The Outer Worlds setzt auf Qualität statt Masse: Was bedeutet das?

Auf der E3 hat Obsidian mit uns über ihr neues RPG The Outer Worlds gesprochen und warum einige Features nicht im Spiel sein werden.

von Maximilian Franke,
19.06.2019 17:27 Uhr

The Outer Worlds kann nicht mit der Größe anderer RPGs mithalten, deswegen konzentrieren sich die Entwickler aufs Wesentliche. The Outer Worlds kann nicht mit der Größe anderer RPGs mithalten, deswegen konzentrieren sich die Entwickler aufs Wesentliche.

Wir haben zusammen mit unseren Kollegen von der GameStar auf der E3 2019 mit Co-Director Leonard Boyarsky über das kommende Singleplayer-RPG The Outer Worlds gesprochen. Ein wiederkehrendes Thema des Gesprächs waren qualitative Entscheidungen, die während der Entwicklung getroffen werden mussten und denen einige Features zum Opfer fielen.

Was ist The Outer Worlds? Es ist das Spiel von Leonard Boyarsky und seinem Kollegen Tim Cain. Beide haben bereits an Fallout 1, Fallout 2 und Fallout: New Vegas mitgearbeitet. The Outer Worlds orientiert sich in vielerlei Hinsicht an diesen Spielen. Allerdings ist das RPG keine riesige AAA-Produktion. Das Budget ist begrenzt.

Die Entwickler haben sich daher an einigen Stellen dazu entschieden, dass ihr Spiel vielleicht kleiner wird, als es RPG-Fans mittlerweile gewohnt sind. Dafür soll die Qualität der enthaltenen Features gewahrt werden. Im Interview wird deutlich, dass viele Features dem Prinzip "Klasse statt Masse" untergeordnet wurden. Vier davon, hat uns Boyarsky genauer erklärt.

Keine "richtige" Open World

Ihr könnt euch in The Outer Worlds frei bewegen. Das Spiel bietet viele Eigenschaften eines klassischen Open World-RPGs. Allerdings wird es keine große, umfangreiche Map geben, wie zum Beispiel in The Elder Scrolls 5: Skyrim.

Stattdessen gibt es mehrere kleine Umgebungen, zwischen denen ihr hin- und herreisen könnt. Neben verschiedenen Planeten könnt ihr auch Raumstationen oder einen Asteroiden erkunden. Die fallen aus Budget-Gründen nicht gigantisch aus, bieten aber trotzdem viel Platz zum Erkunden.

"Wir wollten eine Space-SciFi-Fantasy umsetzen und wenn du im Weltall unterwegs bist, willst du dich mit deinem Raumschiff von Ort zu Ort bewegen. Eine einzelne, große Open World würde der Vorstellung nicht gerecht werden, wie Han Solo durch die Galaxis zu fliegen und verschiedene Dinge zu erleben."

"Kleine und konzentrierte" Umgebungen seien mit dem vorhandenen Budget zudem leichter umzusetzen. Auch mit mehr Geld wäre die Spielwelt so aufgeteilt, wie sie nun ist. Allerdings würden einige der Areale vielleicht ein bisschen größer ausfallen, meint Boyarsky.

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Kein Crafting

Ursprünglich arbeitete Obsidian auch an einem ausgefeilten Crafting-Feature, mit dem ihr beispielsweise eure eigenen Waffen bauen oder verbessern konntet. Das wird es im fertigen Spiel jedoch nicht geben. Boyarsky führt neben "Budget" noch einen inhaltlichen Grund an, warum es fehlt.

"Wir versuchen uns auf die Dinge zu konzentrieren, von denen wir wissen, dass sie zum Spiel passen und dass wir sie ordentlich einbauen können. Außerdem haben wir mit der Zeit gemerkt, dass es [Crafting] nicht zu einem weiteren wichtigen Punkt unseres Spiels passt."

Crafting passt nicht ins Spiel. Damit spielt er darauf an, dass große Konzerne eine zentrale Rolle in der Lore von The Outer Worlds spielen. Während z.B. Banditen mit kaputten und schlechten Waffen durch die Gegend laufen, kommen die guten Items von großen Konzernen, deren Qualität auch einiges kostet.

Selbstgebaute Waffen hätten laut Boyarsky in diese Lore nicht wirklich hineingepasst. Das klingt logisch, immerhin könntet ihr die teuren Edel-Geschütze der womöglich Story-relevanten Fraktionen somit früher oder später einfach umgehen, in dem ihr selbst anfangt zu basteln. Diesen Widerspruch aufzulösen hätte viel Zeit gekostet. Zeit, die lieber in andere Features investiert wurde, anstatt es auf Biegen und Brechen einzubauen.

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Kein Koop

The Outer Worlds ist ein reines, klassisches Singleplayer-Rollenspiel. Es gibt keinen Multiplayer und auch keinen Koop-Modus. Zumindest letzteres würde sicherlich einige Fans finden, aber auch hier haben sich die Entwickler dagegen entschieden.

"Ich mag Singleplayer-RPGs. Um hier nicht wieder mit Budget und Zeit zu antworten: Wenn du Multiplayer richtig machen willst, bedeutet das sehr großen Aufwand. Wir haben komplett bei 0 angefangen, ohne ein bereits existierendes Universum. Es gab vorher keine Assets oder Lore. Da noch eine Multiplayer-Komponente einzubauen, wäre einfach viel zu viel gewesen."

Außerdem birgt ein Koop-Modus laut Boyarsky die Gefahr, dass dafür Singleplayer-Inhalte zurückgefahren werden müssen. Er bevorzugt die spielerische und charakterliche Tiefe, die im Einzelspieler erreicht werden kann, ohne dass es auch für mehrere Spieler gleichzeitig Spaß machen muss.

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Begleiter ja, aber keine Romanzen

Auch wenn ihr nicht mit menschlichen Spielern reisen könnt, seid ihr in The Outer Worlds dennoch nie allein. Ihr könnt bis zu zwei Begleiter auswählen, die euch auf euren Abenteuern unterstützen. Diese helfen euch im Kampf, oder unterstützen euch anderweitig mit ihren individuellen Fähigkeiten. Habt ihr z.B. einen geschickten Dieb dabei, fällt euch das Schlösserknacken leichter.

Außerdem könnt ihr im Kampf einfach Befehle geben und eure Crew-Mitglieder auf ein bestimmtes Ziel ansetzen, oder die Aktivierung ihrer Spezial-Fähigkeit anfordern. Auch eure soziale Beziehung spielt eine Rolle. Die Figuren reagieren auf eure Taten und können euch dementsprechend mögen, oder euch im Extremfall sogar für immer den Rücken kehren. Romantische Beziehungen wird es allerdings nicht geben.

"Um Romanzen gut hinzubekommen, braucht es eine Menge Zeit. Wir wollten sie nicht halbherzig umsetzen. Wenn wir sie machen, dann nur mit der nötigen Zeit."

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Nachteile von Romanzen. Boyarsky fügt hinzu, dass die Möglichkeit einer Beziehung unter Umständen auch der Charakter-Tiefe im Weg stehen kann. Einige Spieler neigen dazu, "wie auf einer Checkliste" die Aktionen zu machen, die letztlich in einer Beziehung enden. Der eigentliche Charakter und seine Geschichte rücken dadurch in den Hintergrund.

Dieses Problem ließe sich lösen, aber "wenn wir uns darauf konzentriert hätten, hätten andere Dinge gelitten". Letztendlich scheint die Kosten-Nutzen-Rechnung der Entwickler auch hier nicht aufgegangen zu sein.

Weniger ist mehr

The Outer Worlds setzt vor allem auf die Story, die ihr mit "so vielen Entscheidungen wie möglich" beeinflussen könnt. Das Spiel richtet sich dem bisherigen Material nach zu urteilen klar an Fans von Fallout: New Vegas. Ob es am Ende mit dem großen Vorbild mithalten kann, wird sich zeigen.

The Outer Worlds erscheint am 25. Oktober 2019 für PS4 und Xbox One.

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