Studie - „Gewaltspiele“ führen nicht automatisch zu realer Gewalt

Laut einer neuen FU-Studie führen aggressive Computerspiele bei Kindern nicht unbedingt zu Gewalt.

von Denise Bergert,
02.01.2007 08:10 Uhr

Unter Berücksichtigung unterschiedlicher Sozialstrukturen wurden für eine Studie der Freien Universität Berlin sechs Grundschulen in vier Berliner Bezirken ausgewählt: Rund 280 Kinder aus 3./4. sowie 5./6. Klassen wurden im Jahresabstand nach ihren Lieblingsspielen befragt sowie wann und wie oft sie damit spielten. Zuvor sollten die Kinder jedoch den eigenen Umgang mit Ärger oder Frust einschätzen. Aggressive Verhaltensweisen wie Treten, Schubsen, Intrigieren oder Ausschließen wurde zudem von den Lehrern und Mitschülern der 8- bis 13-Jährigen bewertet.

“Die große Mehrheit der Kinder gab bei der ersten Befragung keine gewalthaltigen Spiele als Lieblingsspiele an, sondern bevorzugte Rollen-, Lern- oder Geschicklichkeitsspiele“, resümierte Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kristen. Nach einem Jahr sei jedoch nicht nur die Gesamtzahl der Lieblingsspiele von 320 auf 500 gestiegen, sondern auch der Anteil von Ego-Shootern. Dieses Genre sei vor allem bei den Schülern beliebter geworden, die schon zu Beginn der Studie mit aggressivem Verhalten aufgefallen waren.

“Jungen, die eher ein aggressives Verhalten an den Tag legten, tendierten über die Zeit eher dazu, sich mit gewalthaltigen Computerspielen zu beschäftigen. Mädchen hingegen, die eher zum Lügen und Intrigieren neigten, wählten über die Zeit eher Rollenspiele als Lieblingsspiele aus“, so Kristen. Unabhängig von der Sozialstruktur sahen die Ergebnisse in allen beteiligten Schulen ähnlich aus.

“Bislang gab es zu diesem Thema weltweit kaum Untersuchungen, die sich mit Grundschülern beschäftigten“, bestätigte die Wissenschaftlerin der Freien Universität Berlin . Nun sei es vor allem wichtig, die weitere Entwicklung der Kinder in der Pubertät zu beobachten. „Vieles deutet aber darauf hin, dass die simple Schlussfolgerung "Gewaltspiele machen gewalttätig" eindeutig zu kurz greift“, sagte Kristen. Vielmehr gehe es um ein komplexes Gefüge real erlebter und virtueller Gewalt - das gesamte Lebensumfeld müsse deshalb im Blick bleiben.

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