Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Test im Test | Seite 5
Es ist Krieg und alle sind dabei
Einen Großteil der Spannung und der Dramatik bezieht Guns of the Patriots aus dem Zusammenspiel der Charaktere. Wir wollen euch nicht zuviel verraten, aber glaubt uns: Hideo Kojima bringt mit dem vierten Teil der Serie wirklich alle Handlungsstränge zu Ende und verpasst nicht nur einem Protagonisten völlig neue (nicht immer positive!) Seiten. Wenn ihr also von einem alten Freund und Mitstreiter verraten werdet, weil er sich auf Liquids Seite geschlagen hat, trifft euch die Enttäuschung noch mehr -- schließlich kennt ihr den Charakter ja nicht erst seit fünf Minuten!
Gerade die »Beauty & the Beast Unit« sorgt für den nötigen Schuss Erzählkunst und Dramatik: Wenn ihr die Ladys besiegt habt, und sie euch in den letzten Minuten ihres Lebens traurige, wütende oder einfach nur verzweifelte Sätze entgegenhauchen, hat euch das Spiel unweigerlich gepackt. Uns ist besonders positiv aufgefallen, dass Metal Gear Solid 4 bei allem Hightech-Schnickschnack und Sci-Fi-Elementen wieder etwas glaubwürdiger ausfällt. Gefräßige Klopse auf Inline-Skates werdet ihr in der vierten Episode nicht finden.
Einen besonders großen Anteil an der Spannung hat die Musik: Egal, ob es sich um ruhige oder treibende Momente handelt, in jeder Situation wird das Geschehen perfekt von passenden Klängen untermalt. Das geht teilweise sogar so weit, dass uns während des Tests mehrmals das Wasser in die Augen gelaufen ist. Da gibt es einen Moment im Spiel, in dem ihr einen alten Schauplatz aufsuchen werdet. Während ihr eure Blicke über das Areal streifen lasst und euch an vergangene Tage erinnert, setzt eine traumhafte Frauenstimme ein, die, untermalt von Klavierklängen, ein fantastisch trauriges Lied anstimmt. Und genau in diesen Situationen wird bewusst, dass Metal Gear Solid 4 leider nicht ewig gehen kann.
Humpelnde Schlangen?
Grafisch lassen Hideo Kojima und sein Team ebenfalls nichts anbrennen: Die Gesichter sind teils unglaublich detailliert modelliert, Animationen und Gefühlsregungen bringen die Charaktere perfekt rüber. Auch die Effekte können sich sehen lassen: Explosionen wirbeln realistisch Dreck und Staub auf, Patronenhülsen klirren lebensnah auf den Boden, Sandkörner bleiben auf der virtuellen Linse kurzzeitig liegen. Bei allem Grafik-Bombast darf aber nicht vergessen werden, dass Metal Gear Solid 4 einige (wenn auch kleine) Schwachpunkte in der Präsentation aufweist: Manche Texturen sind mau, die Schattenwürfe enorm grobpixelig und in manchen Situationen gerät die Bildrate kurz ins Ruckeln. Im Gesamteindruck machen sich diese kleinen »Fehltritte« aber nicht bemerkbar, Guns of the Patriots sieht fantastisch aus, gerade in den Zwischensequenzen darf die PlayStation 3 ihre Krallen zeigen.
Überhaupt lässt sich am Spiel wenig kritisieren: Es gibt kurze Aussetzer der KI und Kleine Logikfehler. Oder auch einfach nur nervige Abschnitte, in denen euch das Spiel Stolpersteine in den Weg legt. Da ist zum Beispiel eine Mission, in der ihr einen Agenten verfolgen müsst. Um ihn zu orten, orientiert ihr euch in den weitläufigen Strassen an seinem Pfeifen. Dummerweise wird dieses ab und zu nicht aktiviert, so dass ihr minutenlang ziellos durch die Gegend streift, bis ihr die Zielperson wieder gefunden habt. Aber auch hier gilt: Diese kleinen Mankos stören nicht, wenn ihr ein so tolles Gesamtpaket erhaltet! Denn abgesehen von den angesprochenen Kritikpunkten spielt sich Metal Gear Solid 4 absolut butterweich und intuitiv -- wer sich erst einmal mit den Mechanismen der vierten Episode auseinandergesetzt und diese verinnerlicht hat, wird bei all der Abwechslung häufig vergessen, dass er schon mehrere Stunden spielt!
Abschied in Ehren
Das ist es also, das Ende. Wir mussten lange auf diesen Teil warten. Umso schöner ist es, dass Hideo Kojima mit diesem Spiel wirklich alles zu Ende bringt, was die Serie ausmacht. Keine Frage bleibt hier unbeantwortet, kein Charakter unbeachtet. Metal Gear Solid 4 ist ein Spiel für Genießer: Zwar könnt ihr mit der Episode auch Spaß haben, wenn ihr die vorigen Teile nicht kennt. So richtig spektakulär wird es aber erst, wenn ihr die Handlung über die Jahre verfolgt habt, mit den Protagonisten und ihren Feinden warm geworden seid und jetzt den letzten, großen Auftrag ausführen wollt.
Es gibt Kritikpunkte, nicht alles ist perfekt. Wenn euch aber das Spiel in zahlreichen Situationen mitreißt und euch auf eine Achterbahn der Gefühle schickt, dann wird klar: Solid Snake verdanken wir viele wunderbare Momente, ihm verdanken wir auch, dass wir in seinem Zusammenhang häufiger von »Erlebnissen« sprechen, als von reinen »Spielen«. Danke, Snake!