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Dante's Inferno - Preview für Xbox 360 und PlayStation 3

Electronic Arts fährt zur Hölle. Naja, nicht ganz: Die Adaption der Göttlichen Komödie Dante's Inferno schickt nämlich den Spieler ins lodernde Fegefeuer, wo er nach seiner Holden sucht.

von Kai Schmidt,
04.01.2010 17:00 Uhr

Dante's Inferno: Dante im Höllenkreis der Wollust: Im Hintergrund seht ihr Königin Kleopatra, aus deren Brust beständig neue Gegner schlüpfen. Dante's Inferno: Dante im Höllenkreis der Wollust: Im Hintergrund seht ihr Königin Kleopatra, aus deren Brust beständig neue Gegner schlüpfen.

Was tut man, wenn keine Film- oder Serienlizenzen zu bekommen sind, die man zu einem Videospiel verwursten könnte? Entweder man entwickelt ein eigenes Konzept, oder man schnappt sich die Rechte an einem aktuellen Bestseller-Roman. Anscheinend sitzen in der Projektentwicklungsabteilung von Electronic Arts und Visceral Games (Dead Space) aber einige Klassiker-Fans. Wie ist es anders zu erklären, dass man sich ausgerechnet Dante Alighieris »Göttliche Komödie« ausgesucht hat, um ein Action-Spektakel im God of War-Stil daraus zu machen? Gekämpft wird in der Vorlage zwar nicht, eine Komödie ist das Werk aber auch nur dem Titel nach: Schriftsteller Dante Alighieri beschreibt seine (natürlich fiktiven) Wanderungen durch Hölle, Fegefeuer und Paradies.

» Preview-Video zu Dante's Inferno anschauen

Was tut man also mit dem Stoff, um ihn spieletauglich zu machen? Genau: Man verändert die Story ein wenig, und schon passt alles. Für Dante's Inferno hat man sich auf den titelgebenden ersten Teil der Göttlichen Komödie konzentriert und aus dem Schriftsteller eine Kampfmaschine gemacht, die auf der Suche nach seiner entführten Geliebten Beatrice ist. Zugegeben, die uralte Leier von der verschleppten Jungfrau wird nicht origineller, je öfter man sie (gerade im Videospielbereich) verwendet, doch ergibt sie hier einen soliden Aufhänger für das optisch beeindruckende Monstergeschnetzel in der Hölle.

Die neun Höllenkreise

Dante's Inferno: Geschmacklos oder konsequent? Dante kämpft gegen die Seelen ungetaufter Kinder, die sich als klingenarmige Dämonen manifestieren. Dante's Inferno: Geschmacklos oder konsequent? Dante kämpft gegen die Seelen ungetaufter Kinder, die sich als klingenarmige Dämonen manifestieren.

In der Vorlage folgt der Leser Dante Alighieri auf seiner Wanderung durch die neun Kreise der Hölle, die jeweils ein eigenes Thema wieder spiegeln. Zum Beispiel den Kreis der Wollust, in dem Ehebrecher und andere der Fleischeslust Verfallene auf ewig schmoren müssen. Im Spiel Dante’s Inferno läuft es ähnlich ab -- mit dem Unterschied, dass die jeweils ansässigen Höllenwesen Dante aufhalten wollen. Das sieht der zum Nahkampfexperten mutierte Schriftsteller-Ritter aber gar nicht ein: Mit silbernem Kreuz und riesiger Sense (die er vom Tod persönlich erhalten hat) zerlegt er die Brut in ihre Einzelteile. Bereits im ersten Höllenkreis bewegt sich das Geschnetzel wegen seiner inhaltlichen Nähe zum Original allerdings haarscharf an der Grenze zur Geschmacklosigkeit: Im »Limbus« trifft Dante auf die Seelen ungetaufter Kinder. Obwohl sie nicht zu den Verfluchten zählen, ist ihnen der Einzug ins Paradies verwehrt, weshalb sie ihr weiteres Dasein als Untertanen Luzifers fristen und dem Dichter mit ihren Klingenarmen an die Gurgel wollen. Ähnliches gilt für den Wollust-Abschnitt, in dem es vor nackten Brüsten und Phallussymbolen nur so wimmelt. Sicher, in Deutschland wird man damit wenige Probleme haben -- hier war man schon immer freizügiger, was die Darstellung nackter Tatsachen in den Medien angeht. In den USA dürfte es hingegen anders aussehen: Die prüden Amerikaner beschreien angesichts blanker Nippel gerne den Untergang des Abendlandes, winken gewalttätige Inhalte bei der Altersfreigabeprüfung aber schnell unangetastet durch.

Infernalische Gewalt

Dante's Inferno: Einige Figuren aus der literarischen Vorlage, wie König Minos, tauchen in der Adaption als Endgegner auf. Dante's Inferno: Einige Figuren aus der literarischen Vorlage, wie König Minos, tauchen in der Adaption als Endgegner auf.

Skandale sind zwar für den schnellen Euro immer gut, doch letztendlich hängt der Erfolg von Dante's Inferno auch von seinen spielerischen Qualitäten ab. Hier hat Electronic Arts offenbar die Hausaufgaben gemacht und setzt mit Angriffskombos, großen Gegnern und zerteilten Körpern auf genau das, was schon Kratos zum Erfolg verhalf. Abgesehen davon steht einem unterhaltsam-düsteren Monstergemetzel nichts im Wege: Dante steuert sich wie sein griechischer Kollege und hat so viele Kombos im Repertoire, dass jedem Actionfan das Herz aufgeht. Zwar haben die Entwickler in den bisherigen Trailern und Präsentationen noch längst nicht alle Waffen gezeigt, doch kann man davon ausgehen, dass der Rest des Arsenals genauso ehrfurchtgebietend ist wie Dantes riesige Sense. Fans rabiater Schnetzeleien jauchzen vor Freude, wenn der schroffe Schriftsteller Monster halbiert oder den Verdammten die Klinge durch den modrigen Körper treibt. Ob die USK das Treiben genauso wohlwollend beurteilt, bleibt wie erwähnt abzuwarten. Allerdings hat Dante dank Kratos bei der Prüfstelle einen unverhofften Stein im Brett: Die Freigabe des ersten God of War gilt mittlerweile als inoffizielles Grundsatzurteil, demzufolge es für Spielecharaktere »okay« ist, in Titeln, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, Fantasy-Monster fachgerecht zu zerlegen.

Vorlagentreue

Dante's Inferno: Im Höllenkreis der Gier baden die Seelen habgieriger Menschen in einem See aus kochendem Gold.Dante's Inferno: Im Höllenkreis der Gier baden die Seelen habgieriger Menschen in einem See aus kochendem Gold.

Reduziert man Dante's Inferno alleine auf die provokanten und blutigen Details, tut man dem Spiel Unrecht: Die Entwickler haben sich sehr genau mit dem zugrunde liegenden literarischen Werk befasst und versuchen, so viele Verweise wie möglich einzubauen. Dante wird wie in der Vorlage vom römischen Dichter Vergil begleitet, mit dem er in Zwischensequenzen immer wieder Worte wechselt -- und zwar nicht irgendwelche Worte, sondern direkte Zitate aus der Göttlichen Komödie. Natürlich haben es nicht alle der 14.233 Verse ins Spiel geschafft, doch ist es schön zu sehen, dass sich die Macher wirklich mit dem Werk auseinandergesetzt haben. Weitere Verweise findet ihr unterwegs in Form von 33 Artefakten, die Dantes Fähigkeiten verbessern -- ein Artefakt für jeden der 33 Gesänge der Vorlage. Auch die zahlreichen historischen Gestalten, die Dante in der Göttlichen Komödie beschreibt, tauchen in der einen oder anderen Form im Spiel auf. Während König Minos den Endgegner des ersten Höllenkreises gibt, bekommt ihr es im Wollust-Level mit Kleopatra zu tun, die euch als riesige, Kinderdämonen produzierende Monstergestalt verfolgt. Andere Figuren wie Francesca da Polenta, eine Ehebrecherin und Zeitgenossin des echten Dante Alighieri, trefft ihr am Wegesrand. In solchen Fällen dürft ihr entscheiden, wie das Schicksal der Figuren aussehen soll: Entweder bestraft ihr sie und verurteilt sie dadurch zur ewigen Verdammnis, oder ihr erteilt ihnen die göttliche Vergebung, wodurch ihre Seelen gen Himmel fahren. Mit euren Entscheidungen verdient ihr euch gute oder böse Seelenpunkte, die ihr sammelt und ähnlich wie in God of War gegen besonders starke Angriffe eintauscht. Die getroffenen Entscheidungen haben außerdem einen Einfluss auf den Fortgang und das Ende des Spiels.

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