For Honor - Spätestens mit PS Plus solltet ihr dem Spiel eine Chance geben

Das PS4-Spiel For Honor ist im Februar 2019 Teil von PS Plus. Ich will euch zeigen, warum ihr es zumindest ausprobieren solltet.

von Maximilian Franke,
30.01.2019 18:15 Uhr

Warum ihr For Honor ausprobieren solltet. Warum ihr For Honor ausprobieren solltet.

Als For Honor-Spieler in einer Gaming-Redaktion hat man es nicht leicht. Mobbing steht an der Tagesordnung und fiese Kommentare der Kollegen lauern an jeder Ecke. "Du bist bestimmt der einzige, der das noch spielt", oder "Was, du spielst das echt immer noch?" sind nur die Spitze des Eisbergs. Ich lernte damit zu leben.

Doch nun ist For Honor im Februar 2019-Lineup von PS Plus und das bedeutet, dass vielleicht der ein oder andere auf die Idee kommt, dem Spiel eine Chance zu geben. Diese Gelegenheit will ich nutzen um potenziellen Interessenten zu erklären, warum ich diese Idee für eine gute halte. Los geht's!

Maximilian Franke
@mafra_tw

Max verfolgt For Honor seid den ersten Trailern auf der E3 2015. Es folgten Alphas, Betas und schließlich der Release im Februar 2017. Auch wenn dieser, aus technischen Gründen, katastrophal schief ging und für schlaflose Nächte sorgte, hielten ihn Setting und Kampfsystem bei Laune. Nach mittlerweile fast 900 Stunden auf den virtuellen Schlachtfeldern ist es Zeit für ein kleines Resümee. Da trifft es sich gut, dass dank PS Plus vielleicht der ein oder andere neue Spieler hinzukommt.

Was ist For Honor?

Ganz grob gesagt, ist For Honor ein auf Duelle ausgerichtetes Multiplayer-Prügelspiel, in dem Kämpfe zwischen Samurai, Rittern, Wikingern und mittlerweile auch chinesischen Kriegern im Zentrum stehen.

Ähnlich wie in anderen Fightern gibt es verschiedene Charaktere, die sich in Aussehen, Bewaffnung und Move-Set unterscheiden. Anders als in klassischen Fighting Games wie Tekken oder Street Fighter finden die Kämpfe jedoch nicht auf einer 2D-Ebene statt. Stattdessen steuert ihr eure Figur in der Third Person-Perspektive durch dreidimensionale Levels. Dadurch fällt auch das Kampfsystem anders aus.

Dieses basiert auf den Richtungen eurer Attacken und Blocks: Oben, links und rechts, die über den rechten Analog-Stick beeinflusst werden. Einige Charaktere haben zudem besondere Stances "nach unten".

Neben Duellen gibt es auch größere Modi für bis zu acht Spieler. In Dominion nehmt ihr Flaggenpunkte ein, Tribut ist eine CTF-Variante, in Deathmatch geht es einfach nur um Kills und in Breach gilt es eine Festung zu erobern, oder zu verteidigen.

Wenn ihr ein Mittelalter-Kampfspiel ohne Magie sucht, seid ihr hier genau richtig. Wenn ihr ein Mittelalter-Kampfspiel ohne Magie sucht, seid ihr hier genau richtig.

Die "Story": Vergesst die Story. Irgendwo in einer fiktiven Welt leben Wikinger, Samurai und Ritter direkt nebeneinander und bekriegen sich seit 1000 Jahren. Irgendwie kommen dann auf einmal Chinesen ins Spiel und die Antagonistin Apollyon gießt die ganze Zeit Öl ins Feuer, weil …. ach naja. Egal.

Es gibt einen Story-Modus, den ihr allein oder im (Online-)Koop spielen könnt. Dieser ist als Einführung in Ordnung, hat allerdings einen entscheidenden Nachteil für Neueinsteiger:

Über die Seasons hinweg wurden viele Charaktere angepasst und bekamen neue Angriffe im Multiplayer spendiert. In der Kampagne blieb jedoch alles unangetastet. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ohnehin nur ein nettes Beiwerk ist. Für Story-Spieler ist For Honor nichts.

Was macht For Honor spielenswert?

Was For Honor in meinen Augen einzigartig macht, ist das interessante Kampfsystem und die Ausrichtung auf einigermaßen realistische Duelle, mit großartigen Animationen und Hochglanz-Optik.

Auch wenn es in Spielen wie Mount & Blade theoretisch auch möglich ist, sich zu duellieren, liegt der Fokus doch auf einem viel größeren Kontext, ausufernden Schlachten und Rollenspiel-Elementen. All das gibt es in For Honor nicht. Hier gibt es nur euch, euren Helden und den Gegner.

Seit Oktober 2018 gibt es endlich Belagerungsschlachten! Seit Oktober 2018 gibt es endlich Belagerungsschlachten!

Das Fortschritt-System im Multiplayer setzt auf Gewohntes: Nach jeder Runde erhaltet ihr Gear in den üblichen Seltenheitsstufen, die mit der Stufe des jeweiligen Charakters skaliert. Die spielerischen Auswirkungen halten sich in Grenzen. Die Motivation im Leveln besteht für mich eher in der Verbesserung der eigenen Fähigkeiten und dem Freischalten neuer Rüstungsteile und den damit wachsenden Möglichkeiten im Charakter-Editor.

Das Kampfsystem ist sicher nicht so komplex wie in anderen Spielen, aber es bietet trotzdem genug Tiefgang um sich stetig zu verbessern. Neben der eigenen Reaktionsgeschwindigkeit ist es auch wichtig den eigenen Charakter und den des Gegners zu kennen.

Vor allem wenn ihr euch mit eurem Lieblingscharakter irgendwann sicher fühlt, die Timings beherrscht und die Attacken eures Gegners voraus ahnen könnt, macht For Honor sehr viel Spaß. Auch die großartige Präsentation trägt mit Animationen, detaillierter Grafik und sehr gutem Sound dazu bei.

Die Mischung macht's

Die Darstellung der verschiedenen Fraktionen und Charaktere findet einen gesunden Mix aus "coolen Klischees" und "Authentizität". Der Raider ist z.B. ein großer und kräftiger Wikinger (oder Wikingerin), der oberkörperfrei mit einer großen Axt in den Kampf zieht. Damit entspricht er gewissermaßen dem fiktiven Idealbild der wilden Krieger, als die Wikinger gerne dargestellt werden.

Aber es ist eben auch kein Runenmagie-wirkender Schamane, der seine Gegner mit einer magischen Eisaxt einfriert. For Honor spielt viel mit Klischees, überschreitet in meinen Augen jedoch nur selten die Grenze zur Albernheit.

Animationen und Voice-Over sind auf die Charaktere zugeschnitten. Animationen und Voice-Over sind auf die Charaktere zugeschnitten.

Dieser Mix aus nachvollziehbaren Kämpfen ohne übernatürlichen Blödsinn und der richtigen Menge "Edginess" ist leider sehr selten. Zudem lassen sich rein optische Effekte wie brennende Engelsflügel per Menü einfach ausblenden. Vorbildlich!

Die Entwickler versuchen nicht den - zumindest angestrebten - Realismus eines Kingdom Come: Deliverance zu erreichen. Stattdessen erlauben sie sich, den historischen Rahmen an vielen Stellen etwas offener auszulegen, ohne zu tief in Zauberei oder Mythologie abzudriften.

Für jemanden wie mich, der in jedem Rollenspiel die Magier-Klasse nur mit einem abfälligen Blick würdigen kann, ist das genau richtig. Ich will keine historisch akkurate Simulation und reine Fantasy gibt es bereits im Überfluss. For Honor findet für mich die perfekte Mischung aus beidem.

Es ist wunderschön

Grafisch sieht das Spiel großartig aus und es hört sich großartig an. Das gilt für die liebevoll gestalteten Figuren, deren Ausrüstung und für die Maps. Auch nach vielen hundert Stunden entdecke ich immer wieder neue Details in japanischen Tempeln, Ritterburgen und skandinavischen Dörfern.

Jeder Charakter ist zudem aufwendig vertont, was einigen Kriegern in Kombination mit den Emotes und Finisher-Moves eine richtige Persönlichkeit gibt. So sehr, dass die Spieler letztes Jahr auf die Barrikaden gegangen sind, als Ubisoft plante, die Sprecher einiger Kämpfer zu ändern. Mit Erfolg: Die Entwickler überarbeiten das neue Stimmen-System aktuell noch einmal.

Die Rüstungen und Waffen sind zum Teil beeindruckend detailliert. Fast schon verschwenderisch, denn viele Gravuren und coole Design-Ideen gehen gerade bei den vielen Waffen im Eifer des Gefechts schnell unter. Die Grafik- und Art Design-Teams bei Ubisoft leisten jedoch hervorragende Arbeit.

Der Charakter-Editor ist für mich eines der Highlights von For Honor. Der Charakter-Editor ist für mich eines der Highlights von For Honor.

For Fashion. Zu diesem Punkt gehört auch der Charaktereditor. Mit der Zeit werdet ihr mit euren Helden im Rang aufsteigen und die Chance auf neue Ausrüstung bekommen. Ihr könnt alle Items regulär freischalten, es gibt keine Paywalls.

Lediglich zu besonderen Events, die regelmäßig stattfinden, gibt es exklusiven Loot, der nur zu diesem Event freigespielt werden kann. Ich habe in der Vergangenheit sehr viel Spaß daran gehabt, meine Samurai zu gestalten. Wer gerne an den eigenen Spielfiguren herumschraubt und bis ins kleinste Detail perfektioniert, kommt voll auf seine Kosten.

Leider haben einige der DLC-Charaktere jedoch weniger Auswahl als die Release-Helden. Das gilt besonders für die chinesischen Wu Lin, die erst im Oktober 2018 dazu kamen. Ubisoft liefert natürlich nach, aber das dauert. Grundsätzlich gilt: Je älter der Charakter, desto größer die Anpassungsmöglichkeiten.

For Honor: Marching Fire - Neuer Belagerungsmodus "Sturm" im E3-Trailer 2:10 For Honor: Marching Fire - Neuer Belagerungsmodus "Sturm" im E3-Trailer

Ubisoft bemüht sich

Ein weiterer Grund, der mich bei For Honor hält, ist Ubisofts Engagement. Es ist immer leicht auf großen Firmen und ihren falschen Entscheidungen herumzuhacken. Ubisoft hat solche Entscheidungen definitiv auch hinter sich, aber immerhin lassen sie nicht locker.

Keine Verbindungsprobleme mehr. Der Release war eine Katastrophe. Das Peer-to-Peer-System sorgte andauernd für Verbindungsprobleme, es gab Tage an denen das Spiel einfach unspielbar war, weil alle 10 Minuten die Verbindung abbrach.

Auch wenn es gedauert hat, haben die Entwickler letztlich auf dedizierte Server umgestellt und die Probleme sind damit weitestgehend behoben. Für Neueinsteiger also kein Hindernis mehr!

Die Art-Designer bei Ubisoft leisten ganze Arbeit. Die Art-Designer bei Ubisoft leisten ganze Arbeit.

Balancing wird besser. Die zweite große Baustelle ist das Balancing. Dieses steht vor einem großen Problem: Da das Spiel auf dem PC mit 60 FPS läuft, ist es hier deutlich leichter auf schnelle Attacken zu reagieren. Konsolenspieler haben es gegen 400ms kurze Angriffe deutlich schwerer, aber Ubisoft kann nicht für PC und Konsole unterschiedlich balancen.

Mit regelmäßigen Patches und einigen umfangreichen Updates verschiedener Charaktere bessern die Entwickler immer wieder nach. Perfekt ist es noch nicht, aber es wird besser. Zwar gibt es eine Tier-Liste, aber diese greift meiner Erfahrung nach erst nach vielen Stunden, wenn ihr euch besser mit Move-Sets und Mechaniken auskennt.

Was kommt in Zukunft?

Wenn ihr jetzt mit For Honor anfangt, gibt es jede Menge zu tun. Für 2019 haben die Entwickler bereits eine Roadmap veröffentlicht. Insgesamt kommen zu den derzeit 22 Kämpfern noch vier weitere hinzu.

Der erste davon, der neue Ritter Vortiger, erscheint bereits am 31. Januar für Käufer des Year 3-Passes. Alle anderen können ihn zwei Wochen später per Ingame-Währung freischalten.

Jeder Charakter hat ehrwürdige Animationen wie Verbeugungen, die die Spieler auch regelmäßig nutzen. Jeder Charakter hat ehrwürdige Animationen wie Verbeugungen, die die Spieler auch regelmäßig nutzen.

Derzeit gibt es für das Hauptspiel drei Erweiterungen:

  • Year 1 Pass: Der ursprüngliche Season Pass schaltet sechs weitere Charaktere frei
  • Marching Fire: Schaltet die vier chinesischen Kämpfer frei
  • Year 3 Pass: Schaltet die kommenden vier Charaktere für 2019 frei (sobald erschienen)

Wichtig ist, dass ihr alle Charaktere und deren Ausrüstung auch ohne den Kauf der Pässe freischalten könnt! Dies ist zwar mit einigem Aufwand und regelmäßigem Spielen verbunden, aber auch für normalsterbliche Arbeitstätige möglich.

Es sei denn, ihr seid darauf aus, wirklich alle DLC-Charaktere ohne Season Passes freizuschalten. Dann wird euch das sehr viele Stunden kosten. Wer sich mit den eigenen Favoriten zufrieden gibt, kommt aber auch ohne zusätzliche Kosten gut weg.

Ist For Honor für jeden etwas?

Ganz klar: Nein. Fans von Einzelspieler-Kampagnen werden kaum Freude daran haben und auch, wenn ihr auf der Suche nach einem extrem komplexen Kampfsystem seid, dass auf E-Sport-Niveau gebalanced ist, könntet ihr ebenso enttäuscht werden.

Ich kann For Honor den Menschen empfehlen, die zugängliche, kompetitive Kämpfe mit mittelalterlichen Nahkämpfern suchen und die keine Lust auf magische Mythologie haben.

Spieler, die gerne stundenlang an ihren Charakteren schrauben, bis jedes Rüstungsteil perfekt sitzt und in der idealen Farbkombination erstrahlt, werden ebenfalls auf ihre Kosten kommen.

Wenn ihr zum Release von den technischen Probleme zurückgehalten wurdet, euch das Spielprinzip aber eigentlich zusagt, dann solltet ihr For Honor ebenfalls nochmal eine Chance geben.

Neuer Held für For Honor - Trailer stellt den Ritter-Neuzugang Vortiger mit seinem riesigen Schild vor 1:00 Neuer Held für For Honor - Trailer stellt den Ritter-Neuzugang Vortiger mit seinem riesigen Schild vor

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