Amoklauf in Blacksburg - Suche nach den Spuren des Amokläufers

Cho Seung-Hui hat im Internet mittlerweile eine fragwürdige Berühmtheit erlangt.

von Denise Bergert,
20.04.2007 08:52 Uhr

Zu Lebzeiten war er noch ein Niemand im Internet. Doch kaum gab die Polizei nach dem Amoklauf von Blacksburg im US- Bundesstaat Viginia die Identität des Killers preis, rollte eine gewaltige Welle durch das World Wide Web. Cho Seung-Hui hat mittlerweile zahlreiche Spuren im Internet hinterlassen und ist zu trauriger Bekanntheit gelangt. Suchmaschinen spucken siebenstellige Zahlen an Verweisen zu dem 23 Jahre alten Südkoreaner aus, der bei dem beispiellosen Massaker am Montag an der Technischen Universität in Blacksburg erst 32 Menschen und dann sich selbst tötete.

In manchen Online-Journalen, so genannten Weblogs, avancierte Cho Seung-Hui zum Star des Tages und löste bei den gesuchten Namen und Themen sogar Promis wie Paris Hilton ab. Neben dem Informationsbedürfnis über einen Unbekannten, der die Welt mit einem Gewalt-Exzess aufschreckte, steht ein zuweilen bizarrer Umgang mit dem Medium als Kommunikationsplattform. In Communitys wie «MySpace» sind Medienberichten zufolge bereits Dutzende von gefälschten Profilen mit echten oder ähnlichen Fotos des Täters eingestellt worden. Darin wird er zum Beispiel als «Stück Dreck» beschimpft und verachtet.

Skrupellose Geschäftemacher haben sich mittlerweile verfügbare Webseiten mit dem Namen des Amokläufers gesichert. «Dabei wird spekuliert, die Adresse später Gewinn bringend verkaufen zu können», vermutet der Geschäftsführer der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), Jürgen Lauffer. Die Adresse www.choseunghui.com hat unterdessen die betroffene Virginia Tech in Blacksburg belegt. Wohl um Missbrauch zu vermeiden. Die Uni hat darauf eine Sonderseite zum Massaker eingerichtet und drückt den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Im Zeitalter von Handy-Kameras wird das Datennetz aber nicht nur mit Wortbeiträgen überschwemmt. Auf Multimedia-Plattformen wie YouTube wurden zahlreiche Videos hochgeladen. In den verwackelten Clips sieht man Polizisten und Rettungskräfte, die zum Unglücksort eilen. In anderen Filmen sind im Hintergrund auch Schüsse zu hören. «Es ist eine gesteigerte Präsentationslust zu beobachten», sagt GMK- Geschäftsführer Lauffer. (dpa)


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