Xbox 360 - Red Ring of Death - Microsoft kannte Design-Schwächen schon vor dem Launch

Ein amerikanischer Journalist zitiert Insiderquellen, die Erstaunliches zu Tage bringen.

von Christian Merkel,
08.09.2008 17:13 Uhr

Die hohe Ausfallrate der Xbox 360 war vorsehbar. Dies behauptet zumindest der Autor des Buches 'The Xbox 360 Uncloaked' Dean Takahashi in einem neuen Artikel. So habe Microsoft sowohl in der Entwicklung viele Dinge falsch gemacht als auch die Produktion zumindest anfangs nicht in den Griff bekommen.

Die Fakten aus dem Bericht sind erschreckend: Im August 2005, nur wenige Monate vor dem Verkaufsstart, waren 68 von 100 Xbox-360-Konsolen, die in China vom Band liefen, laut einem anonymen Microsoft-Mitarbeiter als komplett defekt erkannt worden. Dies wäre eigentlich kein Problem, wenn Microsoft genug Bauteile gehabt hätte: Doch CPU-Hersteller IBM hatte ebenfalls Fertigungsprobleme. So kam IBM anfangs nur auf eine Ausbeute von 16 Prozent bei den CPUs.

Auch die Konsolen, die später beim Kunden ankamen, waren nicht unbedingt fehlerfrei -- viele leidgeprüfte Xbox-360-Besitzer wissen das nur zu gut. Angeblich habe Microsoft Takahashi zufolge vor allem bei der Qualitätssicherung gespart, um die explodierenden Kosten in den Griff zu bekommen. So soll ein Vertrag mit einem Hersteller von Testmaschinen von 25 Millionen US-Dollar auf 23 Millionen US-Dollar gekürzt worden sein. Kleine Änderung, große Auswirkung: So waren zum Launch der Xbox 360 nur ein Drittel der eigentlich notwendigen Testmaschinen gebaut worden.

Schon im August warnten Mitarbeiter in internen Memos vor überhitzenden Grafikchips, brechenden Wärmeleitblechen und minderwertigen Grafikspeicherchips von Infineon. Doch woran liegt es, dass Microsoft so kurz vor dem Start der Konsole solche Probleme hatte? Die Entwicklungszeit war zum einem viel zu kurz. Was aber noch viel schwerer wiegt: Microsoft hat kurz vor dem Ende der Entwicklung noch viele Funktionen hinzugefügt, sagt Takahashi. Unter anderem wurden die drahtlosen Controller erst sehr spät als standardmäßige Bestückung eingeführt. Durch die Änderungen verschlechterte sich das Belüftungskonzept der Konsole.

Das Ergebnis kennt jeder: Microsoft musste 2007 einräumen, dass das Unternehmen mehr als eine Milliarde US-Dollar als Rückstellung in die Bilanz für defekte Xbox-360-Konsolen einplanen musste. Insgesamt seien laut Takahashi bis jetzt 1,6 Millionen Konsolen bei Microsoft als Garantiefall zurückgekommen. Dem stehen 11,6 Millionen an den Handel ausgelieferte Xbox-360-Packungen gegenüber.


Kommentare(53)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen