gamescom 2010 - Fazit - Kommentar: Nur kucken, nicht anfassen!

Die gamescom in Köln wird ihrem selbst verliehenen Titel Leitmesse nicht gerecht. Zu viel passiert hinter verschlossenen Türen - die Spieler kucken in die Röhre.

von Henry Ernst,
24.08.2010 16:04 Uhr

Sie war laut. Sie war schön. Sie war anstrengend. Und jetzt ist sie wieder vorbei -- Zeit für ein gamescom 2010-Fazit. Auch wenn »Europas größte Videospielmesse« wieder einen Besucherrekord verzeichnen konnte, zeigen sich ein paar dunkle Wolken am Messehimmel. So wurde der Anspruch nicht erfüllt, eine wie auch immer geartete Leitmesse für die Spielebranche zu sein.

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Oft nur im gamescom-Kino: Hochkaräter wie Call of Duty: Black Ops Oft nur im gamescom-Kino: Hochkaräter wie Call of Duty: Black Ops

Gezeigt wurden so gut wie keine Neuankündigungen, es gab meistens nur Updates zu bereits bekannten Titeln, neue spielbare Levels oder gar nur weitere Versprechungen. Besonders deutlich wurde das während der Pressekonferenzen. So schickte Konami zum Beispiel den Producer von Metal Gear: Rising mit absolut leeren Händen auf die Bühne. Dort entschuldigte sich der sichtlich aufgeregte Japaner dafür, dass es nichts Neues zu Metal Gear: Rising zu erzählen gäbe, versprach aber hart zu arbeiten und im nächsten Jahr mit neuen Infos zurückzukehren. Na toll! Auch eine große Neuankündigung wie die von Bioshock Infinite fand nicht auf, sondern einige Tage vor der Messe im Internet statt. Und dass die feierliche Enthüllung diverser Spieleschachteln bei Konami keinem gestandenen Zocker vor Freude das Wasser in die Augen treibt, sollte mittlerweile eigentlich bekannt sein.

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Abermals Messetrend: Bewegungssteuerung Abermals Messetrend: Bewegungssteuerung

Beherrschendes Thema der Messe waren natürlich die neuen Bewegungssteuerungen Kinect und Move, die einen sehr guten Auftritt hinlegten, wobei ich subjektiv den Eindruck hatte, Kinect würde etwas verzögert reagieren. Spaß gemacht hat es aber trotzdem. Ansonsten setzt sich der von mir bereits im vergangenen Jahr bemängelte Trend zum »Messekino« weiter fort. Anstatt die Leute Hand an große Titel wie Call of Duty: Black Ops legen zu lassen, wurde den Zockern das Spielvorgespielt. Gähn! Schon ein wenig merkwürdig, wenn man bedenkt, dass die gamescom eine Konsumentenmesse ist. Denn was wollen die Konsumenten – also wir Spieler – am liebsten, meine Herren Marketing-Strategen? Ganz genau, selber spielen! Die Publisher entschuldigen sich an dieser Stelle gern damit, dass die Messe-Budgets ja meist von den Firmenzentralen im Ausland festgelegt werden. Das ist natürlich bedauerlich, dürfte den schlangestehenden Messebesuchern dennoch herzlich egal sein. Natürlich gab es auch einige lobenswerte Ausnahmen wie Assassin’s Creed: Brotherhood oder Dragon Age 2.

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Gehört zu jeder Messe dazu: hübsche Damen und Maskottchen Gehört zu jeder Messe dazu: hübsche Damen und Maskottchen

Mein Messegewinner ist in diesem Jahr ganz klar Sony, denn am Stand des PlayStation-3-Herstellers konnte alles angespielt werden, was zurzeit als Hitkandidat gilt. Vieles davon sogar in 3D! Apropos 3D. - Der 3DS von Nintendo wurde leider ebenfalls nur hinter verschlossenen Türen präsentiert. Schade! Für das kommende Jahr würde ich mir wieder ein wenig mehr Engagement von Publisherseite wünschen. Einfach ein Messekino hinzustellen ist nicht genug, denn Spiele wollen erlebt werden und die Besucher wollen etwas erleben.

PS: Vielleicht starte ich im kommenden Jahr auch noch eine Unterschriftenaktion, um die vom Aussterben bedrohte Spezies der Messe-Babes vor dem Untergang zu bewahren.

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