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The Last of Us - Warum die doofe KI der Geschichte schadet

Mit dem kommenden PS4-Blockbuster The Last of Us: Part 2 hat Naughty Dog die Chance, eine Sache zu verbessern, die Linda im ersten Teil gehörig auf den Keks ging.

von Linda Sprenger,
11.08.2019 11:01 Uhr

Bei der KI von The Last of Us kann Linda nur mit dem Kopf schütteln. Bei der KI von The Last of Us kann Linda nur mit dem Kopf schütteln.

The Last of Us gehört zu meinen absoluten Lieblingsspielen, perfekt ist Naughty Dogs postapokalyptisches Abenteuer für mich deshalb natürlich trotzdem nicht. Vor einiger Zeit startete ich einen erneuten Spieldurchlauf und reagierte in einigen Situationen sogar genervt: Ist Ellie eigentlich von allen guten Geistern verlassen? In Stealthpassagen benimmt sich die Heldin nämlich oft wie der Elefant im Porzellanladen - und schadet sich damit letztendlich selbst.

Die Begleit-KI in The Last of Us ist doof

Stealth ist ein Kernaspekt des Gameplays von The Last of Us. Wer nicht schleicht, sondern stattdessen wild mit Pistole, Baseballschläger und Co. auf seine Feinde losgeht, hat hier schnell eine Kugel im Kopf oder Clicker-Zähne im Hals.

Weil ich mir mein postapokalyptisches Abenteuer nicht unnötig erschweren will, spiele ich in The Last of Us in der Regel immer auf dem diskreten Weg. Nur Joels computergesteuerte Begleiterin Ellie scheint den harten Überlebenskampf auf leisen Sohlen nicht wirklich ernst zu nehmen.

Während meines Trips durch die Cordyceps-verseuchten Vereinigten Staaten kommt es erschreckend oft vor, dass Ellie Schurken und Infizierten einfach unachtsam vor die Füße läuft, während ich als Joel abwartend und vorausplanend in den Schatten lauere.

Den Spielfluss unterbrechen die leichtsinnigen Manöver der Begleit-KI immerhin nicht. Feinde ignorieren Ellie in der Regel, sobald sie ihnen in die Quere läuft, weshalb meine Deckung nicht auffliegt und ich trotzdem mucksmäuschenstill weitermeucheln kann. Aus rein spielerischer Sicht kann ich derartige KI-Aussetzer also noch verschmerzen.

Hin und wieder kommt es in The Last of Us allerdings zu Situationen, in denen Ellie tatsächlich meine Pläne durchkreuzt. Beispielsweise dann, wenn sie plötzlich aus dem Hintergrund heraus einen Backstein auf Schurken wirft und sie dadurch unnötig aufschreckt. Dabei wollte ich mich doch von hinten anschleichen... Ob und wann ich meine Widersacher mit Steinen oder Flaschen ablenke, möchte ich im Spiel immer noch selbst entscheiden.

Linda Sprenger
@lindalomaniac

Linda freut sich wahnsinnig auf The Last of Us: Part 2, das laut aktuellen Gerüchten im Februar 2020 erscheinen soll. Während Naughty Dog bei der Geschichte des Sequels ihr vollstes Vertrauen hat, sorgt sie sich noch etwas um das Gameplay. So erhofft sie sich nicht nur mehr spielerische Abwechslung, sondern eben auch eine schlauere Begleit- und Gegner-KI.

KI-Aussetzer vs Story

In derlei Momenten wird Joels tapfere Begleiterin dann eben doch zur (spielerischen) Last - obwohl sie in der Geschichte das genaue Gegenteil beweist. Und genau das stellt für mich das größte Problem von Ellies KI-Pannen dar: Sie reißen mich aus der Story des Spiels heraus.

Der grummelige Joel mag zu Beginn des Abenteuers zwar keine Lust auf Babysitting haben, allerdings machen uns schon die ersten Kapitel des Spiels mehr als deutlich, dass Ellie sehr wohl auf sich alleine aufpassen kann - und will.

Ellie braucht Joel nicht
Kolumne: Darum kommt die Heldin auch ohne Joel zurecht

Am Ende des Hotel-Abschnitts rettet sie zum Beispiel Joel das Leben, indem sie seinen Angreifer erschießt, noch bevor er ihn in einer Pfütze ertränken kann. Weil Joel seinem aufgezwungenen Mündel zu diesem Zeitpunkt noch nicht traut, reagiert er darauf eher wütend - Ellie aber zeigt, dass sie sehr geschickt im Umgang mit Waffen ist und sich wehren kann. Im Kapitel “Winter”, in dem ich schließlich selbst in die Rolle des Teenagers schlüpfe, wird das umso deutlicher.

Ellie weiß sich zu wehren. Ellie weiß sich zu wehren.

Hier ist Ellie nämlich ganz auf sich allein gestellt. Sie kümmert sich um den verletzten Joel. Sie jagt mit Pfeil und Bogen nach einem Hirsch. Sie nimmt es ganz alleine mit dem zwielichtigen David und seinen kannibalistischen Kameraden auf. Kurzum: Ellie kämpft ihre eigenen Kämpfe. Das Überleben in einer gnadenlosen Endzeit-Welt muss ihr niemand mehr beibringen, sie weiß, wie der Hase läuft. Ihre KI-Aussetzer lassen aber genau das unglaubwürdig erscheinen. Sie passen nicht zum Charakter und werten ihn unnötig ab.

Patrouillierenden Plünderern (oder fiesen Cordyceps-Infizierten) läuft man nicht einfach so in die Arme, und so wie es uns die Geschichte vor Augen führt, sollte das Ellie eigentlich klar sein.

Doofe Protagonistin, doofe Antagonisten

Aber nicht nur die Begleit-KI lässt in The Last of Us zu wünschen übrig. Die Feinde des Heldengespanns beweisen hier ebenfalls nicht gerade Köpfchen. Menschliche Widersacher bleiben beispielsweise gerne mal an Deckungen hängen oder attackieren den jeweiligen Protagonisten gar nicht, obwohl er doch direkt vor ihnen steht. Und das ärgert mich, weil der Überlebenskampf so ordentlich Spannung einbüßt.

Dieser Feind sieht auf dem Bild schlauer aus, als er tatsächlich ist. Dieser Feind sieht auf dem Bild schlauer aus, als er tatsächlich ist.

Wie Entwickler Max Dyckhoff vor einiger Zeit verriet, krempelte Naughty Dog das Verhalten von Ellie und ihren Feinden fünf Monate vor dem Release von The Last of Us noch einmal komplett um. Möglicherweise könnte diese kurzfristige Entscheidung ein Grund dafür gewesen sein, warum die Begleit- und Gegner-KI des Spiels Probleme bereitet. Vielleicht reichte die Entwicklungszeit hierfür einfach nicht aus. Aber dabei kann ich nur spekulieren.

The Last of Us 2 muss es besser machen

Letztendlich hoffe ich, dass Naughty Dog aus den Fehlern des Originals gelernt hat und mir mit The Last of Us: Part 2 schlaue Begleiter an die Seite und schlaue Gegner gegenüber stellt.

Mit The Last of Us: Part 2 verspricht Naughty Dog schlauere Feinde. Mit The Last of Us: Part 2 verspricht Naughty Dog schlauere Feinde.

Letzteres haben die Macher im Zuge der E3 2018 immerhin schon versprochen: Ellies neue Feinde, die grausamen Mitglieder der Seraphiten-Sekte, verständigen sich beispielsweise durch Pfeifen. Wenn sie etwa eine Leiche entdecken, sind sie alarmiert und geben die Info nach und nach an ihre Kollegen weiter, sodass früher oder später Verstärkung eintrifft. Zudem sollen sie auf realistische Art und Weise versuchen, Ellie zu finden und sie zu stellen. Wie das genau funktioniert, zeigt aber natürlich erst das finale Spiel.

Dass Ellie im Sequel gemeinsam mit einem (noch geheimen) KI-Partner loszieht, steht ebenfalls schon fest. Vielleicht handelt es sich dabei diesmal ja um Joel. Oder um einen Hund. Und bei Letzterem hoffe ich erst recht, dass er sich nicht bei der nächsten Gelegenheit kopflos einem Clicker oder Sektenfanatiker vor die Füße wirft.

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The Last of Us: Part 2 - Beeindruckendes erstes Gameplay: Ellie in der Klemme 11:53 The Last of Us: Part 2 - Beeindruckendes erstes Gameplay: Ellie in der Klemme


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