Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Test im Test | Seite 4
Ladykracher auf Abwegen
Natürlich bleibt es serientypisch nicht bei schnöden Wachleuten und Soldaten: Bereits nach kurzer Zeit steht ihr zum ersten Mal den »Gekkos« gegenüber, zweibeinigen Robotern, die alles und jeden in den Boden stampfen. Diese Feinde lassen sich nur mit einer bestimmten Munition und Strategie erledigen. Wenn ihr die Wummen nicht zur Hand habt, bleibt euch keine andere Wahl, als einen großen Bogen um die Gegner zu machen.
Unausweichlich hingegen sind die Zwischengegnerkämpfe: Liquid Snake hat sich eine Leibstandarte zugelegt, die zusammengefasst auf den Namen »Beauty & the Beast Unit« hört. Bei diesen harten Brocken handelt es sich um Frauen, die bereits im Kindesalter Zeuge von Gewalt und nun Teil einer eigenen Kriegsmaschinerie geworden sind. So trefft ihr unter anderem auf eine Dame, die per Flugapparat eine Schneise der Zerstörung zieht, eine Kollegin, das sich auf vier Beinen fortbewegt. Oder eine Schönheit, die ihre Feinde per Willenskraft bezwingen will. Für jeden Bossfight gilt: Ohne eine besondere Strategie, ohne den richtigen Einfall werdet ihr nicht weit kommen. Umso mehr müsst ihr den Monologen lauschen, die die Bosse von sich geben, genau auf die Umgebung achten und das Inventar in eure Strategie mit einbeziehen. Denn auch im vierten Teil gibt es immer einen Weg, der die Zwischengegner schnell über den Jordan schickt. Mit bloßer Waffengewalt und fehlender Ideenzündung verstrickt ihr euch auch mal über eine Stunde in einen Kampf. Die Bossfights gehören mit zu den Highlights der vierten Episode: Egal, wo der Kampf ausgetragen wird, überall fliegen die Fetzen, der Bombast-Faktor ist enorm!
Gerade bei den Gefechten mit den Schönheiten spielt Snakes Psyche eine große Rolle: Je heftiger das Geschehen ist, desto mehr leidet der Held darunter. Psyche und Stress werden in zwei kleinen Anzeigen dargestellt. Je tiefer diese fallen, desto deutlicher bekommt ihr die Auswirkungen zu spüren: Solid Snake kriegt seine Hustenanfälle nicht in den Griff, das Zielen leidet unter seinen zittrigen Händen, die Bewegungen werden schwerfällig. In diesen Fällen solltet ihr wieder das Inventar herauskramen und euch mit den obligatorischen Kippen, Spritzen oder Heilrationen aufpäppeln. Übrigens: Die Zwischengegner sind die einzigen Feinde, die ihr wirklich besiegen müsst -- davon abgesehen könnt ihr Metal Gear Solid 4 auch durchspielen, ohne einen einzigen Soldaten zu verletzen!
Hideos Hollywood
Der grundlegende Ablauf des Spiels ist also nahezu unverändert: Ihr werdet in einem Areal abgesetzt, schleicht oder kämpft euch dann zu vorgegebenen Punkten, nur um in bestimmten Abständen einem Zwischengegner in die Arme zu laufen. Dazwischen erwarten euch aber noch einige Events, die es in sich haben: Da steht unter anderem eine Motorradfahrt auf dem Programm, bei der ihr euch durch Unmengen an Fluggegnern und Soldaten ballert. Oder eine Szene auf einem Truck, den ihr zur Flucht aus einem Einsatzgebiet nutzt. Oder eine Sequenz, in der ihr euch zu zweit einem bekannten Erzfeind widmet. Die Inszenierung dieser Events ist in den meisten Fällen nur mit einem Wort zu beschreiben: gigantisch. Gerade die Zwischensequenzen gehören mit zum Imposantesten, was es im Bereich Videospiele gibt. Dabei drückt Hideo Kojima das Gaspedal anfangs relativ langsam durch. Es braucht schon gute vier Stunden, bis das Spiel richtig in Fahrt kommt, dann aber wird ein Feuerwerk abgefackelt, das jeder PlayStation 3-Besitzer gesehen haben sollte: Kampfsequenzen, die euch den Kiefer herunterklappen lassen. Schlachtszenen, die aus einem Hollywood-Film stammen könnten. Emotionale Momente, die direkt ins Herz gehen – es wird alles geboten! Hier verdienen besonders der rasante Schnitt und die einfallsreichen Kameraperspektiven ein dickes Lob: Wenn die Linse in Zeitlupe über Hubschrauber-Rotoren gleitet und am Boden Soldaten von einer Explosion in die Luft geschleudert werden, klappt euch automatisch der Kiefer herunter! Auch die brillante (englische) Sprachausgabe trägt wieder einmal einen Großteil dazu bei, dass sich Metal Gear Solid 4 mehr wie ein interaktiver Thriller als ein Videospiel anfühlt.