Wir wollen ein Resident Evil 3 Remake & so soll es aussehen

Dass uns in naher Zukunft ein Remake zu Resident Evil 3 erwartet, ist nicht ausgeschlossen. Doch wie sollte es aussehen und wie war das damals eigentlich mit dem PS1-Klassiker?

von Christian Liebert,
14.05.2019 13:40 Uhr

Chris erklärt euch, wie ein Remake zu Resident Evil 3: Nemesis aussehen sollte. Chris erklärt euch, wie ein Remake zu Resident Evil 3: Nemesis aussehen sollte.

Nach dem überragenden Erfolg des Remakes zu Resident Evil 2 Anfang des Jahres brodelt die Gerüchteküche: Bastelt Capcom heimlich schon an einer Neuauflage von Resident Evil 3? Der dritte Ableger der Zombie-Serie erschien damals in den Wirren kurz vor dem Generationswechsel der PlayStation und war in Deutschland harten Zensuren unterlegen. Von einem Remake würden Spieler nur profitieren.

Mit Traumwertungen und viel Jubel von den Fans hat Capcom Anfang des Jahres mit dem Remake von Resident Evil 2 bewiesen, dass sie immer noch wissen, wo die Stärke ihres Franchises liegt. Sie haben ihre Vision vom Zombie-Survival zum neuen Genre-Standard gemacht, an dem sich kommende Spiele und auch die Reihe selbst in Zukunft messen müssen.

Das Spiel hat in vielerlei Hinsicht extrem davon profitiert, dass die Entwickler nicht einfach ein HD-Remaster auf den Markt geworfen, sondern das alte Spiel von Grund auf neu entwickelt und an moderne Ansprüche angepasst haben.

Christian Liebert
@Hijuga

Allyance-Kollege Chris ist großer Fan von Resident Evil und widmet neben der Souls-Serie von Entwickler From Software einen Großteil seines Let's Play-Kanals Hijuga den Spielen von Publisher und Entwickler Capcom.

Da es uns Spielern aber stets nach Neuem dürstet, wurden schnell erste Rufe laut, dass Capcom doch bitte Resident Evil 3 die gleiche Remake-Liebe zuteil werden lassen soll. Befeuert wird dieser Wunsch zusätzlich durch kleine Details im RE2-Remake, die darauf hinweisen könnten, dass die Entwickler uns ein ganzes Stück weit voraus sind.

Ein Opfer von chaotischer Entwicklung und deutscher Zensur

1999 schickte Capcom mit Resident Evil 3: Nemesis den damals vorerst letzten Ableger seiner beliebten Zombie-Reihe auf die schon gut in die Jahre gekommene PlayStation, um in ihren letzten Atemzügen noch mal alles aus der Konsole herauszukitzeln. Das war nicht zwingend der Wunsch der Entwickler, immerhin hatte man jüngst einen Exklusiv-Deal mit SEGA für deren Dreamcast unterzeichnet, die der PS1 zumindest technisch um Welten voraus war.

Eigentlich sollte die Reihe nämlich auf der damaligen Next-Gen fortgesetzt werden, doch Sony bestand auf die Einhaltung der Nummerierung. Außerdem war die PS1 in Sachen Abverkäufe für Capcom quasi lebensnotwendig, weswegen Teil 3 dort mit alter Engine und bekanntem Konzept das Licht der Welt erblickte. Finanziell eine richtige Entscheidung: Knapp 3,6 Millionen Spieler erkundeten als Jill Valentine die Straßen von Raccoon City und nahmen es es mit dem namensgebenden Riesen "Nemesis" auf.

Das Übel, das Resident Evil 3 seinen Namen gibt - der Nemesis. Das Übel, das Resident Evil 3 seinen Namen gibt - der Nemesis.

Dass Capcom seinerzeit an mehreren Fortsetzungen gleichzeitig arbeitete, machte Resi 3 merklich zu schaffen. Für die Dreamcast entstand zeitgleich nämlich Resident Evil: Code Veronica, das sowohl technisch und auch inhaltlich aufwändiger war. Diesen Fokus merkte man dem Nemesis-Teil deutlich an.

Mit knapp sechs Stunden Spielzeit und dem Verzicht auf eine komplexe Handlung fiel der dritte Teil deutlich kurzatmiger aus als das hochgelobte Resident Evil 2 (Original). Auch in Sachen Gameplay und Technik gab es nur wenig Fortschritte - lediglich der ewig miesgelaunte "Nemesis", der die Spieler das ganze Abenteuer über verfolgte, war eine erweiterte Umsetzung des bereits aus dem Vorgänger bekannten "Mr. X".

Gekürzt und verstümmelt

In Deutschland geriet Resident Evil 3 zudem ins Visier der USK, wodurch es erhebliche Kürzungen gab. Blut wurde grau gefärbt und wenn Zombies zu Boden gingen, verbluteten sie nicht wie in der Originalfassung, sondern blinkten kurz auf und verschwanden direkt vom Bildschirm.

Ein zusätzlicher Dämpfer für die Fans waren die Kürzungen am Inhalt: K.O.-Moves wie Kopfschüsse oder das Erledigen von kriechenden Zombies (per Tritt auf den Kopf) wurden gänzlich aus dem Spiel entfernt.

Noch schlimmer traf es den Bonus-Modus "Mercenaries", in dem Spieler gegen die Zeit eine bestimmten Abschnitt im Spiel zurücklegen und dabei möglichst viele Zombies töten mussten, um Belohnungen in Form von Extra-Waffen für das Hauptspiel zu erhalten. In der deutschen Fassung gab es für erledigte Zombies allerdings keine Bonuszeit, was dem Modus den Sinn und die Spielbarkeit nahm - das Konzept funktionierte schlicht nicht mehr.

So sah der Kampf gegen den Nemesis im Original auf der PlayStation aus. So sah der Kampf gegen den Nemesis im Original auf der PlayStation aus.

Kurzum: Resident Evil 3 war vor allem in Deutschland nur eine halbgare Portion, was den allgemeinen Hype um die Serie deutlich milderte. Während Resident Evil 4 noch heute zu den beliebtesten Spielen aller Zeiten zählt, fehlt dem Nemesis-Teil in der Resi-Historie der ganz große Glanz. Doch genau das könnte der perfekte Antrieb sein, warum sich ein Remake für Capcom und vor allem die Spieler sehr lohnen könnte.

Ein Höllentrip durch Raccoon City

Ganz vorne steht dabei natürlich die Grafik. Die Neuauflage von Resident Evil 2 sieht beeindruckend gut aus und bietet eine sehr aufwendig inszenierte Spielwelt. Zwar bleibt man dem Original in der Grundidee treu, die Möglichkeiten der "RE Engine" machen Raccoon City und das Polizeirevier zu nahezu perfekt gelungenen Schauplätzen, in denen man an jeder Ecke irgendwas Neues entdecken kann.

Aber nicht nur die optische Qualität, sondern auch die Atmosphäre ist nochmal um einiges bedrückender und spannender als im Original.

Was Capcom aus der RE Engine herausgeholt hat ist im wahrsten Sinne des Wortes schrecklich. Was Capcom aus der RE Engine herausgeholt hat ist im wahrsten Sinne des Wortes schrecklich.

Wo damals der Horror vor allem aus den Zusammentreffen mit den Untoten sowie dem Mangel an Ressourcen entstand, erzeugt das Remake von Resi 2 seine Gruselstimmung durch die perfekte Inszenierung von Licht und Schatten, der verwinkelten Umgebung und der eindrucksvollen Geräuschkulisse.

Auch RE3 könnte von dieser Herangehensweise stark profitieren. Schauplatz des Grauens war damals die nach der Zombie-Apokalypse verwüstete Innenstadt von Raccoon City. Leerstehende Geschäfte, finstere Seitengassen und verlassen wirkende Parkanlagen - das waren schon 1999 perfekte Orte zum Gruseln, die in einem neuen und schickeren Gewand nochmal um einiges eindrucksvoller ausfallen würden.

Ein noch schlimmerer "Nemesis"

Im Remake von Resident Evil 2 nimmt "Mr. X" eine wesentlich wichtigere Rolle ein als noch im Original. Im alten Spiel verfolgte der Tyrant-Mutant die Spieler lediglich in der B-Kampagne, während er uns in der 2019-Version das komplette Spiel über terrorisiert. "Nemesis", also die noch krassere Entwicklung von "Mr. X", war in Resident Evil 3 nicht nur namensgebend, sondern auch ein sehr wichtiger Part. Seine Mission, die Mitglieder der "S.T.A.R.S." zu eliminieren, machte Jill Valentine bis zum Schluss das Leben schwer.

An Mr. X scheiden sich die Geister. Die einen mögen die permanente Angst, andere finden ihn hingegen nervig. An Mr. X scheiden sich die Geister. Die einen mögen die permanente Angst, andere finden ihn hingegen nervig.

Dieser Horror der ständigen Verfolgung hat viele Fans mitgerissen und würde in einer eventuellen Remake-Fassung für noch mehr Nervenkitzel sorgen. Durch die technische Limitierung tauchte Nemesis damals nämlich nur an bestimmten Stellen auf und sorgte für eine kurze Verfolgungsjagd, bevor sein Skript endete und wir für eine Weile wieder Ruhe vor ihm hatten.

Die deutlich anhänglichere und unberechenbare neue Variante würde die Immersion der "dauerhaften Gefahr" à la Alien: Isolation noch mal verstärken und so den Überlebenskampf intensivieren. Man stelle sich zum Beispiel vor, Nemesis würde einfach das ganze Spiel über nicht aufhören, uns zu verfolgen. Panik in Dauerschleife!

Mehr Tiefe für Jill Valentine und Carlos Oliveira

Auch wenn Resident Evil 3: Nemesis der fortschrittlichste Ableger seiner Generation war, blieb das Spiel an vielen Enden blass. Allen voran die lahme Hauptstory rund um die Flucht von Jill Valentine, die zwar im Erstling an der Seite von Chris Redfield die Serie mitbegründet hatte, aber danach im Schatten von Claire und Leon verschwand. Ihre Geschichte in RE3 hatte leider wenig erinnerungswürdige Momente, auch ihr Sidekick Carlos Oliveira bot kaum Spielraum für die Weiterentwicklung des Resi-Universums.

So blieb Bösewicht "Nemesis" der wahre Star von Resident Evil 3 und genau hier könnte Capcom anpacken und den Fans endlich den dritten Teil servieren, den sie auch wirklich verdienen. Genug Ansätze gäbe es zumindest. Immerhin spielen Resident Evil 2 und 3 quasi parallel, was sich zum Beispiel im Polizeirevier zeigt, in dem Jill im Original für eine kurze Passage unterwegs war. Ein großes Loch in der Wand gibt den Spielern ja bereits im 2019-Remake Anlass zum Grübeln, ob dieses in Wahrheit von Nemesis stammen könnte.

Weiter drehte sich ein Großteil der Handlung um die Wurzel allen Übels, nämlich die Umbrella Corporation, die verzweifelt versucht, das Unglück irgendwie unter den Teppich zu kehren und dafür ihre Spezialeinheit nach Raccoon City schickte.

Die Intrigen, die sich daraus entspannen, waren der Kern von Resident Evil 3: Nemesis und bieten gerade in Hinblick auf die darauffolgenden Serienteile viel Potenzial für eine ausgedehnte Storyline. Zu guter Letzt würden sich bestimmt nicht nur Jill und Carlos, sondern auch wir Spieler, darüber freuen, wenn die Entwickler ihren Charakteren mehr Tiefe verleihen würden.

Was wäre besser, ein weiteres Remake oder Resident Evil 8?

Zu den großen Stärken von Resident Evil zählten zur Zeit des dritten Ablegers noch der Fokus auf den Survival-Aspekt der Reihe. Knappe Munition, wenig Heilgegenstände und begrenzte Speichermöglichkeiten machten einen Großteil des Reizes hinter dem Konzept "Resident Evil" aus. Diesen Ton schlug auch das Remake von Resident Evil 2 wieder an und war damit sehr erfolgreich.

Da die USK heute deutlich lockerer agiert und bei Gewaltdarstellungen nicht mehr so schnell zur Zensur-Schere greift, könnte das "nackte Überleben" auf den Straßen von Raccoon City gleich doppelt so spannend werden. Jill und Carlos sind bei der Flucht aus der Großstadt ganz auf sich allein gestellt und müssen es irgendwie aus dieser Hölle herausschaffen.

Sehen wir Jill Valentine bald in einem Remake zu Resident Evil 3? Wir jedenfalls sind guter Hoffnung. Sehen wir Jill Valentine bald in einem Remake zu Resident Evil 3? Wir jedenfalls sind guter Hoffnung.

Mit moderner Inszenierung, die vielen Szenen mehr Bedeutung verleiht, ergibt sich in unserem Kopf ein nahezu perfektes Bild, wie wir uns die Stärken eines Remakes am besten vorstellen können. Hoffen wir, dass Capcom das genauso sieht und vielleicht sogar schon mitten in der Entwicklung steckt.

Natürlich bleibt die Frage, was nun besser wäre - ein neues Remake oder ein echtes Resident Evil 8? Immerhin hat der siebte Teil bereits völlig neue Türen geöffnet, in welche Richtung sich das Franchise weiterentwickeln könnte. Um an der Stelle aber frecherweise Tony Stark (frei) zu zitieren: "Ist es zuviel verlangt, beides zu wollen?"

Habt ihr Lust auf ein Remake zu Resident Evil 3?


Kommentare(12)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen