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Seite 2: Far Cry - Filmkritik - Uwe Bolls neueste Videospiel-Verfilmung in der Kritik

Mutanten und Nervkröten

Und die Schauspieler! Während Til Schweiger als Exsoldatenbootskapitän noch halbwegs gut rüberkommt, unterbietet sich der Rest der Riege eifrig gegenseitig. Als Dr. Kriegers Söldnerchefin Tchernov versprüht Natalia Avelon (Das wilde Leben) weniger Charisma als das Gipsmodell eines russischen Flakpanzers; Emmanuelle Vaugier alias Valerie spult zwei Gesichtsausdrücke ab: entsetzt und nichts. Udo Kier schöpft immerhin aus seinem vollen Mimikfundus, glotzt also stets eindringlich böse. Überdies intoniert er wunderbare Nazi-Wissenschaftler- Sätze wie »Hie känn fait harda änd longa senn änni jumen souldscha«. Auch der deutsche Mucki-Golem Ralf Moeller (Gladiator) reizt sein schauspielerisches Talent aus: Als Obermutant Max muss er glotzen, schweigen und prügeln, manchmal alles gleichzeitig.

Die übrigen Darsteller krebsen auf Laienniveau herum, also springen wir gleich zur unerträglichsten Rolle: Chris Coppola, der auch in Bolls Postal-Film auftrat, mimt den molligen Essenslieferanten Emilio, der gemeinsam mit Jack in die Fänge Kriegers gerät. Und dessen Aufgabe sich darauf beschränkt, in den schrillsten Tonlagen über Rückenweh zu klagen. So bläht sich Emilio zur Premium-Nervkröte auf, vergleichbar mit Jar Jar Bings aus Star Wars: Episode 1: Wenn man eine einzige Figur von der Leinwand radieren dürfte, würde man ohne Denkpause diesen Quengelkasper tilgen.

Action wie bei RTL

Okay, wir wollen nicht übertreiben: Far Cry ist ein Actionfilm, und wenn’s darin ordentlich kracht, sind lahme Schauplätze und Jammerclowns verziehen. Tatsächlich entfaltet der Boll-Streifen in dieser Hinsicht einen gewissen Unterhaltungswert. So gibt’s zwei nette Verfolgungsjagden per Jeep und per Boot. Computereffekte fehlen, doch immerhin erreichen die Detonationen das erträgliche Niveau von Alarm für Cobra 11 – jener RTL-Serie, in der pausenlos russische Autoschieber samt ihrer Sattelschlepper quer über die A4 explodieren. Eines verbindet Far Cry allerdings mit aufwändiger produziertem Hollywood-Kino à la Stirb langsam 4: Auf Kinderkram wie Logik darf man das Knallgeschehen nicht abklopfen. Zum Finale der Jeep-Hatz etwa feuert Valerie ein Greifseil durchs Autodach – und den verdächtig dünnen Boden des Hubschraubers, der darüber kreist. Wobei der Heli nicht wie ein Militärvehikel aussieht, sondern wie die Elch-Beobachtungs- Flugschüssel des Naturparks von nebenan. Egal, der Hubschrauber trägt den entflammten (!) Jeep am Seil über eine Klippe. Dabei sieht man abwechselnd, wie Jack und Valerie im Fahrzeuginneren kreischen, und wie ein leerer Jeep in der Außenansicht ausbrennt. Okay, kleiner Anschlussfehler, kann passieren. Schließlich plumpst die Karre ins Meer, die Helden tauchen heraus. Zugleich zerkracht über ihnen der Heli auf der Wasseroberfläche. Und löst sich in Staub auf: Keine Trümmer stürzen herab, lediglich der Rotor gluckert an Jack und Valerie vorbei. Logisch ist die Szene nicht, aber der Höhepunkt des Films – leider schon zur Hälfte der gesamten Laufzeit.

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