter dem Meer alles andere als friedlich zu. Auch Kapitän Nemo setzt sein Tauchboot Nautilus dazu ein, um seinem Hass gegen die Menschheit Luft zu machen. U-Boote sind mit zunehmendem technischem Fortschritt eines der wichtigsten Instrumente in der modernen Kriegsführung geworden. Und auch U-Boot-Simulationen erfreuen sich - besonders bei PC-Spielern - größter Beliebtheit. Sid Meier - der Schöpfer von Klassikern wie Civilization - eröffnete mit Silent Service (1985) den Unterwasserkrieg auf allen gängigen Systemen. Obwohl grafisch eher bescheiden, überzeugte das Spiel doch durch seinen Tiefgang. Der Spieler war zugleich Kommandant, Navigator und Maschinist an Bord seines eigenen U-Boots während des Zweiten Weltkriegs. Silent Service befand sich sogar aufgrund seines »kriegsverherrlichenden Inhalts« eine Zeit lang auf dem Index. Trotzdem war diese Art der Simulationen nicht mehr aufzuhalten. Silent Service folgten Titel wie Hunt for Red Ocotober (1988), Das Boot (1990) oder Silent Service II (1990).
In Neptune's Daughter musste der Spieler allerlei Gefahren bestehen, ehe er die schöne Tochter des Meeresgottes erobern durfte. [C64]
Die wohl heute bekannteste U-Boot-Serie ist allerdings Silent Hunter. Der erste Teil erschien 1996 ebenfalls für den PC und überzeugte mit bis dato nie da gewesener Grafik und Detailtreue. Derzeit arbeitet Ubisoft übrigens an Silent Hunter 5, welches im kommenden Jahr für den PC erscheinen soll. Konsolenspieler gehen leider in Sache U-Boot-Simulationen so gut wie leer aus: In den vergangenen Jahren bot nur das taktisch angehauchte Actionspiel Battlestations Midway (2006) für Xbox 360, PS3 und PlayStation 2 die Möglichkeit, in einem U-Boot Platz zu nehmen. Das Spiel thematisiert in elf Missionen den Konflikt zwischen den U.S.A. und Japan während des Zweiten Weltkriegs. Neben den U-Boot-Missionen dürft ihr allerdings auch Schlachtschiffe oder Flugzeuge steuern. Der taktische Aspekt ist in Battlestations Midway - im Gegensatz zu Spielen wie Silent Hunter 4 - aber eher zweitrangig. In aktuellen Weltkriegsspielen wie IL2 Sturmovik (2009) oder Heroes over Europe (2009) dürft ihr höchstens mal ein U-Boot abschießen oder einen Konvoi verteidigen.
Unterwasserwelten als Lebensraum
Ganz schön gefräßig: Ameisenbär Nobby taucht nur für eine handvoll Futter in die tiefsten Ozeane.
So gefährlich und kriegerisch es oftmals unter der Meeresoberfläche zugeht, so wunderschön und lebendig können die Unterwasserwelten sein. Dies erfährt Professor Aronnax selbst, als er mit Nemo und dem Harpunier Ned Land einen Ausflug auf den Grund des Meeres macht. Faszinierende Fische und bunt schillernde Korallen lassen schnell die Gefahren vergessen. Apropos Leben: Eines der wohl ungewöhnlichsten Spiele aller Zeiten lieferte Jellyvision 1999 für Segas Dreamcast ab - die Lebenssimulation Seaman. Ziel war es, eine fisch-ähnliche Lebensform in einem virtuellen Aquarium zu züchten und zu pflegen. Das Spiel wurde mit einem Mikrofon ausgeliefert, da ihr eurem neuen Haustier das Sprechen beibringen konntet. Es reagierte etwa auf seinen Namen und bestimmte Kommandos und antwortete in der englischen Sprachfassung sogar mit der Stimme von Leonard Nemoy - der Mister Spock aus der Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise. Mehr Informationen zu dem ungewöhnlichen Spiel Seaman im Kasten »Fischige Helden«.
C64-Action á la James Bond: In Scorpius düst ihr mit Unterwasser-Jets durch die Gegend. [C64]
Im gleichen Kasten findet ihr übrigens auch alles Wissenswerte über das kreative Jump'n'Run James Pond. An dieser Stelle wollen wir kurz auf die wohl komischste Sportsimulation aller Zeiten eingehen - Aquatic Games für den Amiga 500 und das Sega Mega Drive. Das Spiel orientiert sich an Leichtathletik-Games wie Konamis Track & Field, portiert die Sportarten über unter den Meeresspiegel. Als Protagonist trat erneut Goldfisch James Pond auf. Die Spielmechanik war denkbar simpel: Im Wettlauf musstet ihr lediglich den Joystick hin und her rütteln. Insgesamt gab es zehn verrückte Wettbewerbe, die mit bis zu vier Leuten spielbar waren.
Leider ausschließlich für PC: Die Silent Hunter-Serie trumpft inzwischen seit über fünfzehn Jahren mit ihrem hohen Realitätsgrad und schöner Optik auf. [PC]
Deutlich besinnlicher spielten sich die Taucher-Simulationen Everblue (2001) und Everblue 2 (2002) von Capcom. Hier geht es lediglich darum, die Unterwasserwelt auszukundschaften, Schätze zu bergen und Fische zu entdecken. Insgesamt krankten beide Spiele einfach an ihrer puren Ereignislosigkeit und der mäßigen PS2-Optik, sodass bereits nach wenigen Minuten Langeweile aufkam. Eine ähnliche Prämisse verfolgte übrigens der PSN-Titel Aqua Vita (2007) für die PS3. Es simuliert ein virtuelles Aquarium, in welches ihr mit Hilfe der PlayStation-Eye-Kamera eintaucht. So könnt ihr einfach Clownfischen, Seesternen und anderen Meeresbewohnern zuschauen oder mit Handbewegungen in den Lebensraum hinein greifen. Aqua Vita sieht sich dabei weniger als klassisches Videospiel, sondern als eine Art virtuelle Kunstform - wie etwa Flower. Der Spieler soll sich an den schönen Bildern erfreuen und die Atmosphäre genießen. Durch sein unvergleichliches Flair glänzte ebenfalls Segas Delfin-Simulator Ecco the Dolphin (1992). Auch zu diesem wegweisenden Game findet ihr weitere Informationen im Kasten »Fischige Helden«.